Flaschenposten an der deutschen Nordseeküste.
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Als auffällig sind sodann noch die ungewöhnlich langen Triftzeiten der
bei St. Peter an der holsteinischen Küste gefundenen Flaschen Nr. 8 und Nr, 14
mit 101 bzw, 92 Tagen zu bezeichnen. Beide werden vermutlich schon wenige
Tage nach dem Aussetzen mit der durch westliche Winde verursachten Trift-
strömung an den Strand geführt worden sein. Anderenfalls hätten Sie die süd-
liche oder südöstliche Richtung der anderen Flaschen einhalten müssen. Die
späteren Westwindperioden, die während des Zeitraumes von Mitte Juli bis
Anfang Oktober zu verzeichnen sind, dürften für diese Triften kaum noch in
Frage kommen, vorausgesetzt, daß nicht andere Ursachen dabei mitgewirkt haben.
Die Triften der am 13. Juli westlich von Sylt. abgesandten Stromflaschen
weisen auf das Vorhandensein einer Strombewegung hin, wie sie sich bei den
übrigen von S. M. S. »Hyäne« angestellten Beobachtungen nirgends so bestimmt
und ausgeprägt wieder feststellen läßt. Sämtliche Flaschen hielten ausnahmslos
eine südliche Richtung ein, und zwar trieben 13 nach dem Festland hinüber,
2 nach der Insel Nordstrand und 1 nach der Insel Pellworm. Einen anderen
Weg, als den hier angenommenen, also vielleicht nördlich um Sylt herum,
dürften die Flaschen nicht eingehalten haben;‘ das kann nach den Ergebnissen
der beiden um 4% N ausgeworfenen Flaschen Nr. 25 und Nr. 38, die wenige
Stunden später bei Westerland aufgefunden wurden, auch als völlig ausgeschlossen
gelten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Triften nur dem Ein-
fluß der nördlichen Winde, die vom 9. Juli ab an der Nordseeküste wehten, zu-
zuschreiben sind,
Diese Feststellung ist jedenfalls von besonderem Interesse, weil die Trift-
ergebnisse vom 23, Juni, wie bereits hervorgehoben wurde, hierzu einen Gegensatz
bilden, denn dort waren bekanntlich südliche Winde die Ursache von nördlichen
Versetzungen. Das Vorherrschen südlicher Triftrichtungen zeigte sich ja schon
bei den am 5. Juli vor der Eidermündung angestellten Beobachtungen, nur daß
bei diesen ein unmittelbarer Zusammenhang mit den Wind- und Witterungs-
verhältnissen nicht nachzuweisen war. Hinsichtlich ihrer Stärke sind die Ver-
setzungen der beiden Tage aber gar nicht miteinander zu vergleichen, denn die
vom 5. Juli erreichten im Mittel nur eine tägliche Geschwindigkeit. von 1.5 Sm
gegen 5.2 Sm der Beobachtungen vom 18. Juli. Von den letzteren wies Flasche
Nr. 53 die höchste tägliche Geschwindigkeit mit 8.8 Sm auf, wenn man von dem
Ergebnis der Flasche Nr. 38 absieht, die in 13 Stunden 5.0 Sm zurücklegte, Die
größte Entfernung betrug 43 Sm und wurde von Flasche Nr. 31 in 5 Tagen
3 Stunden, also mit einer Geschwindigkeit von 8.4 Sm am Tage zurückgelegt.
Die längste Triftdauer ist bei Flasche Nr, 87 mit 50 Tagen und einer täglichen
Geschwindigkeit von 0.6 Sm zu verzeichnen. Dann folgt Flasche Nr. 33 mit
einer Triftdauer von 48 Tagen und 0.3 Sm täglicher Geschwindigkeit als der
geringsten aller Beobachtungen überhaupt. Beide Flaschen werden wahrscheinlich
lange am Strande gelegen haben, bevor sie aufgefunden wurden.
Von einer näheren Beschreibung kann wegen der ziemlichen Überein-
stimmung, die in den einzelnen Fällen in der Triftrichtung festgestellt ist, ab-
gesehen werden. Die Unterschiede der Triftgeschwindigkeiten sind belanglos,
Eingehendere Erwägung verdienen nur noch, die Ergebnisse der um 4% N in
55° 0' N-Br. und 8° 17’ O-Lg. ausgesetzten Flaschen, von denen zwei, nämlich
Nr. 24 und Nr. 32, nach der Insel Amrum und zwei nach Sylt trieben. Der Ver-
bleib der fünften Flasche ist unbekannt. Von den beiden auf Sylt in der Nähe
von Westerland angetriebenen Flaschen ist besonders die 13stündige Trift der
Flasche Nr. 38 bemerkenswert, weil sie geeignet ist, einen ungefähren Anhalt
über die Richtung und Stärke der zur Zeit herrschenden Strömung zu geben,
Bei Flasche Nr. 25 liegen die Verhältnisse infolge der 18stündigen Triftzeit
schon weniger günstig, trotzdem sie wahrscheinlich mit Flasche Nr. 38 gleich-
zeitig den Strand erreicht haben dürfte, denn streng genommen, können solche
Funde in Gewässern, wo Gezeitenströmungen herrschen, nur dann einen praktischen
Wert haben, wenn aus den Angaben hervorgeht, daß die Trift das Ergebnis