accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

„58 
Annalen der Hydrographie' und Maritimen Meteorologie, Mai 1913. 
Beiträge zur Küstenkunde von Island. 
Bericht von P. Vollrath, I. Offz, D, »Victoria Luise«, vom Juli und August 1912, 
Reykjavik. Bei klarem sichtigen Wetter kommen die Gletscher Myrdals 
und Eyjafjalla an der Südküste von Island schon auf 50 bis 60 Sm Entfernung 
davon in Sicht. Nachdem Portland-Leuchtturm in 2 bis 3 Sm Abstand passiert 
ist, führt der Kurs auf die Vestmannaeyjar-Inselgruppe zu. Die Bjarnarey-Insel 
bleibt !/, Sm an St-B. In dem ganz reinen Faxa-Sund hält man sich in der 
Mitte. Die Thridrangar-Klippen bleiben etwa 1 bis 2 Sm an B-B. Von hier 
führt rw. 285°-Kurs an der Südküste von Island entlang auf Kap Reykjanes zu, 
das in 2 Sm Abstand passiert wird. Hernach hält man sich, nordwärts steuernd, 
in etwa 3 Sm Abstand von der Westküste Islands, die hier ziemlich unrein ist, 
und passiert in gleichem Abstande den Skagi-Leuchtturm. Dann steuert man 
mit rw. 78°-Kurs in die Faxaflöi, 
Man sollte hier möglichst nach Landmarken steuern, da, wie an vielen 
Stellen Islands, auf den Kompaß kein Verlaß ist, 
Reykjavik selbst liegt ziemlich niedrig, doch werden die Häuser auf den 
Hügeln bei der Stadt immer noch eher in Sicht kommen, als der Leuchtturm 
auf der niedrigen Grotta-Insel. Man passiert diese Insel in 1!/, bis 2 Sm Ab- 
stand und wenn sie in diesem Abstand dwars ist, wird man auch die Glocken- 
tonne an der Nordseite des Akrey-Riffes ausmachen können; von dieser halte 
man wenigstens !/, Sm Abstand. 
Die Richtlinie der beiden roten Leuchtfeuer auf der Insel Engey, die auf 
zwei alleinstehenden kleinen weißen viereckigen Häuschen mit senkrechtem roten 
Strich an ihrer Nordwestseite brennen, führt frei vom Akrey-Riff; auch führt 
die Deckpeilung »Gehöft auf der Insel Engey-—Vifilsfell« frei von diesem Riff. 
Bei starker Bewölkung oder unsichtigem Wetter wird man aber diese Bergspitze 
nicht ausmachen können. Kommt der viereckige weiße Turm mit schwarzem 
Dach des Observatoriums gut frei von der niedrigen Insel Orfirisey, dann hält 
man auf den Ankerplatz zu. Zwischen den Inseln Engey und Akrey halte man 
sich mehr nach der Engey-Seite, da sich östlich von Akrey Ausläufer des Akrey- 
Riffes befinden. Die Deckpeilung von zwei alleinstehenden weißen Gebäuden 
östlich des Gasbehälters bildet eine gute Richtlinie, um von den Riffen frei zu 
kommen, Das nördliche von den Gebäuden liegt dicht am Strande, daneben 
steht eine hohe Flaggenstange, an der die französische Flagge wehte. 
Ein Lotse kam dem Schiffe bei der Grotta-Insel entgegen; wir hatten 
jedoch auch schon einen Lotsen für Island von Hamburg aus mitgenommen. 
Ein Bergungsdampfer ist in Reykjavik stationiert. 
Arztlichen Besuch brauchten wir nicht abzuwarten, ehe wir mit dem 
Lande verkehren dürften; auch wurde kein Gesundheitspaß verlangt. Quaran- 
täne-Einrichtungen sind nicht vorhanden. Der Gesundheitszustand am Ort und 
auf dem Schiff war während unserer Anwesenheit gut, und es kamen keine 
klimatischen Krankheiten an Bord vor. 
Unser Ankerplatz war querab von der Insel Orfirisey auf 15 m bis 
16 m (8 bis 9 Fad.) Wasser über Schlickgrund, von wo Grotta-Leuchtturm vom 
Nordende der Insel Orfirisey eben frei peilte. Der Ankerplatz war gut, der 
Raum jedoch nur schmal; lange Schiffe sollten deshalb vermuren. 
Eine Bootslandungsstelle befindet sich bei der Stadt vor der hohen 
Flaggenstange, an der die französische Flagge wehte, Die Landungsstelle fällt 
gut auf, sie liegt 3/, Sm vom Ankerplatz entfernt. 
Proviant ist mit Ausnahme von Fischen sehr knapp und teuer, 
Einrichtungen zum Vergleichen von Chronometern und zur Kompaß- 
regulierung sind nicht vorhanden; auch kann man Seekarten oder nautische 
Bücher nicht kaufen, 
Westküste von Island. Auslaufend von Reykjavik führt nach Passieren 
der Akrey-Glockentonne in !/, Sm Abstand rw. 302°-Kurs durch den Faxaflöi 
auf Snäfells Jökull zu. Bei klarem Wetter wird man diesen hohen Gletscher
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.