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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1913.
Kommandant aus Togo ein schweres besonderes Brandungsboot und eine schwarze
Bootsbesatzung mitgenommen. Ohne diese braven Togoneger unter dem prächtigen
Vormann Adjevis, der einen geradezu bewunderungswürdigen Blick für den ge-
eigneten Moment zum Durchgehen durch die Brandung bewies, hätten wir die vielen
notwendig werdenden Landungen an der Küste nie durchführen können.
Eine Vermessungsgruppe für die Arbeiten an dieser Küste in jeder
Beziehung richtig auszurüsten, bedarf es genauer Überlegung. Alles was für
die Messungen und sonstigen Arbeiten an Land wie Bakenbau, Mißweisungs-
bestimmungen und dergleichen an Instrumenten und Handwerkszeug in Frage «
kommt, muß zusammengesucht werden, und vor allem macht die Verpflegung der
Leute an dieser Wüstenküste, wo es kein Wasser, nicht einmal Holz zum Feuer-
anmachen gibt, nicht geringe Schwierigkeiten. Dazu kommt, daß man bei den
ungünstigsten Landungsverhältnissen nie damit rechnen kann, den Leuten an
Land nach bestimmter Zeit frischen Proviant und Wasser mit Sicherheit durch
die Brandung zu bringen. So ein detachierter Vermessungstrupp ist manchmal
wochenlang vom Schiff abgeschnitten, und es bedarf der ganzen Umsicht und
praktischen Betätigung des den Trupp führenden Offiziers, diese Arbeiten nach
jeder Richtung hin zu organisieren. Bei den Triangulationsarbeiten südlich von
Chamais-Bucht war der Vermessungsoffizier Oberleutnant zur See Stenzler mit
12 Leuten über vier Wochen unterwegs, und die Durchführung der Vermessung
durch eine 120 km lange Durststrecke, wo es keinen Tropfen Wasser gab, gehört
wohl mit zu den bemerkenswertesten Leistungen der ganzen Vermessungstätigkeit
des Schiffes dort unten,
Zunächst galt es in Chamais-Bucht, einen Platz, der die Bezeichnung Bucht
auch nur sehr optimistischer Auffassung verdankt, die Leute mit ihrer ganzen
Ausrüstung an Land zu schaffen. Alles mußte nacheinander im Boot durch die
hohe Brandung gebracht werden, und das Einbooten von dem stark schlingernden
Schiff war schon mit Schwierigkeiten verbunden. An Land war nach Vereinbarung
mit dem Gouvernement von der Polizeitruppe ein Wachtmeister mit 12 Last-
kamelen gestellt, die zur Fortschaffung der Zelte, Instrumente und des Proviantes
dienen und etappenweise Wasservorräte herbeischaffen sollten. Die Gegend ist
namentlich im nördlicheren Teil klippig, und wo keine Klippen den Marsch und
die Sicht bei den Messungen erschweren, sind es die weiten Sandstrecken, über
die der Südweststurm tagtäglich hinfegt und alles meterhoch in Sanddunst hüllt.
Durch die Anordnung günstiger Dreiecksketten wurden oft 10 bis 15 km weite
Märsche von der Küste ins Innere hinein bedingt und damit erhebliche An-
strengungen der Leute, die häufig am Tage 30 bis 40 km neben den Ver-
messungsarbeiten zurücklegen mußten. Die genaue Triangulation wurde trotz
aller dieser Schwierigkeiten in etwa drei Wochen bis zur Oranjemündung hin
durchgeführt. Dort hatte das Schiff anfangs eine Landung beabsichtigt, mußte
aber bei der Unmöglichkeit, das Boot durch die ungewöhnlich hohe Brandung
zu bringen, davon Abstand nehmen. Der Proviant, den der Vermessungstrupp
unbedingt haben mußte, wurde in Blechkisten eingelötet, die auf Holz gebunden,
dann in die Brandung geworfen und von dieser auch glücklich fast unbeschädigt
an Land gespült wurden. Unter Besetzung der verschiedenen Baken mit
Heliotropen, um dem Schiff bei seinen Lotarbeiten von See aus auch weiter
draußen die Winkelmessung zu ermöglichen, zog dann der Vermessungstrupp
denselben Weg wieder zurück,
Zu den Arbeiten für eine der Praxis voll entsprechenden Seekarte gehört
ferner die genaue astronomische Festlegung bestimmter Punkte an der Küste,
an die die Triangulationsnetze angeschlossen werden. An solchen astronomischen
Festlegungen sind von der »Möwe« im ersten Vermessungshalbjahr drei vor-
genommen worden in Sandwichhafen, Empfängnis-Bucht und Chamais-Bucht. Be-
sonders die Beobachtungen in Sandwichhafen wurden durch die dort vorliegenden
ungünstigen Landungsverhältnisse sehr erschwert und in die Länge gezogen. Wie
(Fig. 7) schwierig die Landungsmanöver an dieser frei der Brandung ausgesetzten
Küste manchmal waren, und wie sehr solche Landung im Boot meist mit Lebens-
gefahr verbunden ist, illustriert das folgende Abenteuer, das ich, mit der astro-