2992 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, J’ uni 1913,
gewiesenen Aufgaben werden vorläufig in elf Gruppen erledigt: 1. Prüfung der
von außen an das Komitee herantretenden Vorschläge und Anträge, 2, Veröffent-
lichungen, 3. Biologie, 4. Physik des Meeres, 5. Chemie des Meeres, 6. Meteoro-
logie und atmosphärische Höhenforschung, 7. Gezeiten, 8. physische Geographie,
9, Verwaltung, 10. Anwendung der Ergebnisse auf Schiffahrt und Fischerei,
11. Popularisierung der Ergebnisse. Im einzelnen wird noch bei den biologischen
Arbeiten auf die Wichtigkeit der neueren Planktonstudien, einschließlich des
Sammelns der Fischeier und Larven, hingewiesen, bei der Gezeitenforschung,
die bisher das Adriatische und Jonische Meer bevorzugte, auf die Notwendigkeit,
im Tyrrhenischen Meere weiteres zu tun (hierfür ist eine Spezialkommission
ernannt), bei den physikalisch-chemischen Arbeiten auf die Wichtigkeit der
Untersuchung der Bodenproben, bei den meteorologischen Arbeiten auf die Auf-
gabe, einen meteorologischen Beobachtungsdienst an Bord der italienischen
Handelsschiffe einzurichten.!)
Als die wichtigste und erste große Spezialaufgabe des Komitees steht nun
die Erforschung der Adria voran; sie wird seit 1910 in internationalem Sinne
gemeinsam mit Österreich ausgeführt und soll, wenn auch durch den Krieg mit
der Türkei infolge der notwendigen Entziehung des »Cielope« von diesem wissen-
schaftlichen Programm eine empfindliche Unterbrechung von August 1911 bis
ebendahin 1912 eingetreten ist, fortgesetzt werden. Hinzu kommt dann ein lokales
Subkomitee in Genua, das die Spezialstudien im Ligurischen Meer aufzunehmen
haben wird. Auch die Organisierung des aerologischen Stationsnetzes ist im
Hinblick auf die nationalen Bedürfnisse der Luftschiffahrt bei dem talassogra-
phischen Komitee in einem sogenannten »Generalinspektorat des aeronautischen
Dienstes« untergebracht; außer der Zentralstation zu Vigna di Valle kommen drei
Stationen erster Ordnung (Genua, Pavia und Stra) sowie 14 Stationen zweiter
Ordnung in Betracht. —
Der Bericht Marchinis schließt mit dem Hinweise, daß durch die Er-
werbung der libyschen Kolonie mit 1700 km Küste neue große Aufgaben an das
Comitato talassografico italiano nahe herantreten. Es erscheint zweifellos, daß
Italien durch diese Körperschaft des permanenten Komitees, das zu einheitlicher
Arbeit alle irgendwie gearteten wissenschaftlichen Seeinteressen zusammenfaßt,
unnötiges Nebeneinanderherarbeiten vermeidet und die Inangriffnahme großer
Aufgaben ermöglicht, somit einen glücklichen organisatorischen Schritt getan hat, der
zum Nachdenken auch in anderen Ländern anregen kann.
G. Schott-Hamburg.
Die Belt- und die Ostsee im November 1912.
Von E. Ruppin,
Mitteilung aus dem Laboratorium für internationale Meeresforschung.
Hrydrographische Abteilung, Kiel.
(Hierzu Tafel 9.)
Im November des Jahres 1912 hatte das Laboratorium für internationale
Meeresforschung in Kiel den Reichsforschungsdampfer »Poseidon« einige Tage
länger als gewöhnlich zur Verfügung, und es war mir deshalb möglich, eine inten-
sivere Beobachtung der Ostsee vorzunehmen als bisher, Ich glaube, es wird von
Interesse sein, die erhaltenen Werte für sich zu veröffentlichen und zu diskutieren,
da sich nicht absehen läßt, wann die nächste gleich intensive und ausgedehnte
Untersuchung stattfinden wird. Wir hatten zwar unter der Ungunst der Witterung
zu leiden, so daß es z. B. nicht möglich war, die beabsichtigten Dauerversuche
über etwaiges Steigen und Fallen der Isohalinen an einzelnen Stationen zu
ı) Hiervon war oben &. 290/291 die Rede.