Hessen, K.: Ein Apparat zur Auswertung von Gezeitenkurven.
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Ein Apparat zur Auswertung von Gezeitenkurven.
Von Dr. K, Hessen, Wilhelmshaven.
(Hierzu Tafel 8.)
Trotz der Regelmäßigkeit, die die von den meisten selbstschreibenden
Pegeln an der deutschen Nordseeküste aufgezeichneten Gezeitenkurven in ihrem
Verlauf gegenüber anderen Kurven, z, B. meteorologischen oder erdmagnetischen,
aufweisen, bieten sie doch eine Fülle von Verschiedenheiten und Abweichungen
von einer für einen bestimmten Ort geltenden mittleren oder Normalkurve: der
Gezeitenerscheinung. Gerade diese Abweichungen aber sind es, die für wasser-
bautechnische sowohl wie für wissenschaftliche Zwecke eine hohe Bedeutung
besitzen.
Man hat bisher für einige Küstenpunkte mittlere Flutkurven in der Weise
entworfen, daß man bei einer großen Anzahl von Kurven ausmaß, um wieviel
Zentimeter der Wasserspiegel 1 Stunde, 2 Stunden u. s. f. nach Niedrigwasser ge-
stiegen, bzw. nach dem Hochwasser gefallen war, die zusammengehörigen Ab-
lesungen mittelte, und mit der bekannten mittleren Dauer des Steigens und
Fallens eine Flutkurve entwarf. Eine andere Art war die, eine große Anzahl
Kurven aufeinander zu pausen, und sich aus dem entstehenden breiten Kurven-
band eine Mittellinie herauszusuchen, die man dann als mittlere Flutkurve
bezeichnete.)
Abgesehen von der sehr mühsamen Arbeit, die beide Methoden verursachen
(man muß nämlich bei der ersten, um einigermaßen gesicherte Werte zu be-
kommen, die Kurven etwa eines Jahres, also etwa 700, bearbeiten, und zwar von
jeder einzigen etwa ein Dutzend Ablesungen machen), ist das Resultat von ver-
hältnismäßig geringem Wert, weil man nur ein Mittel besitzt, diese gewonnene
mittlere Kurve mit irgendwelchen abweichenden Kurven zu vergleichen, nämlich
beide in ein Koordinatensystem graphisch einzuzeichnen. Die abgelesenen Zahlen
rechnerisch weiter verwerten zu können, dazu war keine Möglichkeit vorhanden,
und zwar aus dem Grunde, daß die einzelnen Tiden (Tide = Flut + Ebbe) in
ihrer Dauer wesentliche Verschiedenheit aufweisen. Man kann nämlich bei zwei
Tiden von verschiedener Dauer nicht die Höhenablesungen vergleichen, die z. B.
eine Stunde nach Hochwasser gemacht worden sind, weil die beiden Kurven-
punkte im Gesamtbilde der entsprechenden Kurve eine ganz verschiedene Rolle
spielen, Der graphischen Vergleichung ist aber eine Grenze gesetzt insofern,
als schon bei einer geringen Anzahl die Übersichtlichkeit leidet und auch die
Notwendigkeit einen verhältnismäßig großen Maßstab anwenden zu müssen, Un-
bequemlichkeiten mit sich bringt. Man hat daher im allgemeinen nur die haupt-
sächlichsten Kurventypen zueinander in Beziehung gebracht, also z. B. Spring-
und Nipptiden oder Sturmfluttiden und mittlere Tiden graphisch miteinander
verglichen, .
Besonders fühlbar wird dieser Mangel, wenn man den Einfluß der meteoro-
logischen Elemente auf die Gestaltung der Gezeitenwelle behandeln will. .
Durch die harmonische Analyse der Gezeiten werden zwar außer den kos-
mischen Teilwellen auch einige langperiodische meteorologische Teilwellen nach
Phase und Amplitude rechnerisch ermittelt, aber es hat sich dabei ergeben, daß
einerseits der Einfluß ein sehr geringer ist und anderseits die Bearbeitung ver-
schiedener Zeiträume häufig sehr abweichende Werte ergibt. Daß die Wirkung
der unperiodischen Bewegungen der Atmosphäre auf die Gestaltung der Gezeiten-
welle der rechnerischen Bearbeitung große Schwierigkeiten bereitet, ist allgemein
bekannt. Es sind zwar Untersuchungen und Tabellen vorhanden, die den Einfluß
von Wind und Luftdruckschwankungen auf die Hoch- und Niedrigwasserzeiten
bzw. -Höhen zu ermitteln gestatten, sie verdienen aber sehr wenig Zutrauen und
berücksichtigen auch nicht die sehr wichtigen Abweichungen im Verlauf der Kurve.
:) Das unbefriedigende Resultat dieser vom Strombauressort der Kais. Werft zu Wilhelms-
haven bisher angewandten Methode xab direkt den Anlaß zur Konstruktion des Apparates.