326 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1913.
macht hatte. Besonders auffällig wird diese Ablenkung bei den Beobachtungen
von S. M. S. »Cormoran« in der Buka-Straße, wo der Monsun direkt aus Süden
wehte, während Matupi zu derselben Zeit SO-Wind meldete.
Als Hauptursache dieser Erscheinung dürfte die stärkere Erwärmung des
Landes im Verhältnis zu der offenen See anzusprechen sein; sie verursacht einen
aufsteigenden Luftstrom und saugt dadurch kältere Luftmassen von der See her
heran. Lokale Einflüsse und Hindernisse, wie z. B. Gebirge, spielen hierbei
natürlich auch noch eine Rolle, wie bereits weiter oben bei den Beobachtungen
am Fuße des Nakanai-Gebirges erwähnt wurde.
Daraus, daß der SO-Monsun Anfang September in Friedrich-Wilhelms-
Hafen weit weniger ausgeprägt war als in Neu-Pommern und in der Buka-Straße,
Jäßt sich vielleicht schließen, daß er hier zuerst aufhört, uud daß hier der NW-
Monsun frühzeitiger einsetzt als weiter im Osten.
Anfang Oktober drehte mit Stärke 3 der Wind nach NNW, dann setzte
aber wieder kräftiger SO-Monsun ein, der bis zum 17. anhielt. Ende Oktober
traten abwechselnd mäßige südöstliche und schwache nordwestliche Winde auf,
Die letzteren brachten Regen. Heftige elektrische Entladungen wurden während
des ganzen Monats beobachtet.
Auch im November wechselten schwache südöstliche und nordwestliche
Winde fortwährend miteinander ab. Meistens setzten nachmittags aus NW
kommende Regenschauer und Gewitter ein, Die Luft war häufig trübe, heiß und
Adrückend. Eine schwache nördliche Dünung kam zeitweise durch.
Im Dezember hatte der NW-Monsun voll eingesetzt in gleicher Weise wie
in früheren Jahren. Meistens wehte er mit mäßiger Stärke, nur beim Einsetzen
der Regenböen frischte er auf bis zu Stärke 5 oder 6. Der Himmel war fast
stets bedeckt und es regnete viel.
Über Erdbeben wird berichtet, daß Matupi und Rabaul oft von lokalen
Erdbeben heimgesucht werden, die ihren Ursprung in dem tätigen Vulkanfeld
der Blanche-Bucht haben. Das Zentrum scheint unter den genannten Orten zu
liegen, was daraus zu schließen ist, daß die Stöße hier senkrecht von unten
herauf sich fühlbar machen. Gegenstände wurden infolgedessen selten um-
geworfen. Anders traten die Erdbeben auf in Kuradui, Herbertshöhe und
Kurakakaul, wo es nicht selten vorkam, daß schwere Möbelstücke ins Wanken
gerieten. In ersterem Orte wurde der schwere Grabstein auf Parkinsons Grab
etwa 15 em seitlich auf seinem Sockel fortgerückt. Ä
Im Gegensatz zu diesen Erdbebenerscheinungen an dem NO-Ende der
Gazelle-Halbinsel wurde während der Vermessungen an der Nordküste Neu-
Pommerns niemals eine Erschütterung wahrgenommen, was ebenfalls für den
lokalen Charakter der obengenannten Beben spricht.
Strom wurde nur im St. Georgs-Kanal bemerkt; an der Nordküste von
Neu-Pommern trat er nicht in Erscheinung. Gezeitenstrom konnte in der
Blanche-Bucht und an der Nordküste von Neu-Pommern nicht festgestellt
werden. J.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Höhen- und Azimuttafeln für 50° und 55° N-Br. und Greenwicher Sternzeit.
Herausgegeben von der Motorluftschiff-Studiengesellschaft, Berlin 1911, und
Sterntafeln. Höhen und Azimute von 20 Sternen für 60° N-Br. und Green-
wicher Sternzeit von Dr. A. Wedemeyer. Motorluftschiff-Studiengeseilschaft.
Berlin 1913.
Von der Motorluftschiff-Studiengesellschaft werden für die Benutzung des Apparates »Orion«
(vgl. Theorie und Beschreibung des Instrumentes, »Ann. d. Hydr. usw.«, Jahrg. 1910, Heft XI. S. 622ff.)
neuerdings für 20 heilere Sterne Höhen- und Azimuttafeln herausgegeben, die von Dr. A. Wedemeyer
berechnet sind. Die Tafeln sind für die Mittelbreiten 50°, 55° und 60° N-Br. aufgestellt. Da die
zum Apparat gehörigen stereographischen Karten je 10 Breitengrade umfassen, wird damit eine von
450 bis 65° N-Br. reichende Zone bedeckt, Die Höhen (auf Zehntelbogenminuten) und Azimute (auf
Zehntelgrade) der nicht zirkumpolaren Sterne sind vom Auf- bis Untergang von 10 zu 10 Minuten
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