Die Witterung zu Tsingtau in dem Jahre vom Dezember 1910 bis zum November 1911. 341
Richtungen. Sie verursachten mäßige Niederschläge, die zum Teil als Schnee
niedergingen. Namentlich ist der Schneefall des 15. bemerkenswert durch seine
in Tsingtau 12 cm erreichende Höhe. Vom 17. bis 29, herrschte sodann be-
ständigere Witterung, die nur am 23, durch einen heftigen Nordsturm unter-
brochen wurde, Noch einmal gelangte ganz am Monatsschluß ein Tiefdruck-
gebiet zur Herrschaft, Eine aus nordwestlicher Richtung kommende Depression
durchzog in den Tagen vom 28. bis 30. Schantung von Westen nach Osten und
führte bei stürmischen Winden, welche mit dem Vorrücken des Minimums von
südlichen auf nördliche Richtungen holten, sehr ergiebige Niederschläge herbei.
Auf dem Iltisberg war der März 1911 ebenso wie der von 1910 verhältnis-
mäßig kühl, Die niedrigste Temperatur wurde am 3. mit 4°, die höchste am 26.
mit 14.5° beobachtet. Die Niederschlagsmenge betrug insgesamt 52,7 mm. In
der Nacht zum 16. war Schnee gefallen, der bis zu 7 cm Höhe den Boden be-
deckte, dann aber sofort wieder auftaute und zusammen mit dem früh am 16,
gefallenen Regen eine Niederschlagsmenge von 10.5 mm ergab.
April 1911. Die Witterung war an der Küste bei normalem Luftdruck sehr
kühl, die mittlere Tagestemperatur lag 1,3° unter dem 10-jährigen Mittel. Häufige
Nebel und die durchweg sehr lebhaften Winde verstärkten die Unfreundlichkeit
des allgemeinen Witterungscharakters noch mehr. Im Hinterlande war die Tem-
peratur höher, sonst aber herrschte ebenfalls vielfach trübes und regnerisches
Wetter vor. Die Bewölkung war namentlich an der Küste erheblich zu hoch, sie
hielt die bereits überwiegende Einstrahlung ab, ohne die Ausstrahlung wesent-
lich zu beeinflussen. Diesem Umstande dürfte in erster Linie die geringe Luft-
wärme zu verdanken sein. Im Innern, wo die Bewölkung im allgemeinen über-
haupt weniger groß zu sein pflegt, trat deswegen die Anomalie der Temperatur
weniger in Erscheinung.
Was die allgemeine Wetterlage anbelangt, so gestaltete sich diese infolge
des Auftretens zahlreicher Depressionen, welche in rascher Folge vorüberzogen,
außerordentlich wechselvoll. In der ersten Dekade verursachten ausgedehnte
Tiefdruckgebiete über Mittelchina vielfach trübes und nebeliges Wetter; die
Luftbewegung war nur schwach, und die Temperatur hielt sich ohne große
Schwankungen in einer ziemlich gleichmäßigen Höhe; die Sonnenscheindauer
während dieser ganzen Zeit betrug nur 9 Stunden und 16 Minuten.
Von größerem Einfluß auf den weiteren Witterungsverlauf waren zwei in
der Zeit vom 16. bis 19. über Schantung und den Golf von Petschili fortziehende
Depressionen. Am 17. frischte der herrschende Nordwestwind zu voller Sturm-
stärke auf, als die erste der erwähnten Depressionen über den Golf von Korea
hinwegging. Gegen Abend des gleichen Tages holte jedoch der Wind links-
drehend und abflauend auf westliche und südwestliche Richtungen, als sich die
Annäherung einer westlich von Kalgan erschienenen neuen Depression bemerkbar
machte. Diese zog südostwärts über den Petschili-Golf und Ost-Schantung fort
und rief hier von neuem stürmische Winde hervor. Das ungewöhnlich niedrige
Minimum (Barometer in 1'/, Tagen von 754.9 bis 742.9 gefallen) passierte am
19. zwischen 5 und 68 V etwa 120 km nördlich von Tsingtau. Die größte Wind-
geschwindigkeit wurde von 8—9b V mit 19 m pro Sekunde als Mittel der ver-
gangenen Stunde registriert. Das Sturmfeld war jedoch ein nur verhältnismäßig
kleines, wie überhaupt die ganze Erscheinung einen ausgesprochen zyklonischen
Charakter aufwies; die Barographenkurve zeigte die charakteristische trichter-
förmige Figur. Unter der Einwirkung der stürmischen Winde gingen die Tem-
peraturen überall stark herunter. In Weihsien betrug die Differenz zwischen
dem Mittag des 18. und 19. nicht weniger als 14°, in Tsingtau 6.5°. Bei nach-
folgender heiterer Witterung stieg die Temperatur jedoch schnell wieder auf die
normale Höhe. Stürmische südöstliche Winde am 22. und 23. kündigten aber
sehr bald wieder die Annäherung, einer weiteren Depression an. Das Wetter
wurde trübe und regnerisch, an der Küste traten dichte Nebel auf. Am 25. zog
die Depression unter Entwicklung außerordentlich stürmischer Winde vorüber.
Die Windgeschwindigkeit erreichte im Mittel der Stunde von 4—5? N 22.1 m in
der Sekunde, Ein erheblicher Temperatursturz, der in: der Monatstabelle aller-
(Fortsetzung des Textes auf S. 344.)