290 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1913,
bei Polarforschungen zu bedeutsamer Arbeit und Hilfe herangezogen worden,
u. a. gelegentlich der Nordpolarexpedition des Herzogs der Abruzzen 1899/1900,
an der bekanntlich Kommandant Cagni ruhmvollen Anteil genommen hat.
Bis heute sind 325 Seekarten und Hafenpläne von italienischer Seite her-
ausgegeben worden, dazu 1895 ein Band »Hydrographischer Mitteilungen über
das Rote Meer und den Indischen Ozean«, der in Kürze neu aufzulegen sein
wird. Hierzu kommt die sechsbändige Beschreibung der italienischen Küste,
1904 bis 1911 dank der Initiative des Admirals Cattolica bearbeitet; als Ein-
leitung sind in einem Bande — ähnlich wie auch in den Segelhandbüchern
der Deutschen Seewarte — behandelt Fragen der allgemeinen Geographie, der
Geologie, Meteorologie, Statistik und des Handelsverkehrs Italiens, wozu hervor-
ragende Spezialisten als Mitarbeiter hinzugezogen waren. Auch die den An-
forderungen der Schiffahrt unmittelbar folgenden »Nachrichten für Seefahrer«
(avvisi ai naviganti) haben einen großen Aufschwung im Laufe der Jahre ge-
habt, indem z.B. 1870 bis 1879 3975, von 1900 bis 1909 aber 11691 solche
Nachrichten nautischen Inhaltes verbreitet wurden,
Im Zusammenarbeiten mit dem Königl. Militärgeographischen Institut,
zum Teil auch mit dem Ingenieurkorps (Genio eivile) hat sodann die italienische
Marine weitgehende astronomische Aufnahmen, im wesentlichen Breiten- und
Längenbestimmungen für Plätze des italienischen Königreiches und der italieni-
schen Küsten ausgeführt, außerdem aber, teils im Interesse der unmittelbaren
Erfordernisse der Seeschiffahrt, teils für geodaetische Zwecke, das Gezeiten-
phänomen an den italienischen Küsten eingehend untersucht. Es sind jetzt
16 Mareographen an den Küsten des Königreichs in Tätigkeit, davon ressor-
tieren 4 vom Hydrographischen Institut, und für diese 16 Orte liegen alle not-
wendigen Gezeiten-Konstanten genau berechnet vor; auch für die afrikanischen
Kolonien ist das unmittelbar Notwendige geschehen und wird zunächst für die
neuerworbene libysche Küste vervollkommnet,
Hierzu gesellen sich die magnetischen Aufnahmen und die Bestimmungen
der relativen Schwere mittels Sterneckscher Pendel: in beiden Richtungen ver-
dankt die Wissenschaft und Praxis wiederum dem schon genannten Admiral
Cattolica das Eintreten der italienischen Marine in die Arbeit. An 61 Land-
stationen, an 96 Positionen auf See wurde in den heimischen Gewässern, in
Erythrea an rund 25 Positionen die magnetische Deklination bestimmt; dazu
sind während der Weltreise des Kriegsschiffes »Calabria« 1905 und 1906 alle
magnetischen Elemente und die Schwere gemessen worden in Plätzen West-
indiens, der Ost- und Westküste Süd- und Nordamerikas, in Honolulu, Neu-
seeland, Australien, den Philippinen, Ostasien, Hinter- und Vorderindien. Auch
dem Schiffsmagnetismus und der schwierigen Frage der Kompensierung der
Kompasse, zumal auf Kriegsschiffen, hat das Hydrographische Amt zu Genua in
einer eigenen Abteilung Studien und praktische Arbeit zu widmen, desgleichen
werden die Schiffschronometer, Sextanten usw, auch für die Handelsmarine
geprüft, und es sind für diese Zwecke Zweiganstalten des Hydrographischen
Amtes in Spezia, Neapel, Tarent und Venedig errichtet,
Der maritim-meteorologische Dienst endlich wird erst neuerdings durch
eine neue Abteilung, deren Organisation noch nicht vollendet ist,!) versehen.
Während — zum Unterschied vom Deutschen Reich — der eigentliche Wetter-
dienst, insbesondere auch der telegraphische Wetternachrichtenverkehr für Italien
im Königl. Meteorologischen Zentralamt in Rom zusammengefaßt ist, beschränkt
sich die Marine in ihrem Hydrographischen Institut auf die Publikation eines
monatlichen meteorologischen Bulletin, auf die Sammlung der maritim-meteoro-
logischen Beobachtungen von den Kriegsschiffen und einigen Handelsschiffen,
Was nun aber grade den letztgenannten Punkt betrifft, so sind nunmehr eifrige
Bemühungen im Gang, dem meteorologischen Beobachtungsdienst in der Handels-
marine eine erheblich größere Ausdehnung zu verschaffen, und es hat das Hydro-
1) Hierzu gehört auch eine aerologische Station I. Ordnung, die demnächst oben auf der Höhe
der Umwallung über Genua, im Fort Castellaccio, in Tätigkeit treten wird.