398 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913.
Manche nehmen infolge davon die römische Meile zu 1481 m, andere zu 1479 m,
andere noch etwas niedriger an. Um ein völlig exaktes Maß handelt es sich für
jene Zeiten noch nicht. Wir begnügen uns, von einer Größe von
1480 m
zu sprechen.
Man könnte diese Meile für die Zeiten seit etwa dem 14. Jahrhundert
auch mit vollem Recht »italienische Seemeilen« nennen, Denn sie haben sich in
gleicher Größe bis ins 18, Jahrhundert im Mittelmeere erhalten, wo man dann
75 = 1° rechnete, Indessen, da man gern die Landmeile der Italiener (60 = 1°)
auch in früheren Jahrhunderten -ls »Miliaria italica« oder italienische Meilen
bezeichnet, sollen jene kleinere Meilen hier »romanische Seemeilen« genannt
werden,
Nun ist wohl niemals bestritten, daß, wenn das Mittelalter den Ptole-
mäus interpretiert und seine 500 Stadien für den Erdgrad durch 62'/, Miliarien
ausdrückt, unter letzteren die alten römischen Meilen zu 1000 altrömischen
Schritten verstanden sind. Mit Recht schließt also d’Avezac aus dem Wortlaut
der Verhandlungen von Badajoz im Jahre 1524, daß die spanischen Piloten den
Portugiesen nicht hätten vorwerfen können, durch ihre Annahme von 70 Miglien
für den Erdgrad den Ptolemäischen (62!/„ M.) um 7’/, Millas zu vergrößern,
wenn man damals nicht die Millas für identisch mit den Millia passuum gehalten
hätte.!) Hier sprechen sich also Nautiker von Fach aus dem uns interessierenden
Zeitalter indirekt für eine Identifikation der mittelalterlichen italienischen See-
meile und der römischen Meile aus,
Das gleiche geht aus einer Stelle im Briefe des Juwelier-Kosmographen
Mosen Jaimes Ferrer vom 28. Februar 1495 an den König von Spanien
hervor. Er sagt, indem er auf das 5. Kapitel des VIII. Buches des Ptolemäus
verweist:?) »Nach Ptolemäus beträgt der Umfang der Erde im Aquator 180000
Stadien im Verhältnis von 500 Stadien auf den Grad nach seiner Rechnung und
‚contando 8 stadios por milla son 22 500 millas que son 5625 leguas ä razon de
4 millas por legua ä euenta de Castilla‘ (nach kastilischer Rechnung)«.
7. Nun stehen wir mit diesen Äußerungen am Beginn des Zeitalters, in
dem man gemäß der Erweiterung der Schiffahrt auf ozeanische Weiten anfing,
das Streckenmaß mit dem Erdgrad in unmittelbare Beziehung zu
setzen. Bei den Kosmographen der Renaissance war man sich über diesen
Punkt absolut nicht klar; und nichts ist in dieser Hinsicht falscher als der von
merkwürdiger Unkenntnis zeugende Ausspruch Peschels: »Unerschütterlich
blieb in jenen Zeiten die Ansicht, daß der Erdgrad 500 Ptolemäische Stadien
enthalte«, Denn es kann ohne weiteres als ausgemacht gelten, daß die Ansichten
über die Größe der Erde gerade am Ende des 15. Jahrhunderts zwischen 56%/;,
50, 64, 66°%/,, 68, 70, 80, 87'/, römischen Meilen — wenn wir die Stadien gleich in
diese übertragen — d. h. um volle 50%, schwankten, Bei den südeuropäischen
Nautikern jener Zeit begegnen wir einer solchen Mannigfaltigkeit der Ansichten
nicht. Nur zwei Anschauungen stehen sich gegenüber, Die Mehrzahl hält an
der Annahme
1° = 70 Miglien
fest oder, was dasselbe ist, da 4 Miglien =1 Legua,
1° = 17'/, spanischen Leguas,
nur die Portugiesen glauben
1° = 16?/, Legoa
setzen zu müssen, eine Zahl, die selbstverständlich im engsten Zusammenhang
mit der damals vielfach auftretenden Annahme steht: 1° = 66°%/, Miglien.,
Niemals findet aber bei den Seefahrern jener Tage der Wert
1° = 60 Miglien
Anwendung, vielmehr ist derselbe irrtümlich von späteren Histo-
} Bull. de 1a soci&t& de g&ogr. de Paris IV Serie. Vol. 16. Paris 1858.
?) Navarrette Col. IT p. 101.