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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1913, 
61° N-Br. 5° W-Lg. etwa 60 Seemeilen im Südost von der Fär-Öer Insel Suderö 
in verschiedenen Tiefenschichten die Temperaturen und den Salzgehalt beobachtet 
und besonders in den Zwischenschichten von 300, 400, 500 m Tiefe — die Gesamt- 
tiefe betrug 780 m — andauernde, ziemlich regelmäßige Variationen beider Fak- 
toren gefunden, Variationen, die durch die harmonische Analyse auflösbar und 
in ihre Komponenten nach der Mond- und Sonnenperiode zahlenmäßig zerlegt 
werden konnten. Die Wellen hatten wieder eine Periode von 11 bis 12 Stunden 
in der Lage der Extreme, und nach Knudsen ist hierfür der vertikale Teil der 
Ebbe- und Flutbewegungen unzweifelhaft in diesen Tiefen verantwortlich, während 
in den der Oberfläche nahen Schichten (0 bis 200 m) mehr der horizontale Teil 
der Gezeitenströme vorherrscht. Die Temperatur schwankte an der »Thor«-Sta- 
tion während der 67 Stunden im Maximum 
in 300 m zwischen 5.3° und 6.2°, also um 0.9° 
400 m & 1.7 « 42 « « 25 
500 m « 0.3 « 1.4 « « 1.1 
Was dann die Beobachtungen des »Michael Sars« betrifft, so fand Helland 
Hansen bei den Shetland-Inseln über 570 m Tiefe während einer 24 stündigen 
Zeit Schwankungen in der 300 m-Schicht von 0.87° im Maximum; dies würde 
einer vertikalen Bewegung der Tiefwasserschichten, also einer Hebung und Sen- 
kung, um etwa 35 m entsprechen. Der norwegische Forscher betrachtet diese 
Variationen ebenfalls als eine Wirkung der Ebbe und Flut, wenn er auch eine 
Wirkung komplizierter Schwankungen der Strömung der Oberfläche nicht aus- 
schließen will. 
Endlich haben wir vom offenen Ozean, von der freien Hochsee, ähnliche 
Andeutungen. Brennecke fand im Südatlantischen Meere östlich von der Mün- 
dung des La Plata in 34.4° S-Br. 48.4° W-Lg. im August 1911 auf dem Polar- 
schiff »Deutschland« in 200 m Tiefe: 
zuerst 14.97°, 
dann 14.90° bei sofortiger Wiederholung, 
13.04° nach 3 Stunden, 
12.98° « 5 << , 
also ganz gewaltige Schwankungen wahrscheinlich auch von periodischer Natur 
von gezeitenähnlichem Charakter, 
Und ungefähr die gleichen Schwankungen, die wir hier nur für die Tem- 
peratur angeführt haben, sind nun auch für den Salzgehalt nachgewiesen, und 
in ähnlichem Grade auch für den Gasgehalt und die Planktonmenge wahr- 
scheinlich. 
Da erhebt sich die Frage: wie weit reicht denn überhaupt dort, wo Ge- 
zeitenströme auftreten, also in dem weitaus größten Teile aller Ozeane, die Gül- 
tigkeit einer einzelnen Observation? wie weit repräsentiert eine einmalige 
Beobachtung den allgemeinen oder durchschnittlichen Zustand? 
Die internationale atlantische Kommission soll hauptsächlich die großen 
unperiodischen Änderungen von Jahr zu Jahr in den Wärmeverhältnissen des 
atlantischen Stromes, die für das Klima von ganz Westeuropa von ungeheurem 
Einfluß sind, studieren. Da ist es im Hinblick auf diese neuen Tatsachen wohl 
unvermeidlich, daß wir zunächst durch Vorexpeditionen genau klären die Größe, 
regionale Verbreitung und Natur der offenbar fast überall vorhandenen täglichen 
periodischen Änderungen; denn nur danach ist es möglich, das Vorhandensein 
und die wirkliche Größe der unperiodischen Änderungen von Jahr zu Jahr zu 
erkennen, 
Ist dieser Schluß richtig, so folgt daraus, daß für die ganz spezielle Auf- 
gabe der Voruntersuchungen keine Handelsdampfer benutzt werden können, da 
an jeder einzelnen Station mindestens 25 Stunden lang gearbeitet, also das 
Schiff mindestens 25 Stunden jedesmal gestoppt werden muß, gutes Wetter 
auch noch vorausgesetzt; tatsächlich wird der Aufenthalt an jeder Station wohl 
auf 1!/, Tag sich ausdehnen. Bei dieser Sachlage müssen die Vorexpeditionen
	        
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