Schott, G.: Der X, internationale Geographenkongreß in Rom.
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haften, rund 60 blättrigen Karte Italiens im Maßstab 1:250000. Endlich bot
das Königliche Hydrographische Institut zu Genua eine, von dessen Direktor,
dem Freg.-Kapt. Marchini verfaßte Denkschrift dar, deren Inhalt dem Leser-
kreis der »Annalen der Hydrographie« naheliegen dürfte, und über die deshalb
noch gesondert hiermit!) referiert wird. G. Schott-Hamburg.
Die italienische Forschungstätigkeit zur See und ihre Organisation.”
Den Besuchern des X. internationalen Geographenkongresses in Rom wurde
eine Schrift Marchinis über die Mitwirkung der italienischen Marine bei geo-
graphischen Arbeiten und über das sogenannte talassographische Komitee über-
reicht, Aus dieser nach mehr als einer Richtung hin interessanten Denkschrift
sei das wichtigste mitgeteilt; denn wir erhalten hierin einen lehrreichen Einblick
in die maritim-wissenschaftlichen Leistungen und Bestrebungen Italiens sowie in
deren Organisation, .
Während vor 1867 die italienische Schiffahrt auch bei Fahrten an den
eigenen Küsten auf die Benutzung englischer und französischer Karten ange-
wiesen war, begannen mit 1867 allmählich die hydrographischen Aufnahmen, zu-
nächst in der Adria, wobei die venetianischen Gewässer zuerst berücksichtigt
wurden. Die Gründung des italienischen Hydrographischen Amtes mit dem Sitze
in Genua erfolgte 1872. Sein erster Direktor wurde Kommandant (später
Admiral) Magnaghi, der bis Ende 1888 diese Stellung mit größtem Erfolge ver-
sehen hat, im Jahre 1881 die Marine auf dem III internationalen Geographen-
kongreß zu Venedig vertrat und durch mancherlei rein wissenschaftliche Arbeiten
auch in Ozeanographenkreisen einen dauernden Namen sich geschaffen hat:
stammt doch von ihm u. a. die ingeniöse Erfindung des selbsttätig wirkenden
Umkehrrahmens, der die Tiefseethermometer zum Kippen bringt. Magnaghis
prächtiges Grabmal im berühmten Campo santo zu Genua konnte Berichterstatter
noch vor kurzem aufsuchen. In die Jahre der Direktion. Magnaghis fallen die
wichtigsten neueren Aufnahmen der Küstengewässer Italiens einschließlich
Sardinien und Sizilien, zugleich auch nicht wenige weitergehende wissenschaftliche
Arbeiten, z. B. Tieflotungen im Tyrrhenischen und Ionischen Meere, Strombe-
obachtungen in der Gibraltarstraße, den Dardanellen und dem Bosporus, Unter
den Vermessungsschiffen seien die »Washington«, »Secilla« und »Staffetta«, neuer-
dings noch »Ciclope«, genannt. ;
Bald verlangten auch die Kolonien ihre Berücksichtigung, und daher sehen
wir italienische Schiffe seit 1880 Teile der. Westküsten des Roten Meeres und
seit 18938 solche der Somaliküste vermessen. Insbesondere die schwierigen Ge-
wässer um Massaua und bei Assab wurden in wiederholten langen Kampagnen auf-
genommen; von der Somaliküste haben wir italienische Karten von rund 4° N-Br.
bis zur Juba-Mündung unter dem Äquator nebst einer ganzen Reihe von Hafen-
plänen. Neuerdings kommen natürlich die Forderungen an der neu gewonnenen
libyschen Küste (Tripolis, Bengasi usw.) hinzu.
Auf verschiedenen Weltreisen italienischer Kriegsschiffe fand die Ozeano-
graphie Berücksichtigung; weit bekannt in dieser Hinsicht wurde die Erdum-
segelung der »Vettor Pisani«, Kommandant Palumbo, in den Jahren 1882/83,
worüber in dieser Zeitschrift s, Zt.®) berichtet worden ist. Und ganz ähnlich
wie von jeher die Deutsche Seewarte bei deutschen arktischen und antarktischen
Unternehmungen, so ist auch das Hydrographische Institut zu Genua mehrfach
') Siehe den nachfolgenden Bericht.
. 2) D. Marchini, Freg.-Kapt., Direktor des Königl. Hydrographischen Instituts zu Genua: I]
contributo della R. Marina Italiana agli studi geografici. La costituzione e l’opera del R. Comitato
Talassografico. Genova 1913. Gr. 89% 378.
3) Jahrgang 1884, S. 556. 557.