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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1913, 
Island. Die Küsten Islands blieben das ganze Jahr eisfrei, Treibeis 
wurde aber in einiger Entfernung von der Nordküste im Sommer zuweilen an- 
getroffen, im August wurden drei Eisberge bei Kap Nord gesichtet. 
Davis-Straße und Baffin-Bai. Im Herbst 1911 war die Westküste 
Grönlands eisfrei, Mitte Dezember erschien das erste Packeis bei Kap Farewell 
und besetzte mehr oder minder dauerhaft die Westküste, — Die mittlere Ge- 
schwindigkeit der Trift des Eises wird im Bericht des dänischen Instituts auf 
9 Sm geschätzt. — Im Sommer war die Schiffahrt im südlichen Teil der West- 
küste zuweilen durch Eis gehemmt, im nördlichen Teil lagen die Verhältnisse 
günstiger. Von September bis November war die Westküste eisfrei, jedoch 
wurden viele Eisberge gesichtet. In der Hudson-Straße wurden im Sep- 
tember ungewöhnlich viel Eisberge beobachtet, sonstige Meldungen aus diesem 
Gebiet fehlen. 
Nordatlantischer Ozean. Bei den Neufundland-Bänken gelangte das 
Eis im Jahre 1912 südlicher als in irgendeinem Jahre seit 1897. Die Eisberge 
kamen bis 37%,° N-Br., Treibeis bis 37'/,° N-Br. Die ersten Eisberge zeigten sich 
im Januar, Februar und März; am 14. April ereignete sich der verhängnisvolle 
Zusammenstoß der »Titanic« mit einem Eisberg. Die Eisberge breiteten sich 
mehr und mehr südlich und östlich aus, so daß die Dampferrouten mehrfach 
verlegt wurden. Im Mai wurden 1110 Eisberge gemeldet, während im Juli 1911 
die größte Zahl 475 betrug; auch das Packeis gelangte ungemein südlich, Die 
Abnahme der Eismeldungen in den späteren Monaten ist wahrscheinlich auf die 
Verlezung der Dampferrouten zurückzuführen, erst im September waren die 
Verhältnisse wieder normal, Schweres Packeis und viel Eisberge wurden auch 
in der Belle Isle-Straße beobachtet, 
Bering-Straße, Die Eisverhältnisse in der Bering-Straße waren günstig 
zu nennen; Mitte August war die Küste vom Süden bis Point Barrow eisfrei, 
Von der Beaufort-See lagen keine Berichte vor. 
Zusammenfassung. Ungünstig waren die Eisverhältnisse in der Kara- 
und Barents-See sowie im Weißen Meer, günstig an der ostgrönländischen Küste 
bei Angmagsalik und in der -Bering-Straße. Außergewöhnlich schwer und weit 
südlich reichend war die Eistrift bei den Neufundland-Bänken. 
Zum Schluß seien noch zwei Temperaturreihen, die der Dampfer »Godthaab« 
im ostgrönländischen Polarstrom nahm, angeführt, da sie in dem dänischen Bericht 
leicht unbeachtet bleiben. 
+ 759° 48' N-Br. 75° 10 N-Br., 
Tiefe 7° 32 W-Lg. 13° 5U' W-Le. 
— 0.79 — 0.1° 
— 1.4° — 1.59 
— 1.19 —2.0° 
— 0.2° — 1.9° 
— 920° 
Dr. W. Brennecke. 
2. Die Unterstützung der Navigation durch Temperaturmessungen in 
der Nähe von treibenden Eisbergen. Herr J. Thoulet macht in »Le Yacht« 
folgende Mitteilung: Kapitän Baudelon der »Compagnie Generale Transatlantique« 
hat kürzlich zwei Aufsätze von großem Interesse veröffentlicht, betitelt: »Die 
Überfahrten von Europa nach New York und das Studium der außergewöhnlichen 
Eistrift von 1912 im Atlantischen Ozean«, 
Die Veröffentlichungen sind veranlaßt durch das schreckliche Unglück der 
»Titanic«, Ohne von neuem auf die Einzelheiten der begangenen Fehler ein- 
zugehen, schlägt der Verfasser eine Methode vor, nach der es möglich sei, die 
Schiffahrt gegen die Gefahr der treibenden Eisberge zu schützen, hauptsächlich 
in den gefürchteten Gewässern innerhalb 35° und 60° W-Lg. und etwa 42° und 
44° N-Br. Zum Verständnis wird folgendes vorausgeschickt: Lange vor dem 
Schiffbruch der »Titanic« ließ Kapt. Baudelon während der zahlreichen Über- 
fahrten zwischen Havre und New York in den Gewässern, in denen Eisberge 
treiben, die Temperatur des Meerwassers stündlich messen. Diese Arbeit dauerte
	        
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