Die Witterung zu Tsingtau in dem Jahre vom Dezember 1910 bis zum November 1911. 339
Nach stürmischen nördlichen und nordwestlichen Winden am 1. machte
sich am 2. die Annäherung einer Depression durch frische südöstliche Winde
bemerkbar. Sie zog am 3. und 4, vorüber und brachte bei stürmischen nörd-
lichen Winden und trüber Witterung schwache, unmeßbare Niederschläge. Ein
neues Tiefdruckgebiet von nur geringer Tiefe folgte bereits am nächsten Tage.
Am 6. und 7. fiel über größeren Gebieten Schnee; die Höhe der Schneedecke
betrug in Tsingtau 5,4 cm. Die trübe und teilweise nebelige Witterung dauerte
bis zum 11., an diesem leiteten stürmische nördliche Winde im Rücken einer am
10. vorübergegangenen flachen Depression eine Reihe heiterer Tage ein. Das
sonnige, ruhige Wetter hielt bis zum 24. an; schwache, meist aus nördlichen
Richtungen wehende Winde ließen die größere Kälte dieser Tage nicht empfinden.
Am 25. trat ein Wetterumschlag ein. Eine am 24. im oberen Tale des Yangtse-
kiang erschienene Depression rückte ostwärts vor und beherrschte am 25. und
26. die Witterung der nördlichen Küstengebiete und des Gelben Meeres. Bei
vorwiegend nordöstlichen Winden fielen am 26. und 27, große Schneemengen, die
am Abend des 27. eine Decke von 20 cm Höhe bildeten. Nach vorübergehend
heiterem Wetter am 28. folgte am 29, bereits eine neue Depression aus südwest-
licher Richtung. Bei Annäherung des ungewöhnlich niedrigen Minimums ent-
wickelte sich der herrschende Südost-Wind zu voller Sturmstärke. Vom Mittag
des 29. bis zum Passieren des Zentrums am Mittag des 30. war das Barometer
etwa 12 mm gefallen. ;
Die größte Kälte herrschte während der 2. Dekade; die mittlere Temperatur
für diesen Zeitraum betrug — 5.2°, gegen — 0.9° in der ersten und — 0.5° in der
letzten Dekade.‘ Eistage wurden 5, Frosttage 30 gezählt. .
Sonnenschein wurden 141,8 Stunden gleich 46.4%, der möglichen Dauer
registriert. Hiervon kamen auf die erste Dekade 36.5, auf die zweite 63.7 und
auf die letzte Dekade 41.6 Stunden,
Die Niederschlagsmenge überstieg das Mittel aus 10 Jahren um mehr als
das Sechsfache. Auch das Tagesmaximum von 33.4 mm ist für diese Zeit un-
gewöhnlich hoch,
Auf dem Iltisberg war der Boden ständig gefroren und die Stauweiher
stets mit Eis bedeckt. Die tiefste Temperatur wurde am 1. mit — 10° gemessen,
An 4 Tagen wurden insgesamt 60.5 mm Niederschlag gemessen, eine bisher noch
nicht für den Januar beobachtete außergewöhnlich hohe Menge. Schnee fiel in
den Nächten zum 7. 11. und 25, am 26. und in der Nacht zum 27. Die Höhe
der Schneedecke betrug am 7. etwa 7 cm, morgens am 24. bis zu 24 cm. In den
Nächten zum 2., 10., 17. und 25, hatte es gereift, Am Morgen des 8. waren
Bäume und Sträucher mit Rauhreif behangen. Nebel wurde am 4, beobachtet.
Die vorherrschende Windrichtung war im ersten Drittel Nord, im zweiten und
im letzten West.
Februar 1911. Der allgemeine Witterungsverlauf entsprach durchweg den
normalen Verhältnissen. Unter den registrierten Windrichtungen überwogen die
aus nördlichen Richtungen immer noch erheblich, doch kamen ihnen Winde aus
südöstlichen Richtungen bereits am nächsten; solche aus anderen Richtungen
traten nur spärlich auf, Stürmische Winde, welche vorübergehend die Stärke 8
der Beaufort-Skala erreichten oder überschritten, herrschten am 2,., 8., 22. und
28. aus nördlichen Richtungen. Im übrigen hielt sich die Geschwindigkeit der
Luftbewegung in mäßigen Grenzen. Auf vorwiegend heiteres und kaltes Wetter
vom 1. bis 8. folgte vom 9. ab eine Periode mit unbeständiger, teilweise trüber
und regnerischer Witterung bis zum 14, Die zweite Monatshälfte brachte dann
wieder trockenes, sonniges und etwas wärmeres Wetter; sie wurde durch Regen-
wetter am 28. beendigt, Diesem allgemeinen Witterungscharakter entsprechend
war im Anfang und in der zweiten Monatshälfte die Wetterlage durch das Vor-
herrschen des kontinentalen Hochdruckgebietes bestimmt, während sich um die
Mitte des Monats mehr der Einfluß von Tiefdruckgebieten geltend machte.
Die erste dieser Depressionen entwickelte sich in der Zeit vom 9. zum 10.
über der Gegend südlich des unteren Yangtsekiang. Sie verursachte über der
Küste Schantungs zunächst schwache nördliche bis nordöstliche Winde und führte