Runge, C.: W. ie kann man aus vier Sonnenhöhen die Besteckversetzung in der Zwischenzeit finden? 925
Standlinien bezogen auf einen Schiffsort, so, als hätten wir ‚die drei Höhen am
selben Loggeort beobachtet und lassen zunächst ganz unentschieden, welche
Standlinien als verschoben anzusehen sind, und ob wir annehmen, daß der Schnitt-
punkt von Meridian und Breitenparallel dem- ersten, dem zweiten oder. dem
dritten Loggeort entsprechen soll. Wäre der gegißte Ort zwar unrichtig, aber
wäre die Veränderung des gegißten Ortes richtig, so würde dem wahren Schiffs-
ort ein bestimmter fester Punkt des Pauspapiers entsprechen, nämlich der ge-
meinsame Schnittpunkt der drei Standlinien, der sich mit dem Pauspapier auf
der Seekarte entlang bewegt, wenn wir dieses so verschieben, daß sich der Schnitt-
punkt von Meridian und Breitenparallel auf der angenommenen Kurslinie bewegt.
Findet dagegen während der Zwischensegelung eine Versetzung statt, so schneiden
sich die Standlinien im allgemeinen nicht in einem Punkte und es entspricht dem
wahren Schiffsort kein fester Punkt des Pauspapiers, sondern der den wahren
Schiffsort darstellende Punkt kriecht, während das Pauspapier der Loggerechnung
entsprechend über die Kurslinie verschoben. wird, selbst wieder auf dem Paus-
papier entlang. - Mit dieser Bewegung über das Pauspapier haben wir uns nun
gerade zu beschäftigen, denn sie stellt den Teil der Bewegung des Schiffes
während der Zwischenzeit dar, der zu der Logge hinzugefügt werden muß, um
die wahre Bewegung anzugeben. '
Betrachten wir zunächst einen bestimmten Fall, .wie er am 8. Mai
(Od=17°N) auf etwa 41° Nordbreite und 30° westlicher Länge hätte beob-
achtet werden können. Die Sonne sei im ersten Vertikal, um Mittag. und im
letzten Vertikal beobachtet. Von den
drei entsprechenden auf das Paus-
papier gezeichneten Standlinien liegen
also die erste (I) und die dritte (III)
einander parallel und haben. nord—
südliche Richtung, die zweite (II)
steht auf beiden senkrecht (Fig. 1).
Wenn während der ganzen Zeit keine
Stromversetzung stattgefunden hätte,
so müßten Iund III zusammenfallen
und der Schnittpunkt mit II würde
während der ganzen Zeit.den Schiffs-
ort . darstellen. in dem Sinne, daß,
wenn wir in irgendeinem Augen-
blick das Pauspapier so auf. die
Seekarte legen, daß der Punkt O auf
den für jenen Augenblick gegißten
Schiffsort. fällt. und die beiden in O
sich kreuzenden Graden mit Meridian
und. Parallelkreis der Seekarte sich
decken, der‘ Schnittpunkt. von I, III
mit II den wahren Ort auf der See-
karte anzeigt. Wenn. dagegen I
und III nicht zusammenfallen,. so.
folgt. daraus, daß. eine Versetzung 2 .
stattgefunden haben. muß; Der :den wahren Schiffsort darstellende Punkt des
Pauspapiers muß zur Zeit der ersten. Beobachtung auf der Graden I und zur
Zeit der dritten auf der. Graden III gelegen haben und muß sich also in der
Zwischenzeit von der einen zur anderen Graden hinüberbewegt haben. Das heißt,
es muß ‘in dieser Zeit eine Versetzung in der Länge stattgefunden haben, die
gleich dem Längenunterschiede der beiden Linien I und III ist. Ob. auch eine
Versetzung in der‘ Breite stattgefunden hat, darüber sagen die Beobachtungen
nichts aus, Nur das wissen wir, daß der den wahren Schiffsort darstellende
Punkt des Pauspapiers sich so von I nach III bewegt, daß er zur Zeit der
zweiten Beobachtung sich auf der Linie II befindet. Die allgemein übliche
Methode des Mittagsbestecks nimmt den Schnittpunkt S von I und II als den
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