Steffens, O.: Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1912/13. 8337
Im übrigen war die Schiffahrt im letzten Winter nur noch bei Thiessow
an der östlichen Einfahrt in den Bodden bis Stralsund an 12 Tagen und bei
Barhöft an der nördlichen Einfahrt an 8 Tagen geschlossen; normal würden an
beiden Stellen etwa 16 bzw. 11 Tage zu erwarten sein. Auffällig erscheinen die
Eisverhältnisse des letzten Winters im Nordwest-Rügener Fahrwasser bei dem
Wittower Posthaus, wo an keinem Tage die Dampfschiffahrt eingestellt zu werden
brauchte, wogegen dies. im Winter 1911/12 an 20 und nach den achtjährigen
Durchschnittszahlen an 17 Tagen der Fall war. Dabei traten. im Winter 1912/13
nur an 4 Tagen Eisbrecher in Tätigkeit. Dem achttägigen Schluß der Dampfer-
fahrt des letzten Winters bei Barhöft an der nördlichen Einfahrt in den Bodden
bis Stralsund steht ein 49tägiger im Vorwinter und ein 11tägiger nach den an-
genäherten Normalzahlen gegenüber. Der Grund liegt hauptsächlich darin, daß
damals vom 11. bis 20. Januar dort durchschnittlich etwa 11° Frost herrschte,
während im letzten Winter die Pentadenmittel nicht über 5° unter Null herabgingen.
{mmerhin war der Frost des letzten Winters doch stark genug, um an
zahlreichen Stellen der Ostseeküste empfindliche Störungen der Segelschiffahrt
hervorzurufen. Abgesehen von denjenigen Orten, an denen, wie bereits ge-
schildert, auch die Dampfschiffahrt behindert war, treten noch verschiedene
Häfen und Flußmündungen als behindert hervor. Am stärksten machten sich
die Störungen im Stettiner Haff und im Rügener Fahrwasser bemerkbar; im
Stettiner Fahrwasser konnten Segler an 37 Tagen nicht verkehren, das Fahr-
wasser am Wittower Posthaus war für diese Fahrzeuge an 25, bei Thiessow und
Barhöft, den Zugängen zum Stralsunder Bodden an 20 bzw. 17 Tagen ge-
schlossen. Ferner war die Segelschiffahrt im Fahrwasser von Schleimünde bis
Schleswig an 20, von Warnemünde bis Rostock an 13, auf der Haderslebener
Förde an 10 und auf der Eider von Rendsburg bis zur Hohner Fähre an 6 Tagen
unmöglich, Unter den eigentlichen Häfen steht Pillau an erster Stelle, wo der
Hafen 10 Tage für Segler geschlossen war; die normale (8jähriger Durchschnitt)
Zahl beträgt hier 12 Tage, im Vorwinter wurden 29 Tage mit Schluß der Segel-
schiffahrt gezählt,
Als sehr günstig gestellt erscheint auch der Kaiser-Wilhelm-Kanal bis
Brunsbüttel, wo im letzten Winter, nur an 3 Tagen Segler nicht verkehren
konnten, eine Zahl, die hinter der angenäherten Normalzahl (7.5 Tage) und be-
sonders gegen die vorjährige (39 Tage) erheblich zurücksteht.
Wie günstig sich die Eisverhältnisse im letzten Winter gestalteten, geht
auch schon daraus hervor, daß an 7 Beobachtungsstellen der Ostseeküste über-
haupt keinerlei Eisbildung wahrgenommen wurde, wogegen man im Winter 1911/12
an allen Stellen das Vorkommen von Eis feststellte, am wenigsten im Kieler Hafen,
wo an 18 Tagen Eis, wenn auch ohne Behinderung der Schiffahrt, gesichtet
wurde, und selbst bei Brüsterort, das hart am Meer liegt, 18 Tage mit Eis ge-
zählt werden konnten.
Die Eisperioden.
Bemerkenswert erscheint zunächst, daß schon Ende Oktober, allerdings nur
im Memeler Revier, Eis gesichtet wurde, nachdem dort vorübergehend Frost auf-
getreten war, Nach den 8jährigen Beobachtungen von 1903/04 bis 1910/11 war
der erste Termin für: das Vorkommen von Eis dort der 14. November (im
Jahre 1908).
Die eigentliche Eiszeit begann jedoch erst in der zweiten Dekade des
Monats Januar; im November und Dezember hatte nur wieder das Memeler Revier
an je 1 Tage etwas Eis, Und zwar setzte an der Ostseeküste sogleich eine ziemlich
starke Eisbildung ein; das Frische Haff fror am 14. ganz zu, und in zahlreichen
Häfen wurde die Segelschiffahrt am 14. und 15. geschlossen. An der östlichen
und mittleren Ostseeküste blieb dann das Eis bis Ende Februar, an einzelnen
Stellen noch in den März hinein, bestehen. Am längsten hielt es sich im Frischen
Haff, das erst am 13. März wieder befahrbar und am 17. eisfrei wurde. Im
Stettiner Haff war das Eis am 6. verschwunden, nachdem es noch am 5, die
Segelschiffahrt behindert hatte.