3392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1913,
Holländern gemiddelt hoog-en laagwater. Unter mittlerem Wasserstand ist das
Mittel aus stündlichen Wasserstandsablesungen zu verstehen, es heißt bei den
Franzosen niveau moyen, bei den Engländern mean sea-level, bei den Holländern
gemiddelde zeestand, bei den Dänen middelvandstand, Die Höhen von Mittel-
wasser und mittlerem Wasserstand fallen nicht zusammen, nach verschiedenen
Arbeiten liegt der mittlere Wasserstand um 0.47 Tidenhub unter dem mittleren
Hochwasser. Über den Zusammenhang von Mittelwasser und mittlerem Wasser-
stand sind eingehende Arbeiten erschienen von der Königlich Niederländischen
Gradmessungskommission (Jahresbericht der Kommission 1889) und von
Dr. H. G. van de Sande Bakhuyzen (Sitzungsbericht der Königlich Nieder-
ländischen Akademie der Wissenschaften vom 24, Febr. 1896).!) In Deutschland
sind die Bezeichnungen der beiden Wasserstände vielfach durcheinander ge-
braucht. Das Reichsmarineamt und Prof. Dr. Krümmel geben die oben -ge-
nannten Begriffsbestimmungen, Seibt verwendet den Namen Mittelwasser in
seinen Werken »Mittelwasser von Swinemünde« und »Mittelwasser von Trave-
münde«, Westphal in seinem »Mittelwasser der Ostsee« und nach ihnen andere,
wo es sich um stündliche Wasserstandsablesungen, also um mittleren Wasser-
stand handelt.
Dieser mittlere Wasserstand zeigt in der Nordsee und Ostsee eine Jahres-
schwankung, die schon mehrfach Gegenstand der Bearbeitung gewesen ist. Zu-
erst ist Baeyer“) auf diese Erscheinung aufmerksam geworden, nach ihm
haben sich G. Hagen,3) Baensch,*) Lenz,5) Seibt,°) Westphal,‘) Sieger,8)
Brückner*®) und Krümmel!°) mit ihr beschäftigt. Sieger faßt die ihm be-
kannten Erklärungsversuche dieser Jahresschwankung im mittleren Wasserstande
zusammen; als Ursachen werden bezeichnet: Veränderungen der Wassermenge
durch Zufuhr aus dem Einzugsgebiet, durch unmittelbare Niederschläge, durch
Temperaturwirkung, durch Einwirkung von Luftdruck und Wind, ferner Ver-
änderungen des Gleichgewichtszustandes infolge von Luftdruckverteilung und
Wind und durch ungleiche Süßwasserspeisung in einzelnen Becken. Keller,!!)
dessen Arbeit ich diese Zusammenstellung entnehme, stellt graphisch die Monats-
mittel dar von 11 Nordseepegeln und 26 Ostseepegeln des Jahrzehntes 1896 bis
1905 und einige andere mittlere Wasserstandsangaben aus anderen Zeiträumen.
Auf Grund seiner Darstellung kommt er zu dem Ergebnis, daß kleine Ver-
schiedenheiten in der Jahresperiode des mittleren Wasserstandss beider Meere
zwar vorhanden sind, daß diese aber hinter der allgemeinen Übereinstimmung
der Erscheinung verschwinden und daß eine gemeinsame Ursache für die Jahres-
schwankung in beiden Meeren anzunehmen ist,
Um der Erscheinung besser auf den Grund zu kommen, gab ich die gra-
phische Darstellung auf und wandte die harmonische Analyse auf die Monats-
mittel der Wasserstände an. Gleichzeitig berechnete ich die mittleren Fehler
von Amplitude und Phase der errechneten Wellen, um Sicherheit und Genauig-
keit des erhaltenen Ergebnisses zu prüfen. Mit Hilfe dieser mittleren Fehler
konnte überhaupt erst eine richtige Bewertung der erhaltenen Rechenergebnisse
gewonnen werden, Die analytische Darstellung gewährte noch den weiteren
NH. E. de Bruyn, Over het verband tusschen den gemiddelten zeestand en de hoogte van
gemiddelt hoog- en laagwater. Königl. Akad, d. Wissensch, Amsterdam, naturw. Abt, 28, Okt. 1899.
?) Baeyer, Nivellement zwischen Swinemünde und Berlin, ©. &2,
” G. Hagen, Vergleichung der Wasserstände an der Preußischen Küste. Berlin 1877.
Baensch, Studien aus dem Gebiete der Ostsee, Zeitschr. für Bauwesen 1572. S. 503—547,
Lenz, Flut und Ebbe und die Wirkungen des Windes auf den Meeresspiegel 1579.
15
$) Seibt, Das Mittelwasser der Ostsee bei Swinemünde. Erste Mitteilung und Zweite Mit-
Westphal, Das Mittelwasser der Ostsee, S. 141.
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1593.
Annalen der Hydrogr. 18868.
) Handbuch der Ozeanographie, Bd. I. Stuttgart 1907.
u) Keller, Das Mittelwasser der Ostsee und der Nordsee,
1911, S. 342.
Zentralblatt der Bauverwaltung,