Wagner, H.: Zur Geschichte der Seemeile,
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Zur Geschichte der Seemeile.
Von Professor Dr. Hermann Wagner, Göttingen.
Inhalt. Einleitung. Grundirrtümer in bezug auf die Größe der Seemeilen in früheren Jahrhunderten
von Seiten mancher Historiker der Nautik, Abschnitt I: Die kleineren Seemeilen, 1. Die kleine
Mittelmeer-Meile. 2, Die romanische Seemeile (Tausend Schritt- Meile). 3. Die ältere Seemeile der
Briten von 5000 Fuß... 4, Die britische Nautical Mile. 5. Die Seemeile als mittlere Breitenminute
seit 1750. 6. Die wechselnden Werte der Seemeile in der Neuzeit. Begrifflich. Numerisch nach den
verschiedenen Sphäroiden. . 7, Die Seemeile als Äquatorminute (1855 m). 8. Die Seemeile als mittlere
Meridianminute (1852 m). 9. Seemeile als Minutenmeile auf einer Kugel vom mittleren Radius (1853 m).
10. Die Meridianminute der mittleren Breite; Tafeln der Breiten- und Längenminuten, — Abschnitt II:
Die großen Seemeilen. 11. Die spanische Legua maritima (171, = 1°). 12. Die Lieue marine und
britische Sea-league (20 = 1°. 13. Die deutsche Seemeile (15 = 1°). Waghenaers duytsche Myle.
Die Seemeilen Norwegens und Schwedens.
Einleitung.
1. Fast alle seefahrenden Nationen sind seit Jahrzehnten gewohnt, zur
Streckenmessung sich einer »Seemeile« zu bedienen, die zwar begrifflich bis heute
noch nicht gleichmäßig definiert wird und daher auch in der Größe noch ein
wenig schwankt, aber doch schon durchweg als ein Maß von gleicher Größen-
ordnung anerkannt werden muß. Mit einer Länge von rund
1852 m
hat sie in der praktischen Verwendung bereits ein größeres Gebiet erobert als
das Landmaß des Kilometers, dem die englische Statute Mile (== 1609 m) und
die russische Werst (= 1067 m) noch immer den Rang streitig machen.
Dem Ursprunge dieser heutigen Seemeile nachzuspüren, gelten diese Zeilen.
Es ist nicht ganz leicht, die neuere Entwicklung dieses Streckenmaßes bei den
einzelnen Nationen etwa seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu verfolgen. Seltener
aber noch werden die Quellen, aus denen sich schöpfen läßt, im 18, und 17, Jahr-
hundert. Dann aber versagt auf den ersten Blick fast alles, und Versuchen, die
Seemeile in unmittelbaren Zusammenhang mit den von den Italienern des Mittel-
alters angewandten Miglien zu bringen, sind mir bisher nicht begegnet.
Dagegen muß die ‚auffallende Tatsache festgestellt werden, daß namhafte
Schriftsteller über die Geschichte der mathematischen Geographie und der Nautik
auch in neuerer Zeit sich in einem völligen Irrtum über die früheren Perioden
befunden haben, indem sie glauben, die heutige Seemeile, die Nautical Mile der
Briten, habe bereits im 16. und 17. Jahrhundert, ja noch früher, direkt oder
indirekt als Streckenmaß zur See gegolten. Mit anderen Worten, sie geben
derselben in ihrer heutigen Größe eine viel zu langdauernde Geschichte,
Zu diesen Autoren gehört u. a, Eugen Gelecich, der vor zwanzig und
mehr Jahren sehr lebhaft in die Untersuchungen über die Schiffahrtskunde im
Zeitalter der großen Entdeckungen eingriff, Ich erinnere an seinen Versuch
aus dem Jahre 1893, eine besondere Meile des Kolumbus, wie man es nennen
könnte, zu konstruieren, ein Versuch, der zu seiner Widerlegung eine eigene
Abhandlung erheischte wegen der großen Zahl dabei begangener Trugschlüsse.
Die Hauptsache ist, daß seine ganze Argumentation gegen die vermeintliche
Annahme gerichtet ist, die Miglie, deren sich Kolumbus in seinen Schriften
bedient habe, sei mit der heutigen Seemeile identisch. Allerdings rechnet Kolumbus
vielfach auch mit der Legua, die er, wie auch Gelcich durchweg vermutet, zu
vier Miglien oder Millas (spanisch) rechnet. »Warum aber der Entdecker« —
so sind Gelcichs Worte — »von einer Legua Gebrauch machen sollte, die sonst
weder bei den Seeleuten des Mittelmeeres noch bei. den Portugiesen in Verwendung
stand, konnten wir niemals erklären, allein alle seine Angaben fallen derart aus