accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

394 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1913, 
daß man mit einer Legua von vier Seemeilen absolut nicht auskommt«.!) Un- 
zweideutig geht hieraus hervor, daß Geleich der spanischen Legua damaliger 
Zeit rund 41850 m == 7.4 km zuschrieb, also die Existenz der Seemeile 
in ihrer heutigen Größe bis ins 15. Jahrhundert zurückdatiert. 
In einem ähnlichen Irrtum war Arthur Breusing befangen, als er 1876 
seine bekannte nautische Einleitung zu dem von K, Koppmann herausgegebenen 
und an das Ende des 15. Jahrhunderts gesetzten niederdeutschen Seebuch schrieb.?) 
Es seien, meint er, unter den dort namhaft gemachten »Mylen« immer französische 
Lieues oder englische Leagues zu verstehen, von denen 20 auf den Grad des 
größten Kreises gehen, eine jede also gleich drei Seemeilen sei. Stillschweigend 
wird auch hier unter Seemeile die heutige verstanden. Auf die Widerlegung der 
Abmessungen, welche Breusing anführt zum Beweise seiner Identifikation, gehe 
ich hier, da sie zu weit führen würde, nicht ein, ich stelle nur wiederum fest, 
daß er der Meinung war, die englische Sea-league sei um 1500 bereits der im 
18, und 19. Jahrhundert gebräuchlichen an Größe gleich gewesen. 
Noch deutlicher tritt der gleiche Zeitirrtum in dem kurzen Satz 
Konrad Kretschmer’s hervor, der in seinem trefflichen Werke »Die italienischen 
Portolane des Mittelalters«°), 1909, sagt: »Die spanische Legua hatte (sic!) 
— gemeint ist das 15. Jahrhundert — eine Länge von 5565,329 m«. Bekanntlich 
rechnete man damals 17*/, spanische Leguas auf einen Erdgrad, über dessen 
wahre Größe man noch ganz im unklaren war. Die Zahl 5565,329 m ist aber 
der 20. Teil des Äquatorgrades nach den Bestimmungen W,. Bessels vom Jahre 
1841 über die Dimensionen des Erdsphäroids. Aus diesen ergibt sich rechnerisch 
genau der Aquatorgrad zu 110 306,578 m. Hier wird also von Kretschmer 
eine ganz moderne terrestrische Bestimmung aus dem 19. Jahrhundert unter 
Ausschaltung jeder Entwicklung, welche die Legua durchgemacht hat, einfach 
in das 15. Jahrhundert übertragen. 
Demgegenüber wird es sich also verlohnen, der Sache einmal auf den Grund 
zu gehen und insbesondere näher nachzuweisen, daß jener Sea-league und damit 
der Nautical Mile bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts eine beträchtlich 
geringere Größe beigelegt ward, indem man letztere nur zu rund 
5000 englischen Feet 
annahm, und daß sie erst um das Jahr 1640 um etwa !/,, also auf etwa 
6000 Feet 
wuchs, um dann allmählich die heutige Größe zu gewinnen. 
2. Die Ursache der falschen Annahmen über die Größe der Seemeile liegt 
zweifellos in dem Umstande, daß uns diese so häufig unter der Gestalt des 
50. Teils eines Erdgrades entgegentritt. Sie hat damit den schwankenden Cha- 
rakter eines Naturmaßes, ebenso wie alle jene auf den Erdgrad früher oder später 
bezogenen Wegemaße, z. B. die spanische Legua (17!/, = 1°), die deutsche (duytsche) 
Meile (15 = 1°), die französische Lieue (20 = 1°), usw. schon früh gewonnen, 
Indem nun yon vielen Historikern der mathematischen Geographie übersehen 
ward, daß man sich bis in die Zeiten Newtons hinein allgemein die Erde zu 
klein dachte, legten sie unbewußt jenen aliquoten Teilen des Erdgrades viel zu 
große Werte unter. Für diesen verhängnisvollen Irrtum ließen sich aus der 
Literatur auch der letzten Jahrzehnte Beispiele anführen. Ich will nur auf zwei 
ältere Autoren von namhaftem Klang hinweisen. 
Keinen Geringeren als Alexander v. Humboldt, der durch seine »Kri- 
tischen Untersuchungen über die historische Entwicklung der geographischen 
Kenntnisse der neuen Welt und die Fortschritte der nautischen Astronomie ın 
1) Mitteilungen der K. K. Geographischen Gesellschaft, Wien 1893, S. 583. Indem Geleich 
a. a. ©. schließlich durch eine Unzahl von Trugschlüssen und Rechnungsfehlern der Legua des 
Kolumbus die viel zu kleine Größe von nur 2,3 Seemeilen (60 = 1°) und seiner Miglie eine solche 
von rund 0.6 der heutigen Seemeile (60 = 1°) zuschrieb, hat er den Fehler von 32%, welchen 
Kolumbus bei Abschätzung seines Westweges durch Annahme des Erdgrades zu 56%/, römischen 
Meilen (83.9 km statt 111 km) beging, noch um weitere 11%, erhöht. 
?) Niederdeutsche Denkmäler, Bd. I. Bremen 1876, 
9) Ein Beitrag zur Geschichte der Kartographie und Nautik. Berlin 1909 
SS 62
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.