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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Meyermann: Einheitliches Sturmwarnungssystem für Ostasien, 
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Einheitliches Sturmwarnungssystem für Ostasien. 
Seeleuten, die einmal die ostasiatischen Gewässer befahren haben, sind die 
Sturmwarnungsmasten bekannt, die in allen größeren Häfen des »Fernen Osten« 
aufgestellt sind. An ihnen wird durch ‚eine Reihe von Signalkörpern ver- 
schiedener Gestalt, wie sie früher an Bord der Kriegsschiffe vielfach üblich 
waren, den Schiffen Nachricht gegeben von atmosphärischen Störungen, die für 
sie wichtig sind, namentlich von der Stellung und dem Verlaufe der Taifune, die 
die Schiffahrt in den ostasiatischen Gewässern häufig gefahrvoll machen. Die 
Sturmwarnungssignale gleichen sich äußerlich in ganz Ostasien fast vollständig; 
ein großer Unterschied besteht jedoch in dem System, nachdem die Signale ge- 
setzt bzw. von den Schiffen ‚abgelesen werden, je nachdem es sich um. eine 
chinesische oder japanische Station handelt. Beide Systeme, das chinesische, vom 
Observatorium in Zi-ka-wei ausgearbeitet, und das japanische sind an sich vor- 
züglich. Viele Kapitäne und Offiziere geben dem japanischen, viele dem chinesischen 
System den Vorzug. Als ein Mangel wird wohl von allen aber empfunden, daß 
nicht ein einheitliches System in Ostasien herrscht, so daß die Schiffe bei ihren 
Fahrten in den ostasiatischen Gewässern stets zwei Tabellen zur Entzifferung 
etwaiger Signale klar halten müssen. Da in absehbarer Zeit auf Anregung des 
Direktors des Zentral-Observatoriums in Tokio, Herrn Professor Nakamura, eine 
Zusammenkunft der Observatoriums-Direktoren des »Fernen Ostens« stattfinden 
wird, beabsichtigt das Tsingtauer Observatorium bei dieser Gelegenheit, die Ver- 
einheitlichung des Sturmsignalwesens in Ostasien anzuregen. Tatsächlich ist es 
durchaus möglich, durch Zusammenfassung der besonderen Vorzüge beider bisher 
gebräuchlichen Systeme ein Einheitssystem zu konstruieren, das allen Anforderungen, 
die gerechterweise an ein solches gestellt werden können, genügt. 
In beiden Systemen werden zur Zeit für die Taifunsignale sechs Signal- 
körper gesetzt, drei untereinander an der einen Rahnock, zwei untereinander an 
der andern und einer im Topp des Mastes. In dem chinesischen System!) geben 
die drei zusammenstehenden Körper von oben nach unten gelesen eine drei- 
zifferige Zahl, mit der aus der Tabelle der Ort des Taifuns (zum Beispiel »nord- 
östlich von Formosa«) zu entnehmen ist, Da sechs verschiedene Körper zur 
Verfügung stehen, können 216 dreizifferige Zahlen und somit ebenso viele Orte 
angegeben werden. Die zwei zusammenstehenden Körper geben die Richtung an, 
in der der Taifun sich fortbewegt bzw. daß er stillsteht, im Wenden begriffen 
oder daß seine Marschrichtung noch unbekannt ist. Dadurch, daß man zu diesen 
Signalkörpern noch eine Gruppe von zwei weiteren nimmt und diese abwechselnd 
mit der Richtungsgruppe vorheißt, hat man die Möglichkeit anzugeben, ob der 
Taifun sich ausbildet oder abflaut, ob er sich teilt, oder ob er besonders heftig 
ist. Der eine Signalkörper im Topp gibt an, zu welcher Zeit der Taifun den 
angegebenen Ort inne hatte, ob gestern oder heute, früh oder nachmittags, 
Im japanischen System?) geben von den drei zusammenstehenden Körpern 
die beiden oberen eine zweizifferige Zahl an. Dieser Zahl entspricht ein Quadrat 
auf einer in 36 Quadrate eingeteilten Karte von Ostasien. Innerhalb dieses 
Quadrates befindet sich der Taifun. Der dritte Körper gibt die Marschrichtung 
des Taifuns an. Da nur sechs verschiedene Körper zur Verfügung stehen, können 
nur die sechs hauptsächlich bei Taifunen in Frage kommenden Richtungen an- 
gegeben werden. Von den zwei zusammenstehenden Körpern gibt der obere die 
Marschgeschwindigkeit des Taifuns, der untere die ungefähre Tiefe des Baro- 
meterstandes in ihm an. Der Körper im Topp dient wie im chinesischen Systeme 
zur Zeitangabe. - 
Die Vorzüge beider Systeme sind ohne weiteres einzusehen. Die Orts- 
bestimmung ist im chinesischen Systeme eine viel detailliertere. Es ist die An- 
gabe von 216 Orten möglich, während das japanische nur 36 Ortsbestimmungen 
zuläßt. Anderseits schließt die Anwendung von Quadraten, wie sie das japanische 
System verwendet, Unsicherheiten aus, wie sie in dem chinesischen System durch 
') Siehe »Ann. d. Hydr. usw.« 1910, 8. 652 u. ff. 
4 Siehe »Ann. d. Hydr. usw.« 1908. 8. 317 u. ff.
	        
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