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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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Amalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1913. 
einer Tide ist. Dies setzt natürlich besonders günstige Umstände voraus, wie 
sie nur äußerst selten vorkommen dürften... 
Die Flaschen müssen vor allem in solcher Nähe der Küste ausgesetzt 
werden, daß sie während einer Tide antreiben können. 
Für Flasche Nr. 38 kommen, nach der zwischen Aussetzen und Auffinden 
liegenden Zeit zu rechnen, nur wenig mehr als zwei volle Tiden in Betracht 
und demnach zwei Strömungen, von denen eine der Küste zu- und eine davon 
absetzte, Erfahrungsgemäß pflegt hier der Flutstrom im allgemeinen eine süd- 
liche und der Ebbstrom eine nordwestliche Richtung aufzuweisen, sofern nicht 
durch anhaltend stärkere Winde Störungen des Gezeitenverlaufs eintreten. Es 
müßte also nach dem zur Zeit der Beobachtungen herrschenden Gezeitenstand 
festgestellt werden, welchen Weg die Flasche nach dem Aussetzen zunächst ein- 
geschlagen hat. 
Da die Beobachtungen in unmittelbarer Nähe der Küste stattfanden, so 
kann den von S. M.S. »Hyäne« hierbei innegehabten Positionen unter Berück- 
sichtigung der mittleren Gezeitenverhältnisse die Hochwasserzeit von Cuxhaven 
zugrunde gelegt werden. Jedenfalls ist der Zeitunterschied, um den hier auf 
offener See die Flut früher eingesetzt haben wird, so gering, daß er vernach- 
lässigt werden kann. 
Auf Grund der Angaben der Gezeitentafeln fanden diese 4% N-Beob- 
achtungen etwa 1’/, Stunden nach Hochwasser in Cuxhaven statt. Es herrschte 
am Beobachtungsorte folglich Ebbstrom, und daraus ergibt sich, daß die zuerst 
angenommene direkte Trift SzO = 5 Sm völlig ausgeschlossen ist, Vielmehr 
muß die Flasche mit dem Ebbstrom in etwa nordwestlicher Richtung noch einige 
Stunden seewärts getrieben sein, bevor sie mit der Strömung der nächsten Tide 
sich der Küste nähern konnte, Unter normalen Verhältnissen hätte sie die nord- 
westliche Richtung ungefähr vier Stunden lang einhalten müssen. Da die Ge- 
schwindigkeit der Strömung unbekannt ist, so bliebe im vorliegenden Fall nur 
übrig, die zwischen Abgangs- und Fundort liegende direkte Entfernung von 5 Sm 
als Grundlage für diese Berechnung zu benutzen. Die Flasche hätte demnach 
in vier Stunden etwa */, dieser angenommenen Entfernung, mithin 3.34 Sm 
zurücklegen müssen, wenn man die Stromgeschwindigkeit als gleichbleibende 
Größe betrachtet und von der Geschwindigkeitsänderung, die beim Gezeiten- 
wechsel stattfindet, absieht. Der Betrag 3.34 Sm, zu der direkten Entfernung 
addiert, ergäbe 8.34 Sm als Gesamtentfernung, welche die Flasche mit dem Flut- 
strom bis zum Fundort zurückgelegt haben dürfte. Die stündliche Geschwindig- 
keit würde somit 1.4 Sm betragen haben. 
Der Witterungszustand ist hierbei allerdings nicht berücksichtigt, und die 
starken südlichen Triften der Beobachtungen vom 13. lassen darauf schließen, daß 
die nördlichen Winde möglichenfalls auch einen Einfluß auf die Strom- und Gezeiten- 
verhältnisse dieser Gegend ausgeübt haben. Es wäre anzunehmen, daß unter solchen 
Umständen der Ebbstrom später einsetzte und früher aufhörte als bei normalem 
Gezeitenverlauf, und daß seine Geschwindigkeit sich infolgedessen verringerte. 
Beim Flutstrom wird dies dagegen ein früheres Einsetzen und späteres Aufhören 
und damit eine Vergrößerung der Stromgeschwindigkeit zur Folge gehabt haben. 
Der nordwestlich setzende Ebbstrom dürfte außerdem durch den seitlich wehenden 
Wind etwas westlich abgelenkt worden sein. Hätte der Flutstrom die angeblich 
vorherrschende südliche Richtung eingehalten, so wäre er hiervon weniger be- 
rührt worden. Die Trift der Flasche läßt indessen erkennen, daß dieser Strom 
trotz des nördlichen Windes zum mindesten eine Richtung nach SSO, wenn nicht 
nach SO aufgewiesen hat. Mit einer rein südlichen Triftrichtung würde die 
Flasche, die durch das anfänglich nordwestliche Abtreiben olınehin schon eine 
westlichere Lage erhielt, den Fundort überhaupt nicht erreicht haben. 
Der berechnete Annäherungswert dürfte dem wirklichen nahezu ent- 
sprechen, selbst wenn man annimmt, daß der Ebbstrom durch den Wind erheblich 
beeinflußt sein könnte und daß die Flasche mit demselben eine geringere Ent- 
fernung, als hier berechnet, zurückgelegt haben sollte. Ebenso berechtigt wäre 
dann auch die Annalıme, daß der Flutstrom zur Zeit des Antreibens der Flasche
	        
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