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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1913.
7. Meteor. Auf dem D. »Lothringen«, Kapt. A. Winter, ist am 25, No-
vember 1912 in 41° 26’ S-Br. und 35° 54’ O-Lg. die folgende Erscheinung beob-
achtet worden: »Am Südhimmel erschien plötzlich in etwa 45° Höhe ein leuch-
tender Fleck in der Größe des Mondes, der ein intensives Licht ausstrahlte und
das Schiff taghell beleuchtete; dabei erschien die weiße Farbe (hiermit sind wohl
die weiß gestrichenen Schiffsteile gemeint) grünlich. Die Erscheinung dauerte
etwa 30 sek und verschwand darauf.« Es herrschte z. Z. Nordwind, Stärke 5,
und acht Zehntel des Himmels waren mit Cumulus-Wolken bedeckt.
Neuere Veröffentlichungen.
A, Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Geh. Reg.-Rat Prof, Dr. H. C. E., Martus: Astronomische Erdkunde, Ein Lehr-
buch angewandter Mathematik. Große Ausgabe mit 100 Figuren im Text
und 2 Tafeln. 4, Aufl. 8% VIII, 502 Seiten. Dresden und Leipzig 1912,
C. A. Kochs Verlagsbuchhandlung (H. Ehlers). Preis geh. 12.50 MX.
In seinem hohen Alter von 82 Jahren war es dem unermüdlichen Gelehrten noch vergönnt,
diese vorliegende 4. Auflage seines allerorts so rühmlichst bekannten Buches, das er selbst als das
Hauptwerk seines Lebens bezeichnet, herauszugeben. Freilich sollte er die Beendigung des Neudruckes
nicht mehr sehen. Wenige Wochen, bevor der stattliche Band auf dem Büchermarkt erschien, schloß
der Verfasser die Augen für immer.
Es ist für diese 4. Auflage so wenig als für die früheren eine Empfehlung oder gar Reklame
nötig. Was für jene rühmlichst hervorzuheben war, die Gründlichkeit oder Originalität in der Be-
handlung des Stoffes, zu der sich eine seltene didaktische Geschicklichkeit gesellte, die ungemein
klaren Figuren, deren jede ein Muster genauester perspektivischer Darstellung ist, gilt ebenso für die
Neuausgabe.
So wollen wir uns denn auf einen Hinweis beschränken, der den Erweiterungen des Textes
und den zahlreichen Fußnoten gilt, In diesen handelt es sich selbstverständlich um ganz aktuelle
Fragen der letzten Jahre. Wer jemals das Glück hatte, in wissenschaftlichem Verkehr mit dem
Verewigten gestanden zu haben, der wird sich stets dankbar der zahlreichen Anregungen erinnern, die
man in jeder Einzelfrage von ihm empfing und die nie bei einer Problemstellung stehen blieben,
sondern durch genaue zahlenmäßige Berechnung zu einem brauchbaren Endergebnis führten, So findet
man auch ın seinem Buche eine äußerst klare Erläuterung der sogenannten Polschwankungen
ıS. 259, 260). Martus sucht deren Ursache in den häufigen Minima des Luftdruckes in der Um-
gebung der Insel Island, gegenüber ebensolchen Maxima westlich der Azoren, Dadurch kann bei
den Azoren auf jeden Quadratkilometer eine Mehrbelastung von 612 Millionen Kilogramm kommen,
und da das Gebiet dieses Hochdruckes etwa 1650 km weiter von der Erdachse entfernt ist als Island,
so kann dadurch sehr wohl die große Abweichung von der mittleren Polstelle nach West. wie sie in
den letzten Jahren stattfand, erklärt werden.
Auch der Bestimmung der geographischen Breite und Länge in Polnähe, wie sie die
Entdeckung des Nordpols durch Peary und des Südpols durch Amundsen erforderte, wird S, 276
ausführlich gedacht, Bekanntlich ist eine der vielen Schwierigkeiten dabei das Auffinden der Nord-
südrichtung, in welcher die Polfahrer bis jetzt ihre Sonnenmessungen fast ausschließlich anstellten.
Martus macht hierzu folgenden zweifellos sehr brauchbaren Vorschlag: »Jst die Sonne zu sehen, so
kann man auch eine Taschenuhr benutzen. Man stellt sie an einem Tage im Augenblick des
tiefsten oder höchsten Standes der Sonne auf 12 Uhr, Von hier an rückt die Sonne halb so schnell
fort als der Stundenzeiger, der in 12 Stunden einen Rundgang macht, Hält man also später diese
die Ortszeit angebende Uhr so, daß der Stundenzeiger zur Sonne weist, so kommt die Halbierungs-
linie des Winkels zwischen dem Stundenzeiger und dem nach der 12. Stunde gehenden Halbmesser
des Zifferblattes senkrecht über die Nord- bzw. Südrichtung. Dieses einfachste Mittel ist möglichst
oft anzuwenden, weil nicht selten unpassierbare Stellen die Wegrichtung ablenken.«
Natürlich sind auch die beiden trefflichen Abhandlungen des Autors: »Entstehungsweise der
Monde der Planeten« und »Vom Monde« (1909 und 1912, Leipzig, C. A. Koch) der neuen Auflage
der »Astronomischen Erdkunde« zugute gekommen. Rezensent hat das erste der beiden Schriftchen
im Septemberheft der »Gaea« (1909) eingehend besprochen. Nach Martus ist es sicher, daß der
Trabant des Mars, Phobos, der 5., 6., 7. und 8. Mond Jupiters, sowie der 9, und 10. des Saturn
kleine eingefangene Planeten sind.
Soviel über den 4. »Großen Martus«. Wir schließen uns gern den Schlußworten an, die die
Verlagshandlung am Ende des Vorworts ihrem treuen Mitarbeiter wıdmet:
»Möge sein Wunsch erfüllt werden. daß dies, sein Lebenswerk, ihn noch lange überdaure!«
Essen a. d. R. Dr. C. Schor.