Ann. d. Hydr. usw., XXXXI. Jahrg. (1918), Heft V.
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Gemeinschaftliche Dampferwege zwischen Südafrika und Australien.
(Amtlich.) ;
I. Von Südafrika nach Australien.
In demselben Sinne, in dem die vereinbarten Wege zwischen Europa und
Nordamerika festgelegt sind und große Reedereien ihren Dampfern im Atlantischen
Ozean bestimmte Wege vorgeschrieben haben (vgl. die mit N-D-L_ oder H-A-L be-
zeichneten Wege auf den Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean), sind die
großen Gesellschaften bestrebt, auch in anderen Ozeanen sowohl. ihren Schiffen
bestimmte Wege vorzuschreiben, als auch mit anderen Gesellschaften über diese
Wege Vereinbarungen zu treffen, |
So hat für den südlichen Indischen Ozean die Deutsch-Australische Dampf-
schiffs-Gesellschaft, nachdem sie den Rat der Deutschen Seewarte darüber ein-
geholt hatte, schon im August des Jahres 1908 ihren Dampfern bestimmte Wege
vom Kap der Guten Hoffnung oder von der Algoa-Bucht nach Kap Borda oder
Kap Otway und von East London nach Fremantle vorgeschrieben (vgl. Monats-
karte für den Indischen Ozean, Blatt 3, März). Von einigen englischen Reedereien
wurden darauf gemeinschaftliche Wege nach Australien (eigentlich Tasmanien)
vereinbart, die indessen nicht mit den deutschen Wegen zusammenfallen (vgl.
»Ann. d. Hydr. usw.« 1909, S. 122, oder »N. f. S.« 2311/09). Dann wurde im
Februar 1911 der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft »Hansa« auf ihre An-
Irage von der Deutschen Seewarte empfohlen, die Wege einzuhalten, die von den
Dampfern der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft eingehalten werden
und in den inzwischen erschienenen Monatskarten für den Indischen Ozean nieder-
gelegt sind. Für die Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft »Hansa« kam der
neue Vorschlag hinzu, ihre Wege nach Fremantle sowohl vom Kap der Guten
Hoffnung oder von Port Elisabeth wie auch von Durban aus sich in 60° O-Lg.
mit dem größten Kreise von East London nach Fremantle, dem Wege der Dampfer
der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft, vereinigen zu lassen, um ohne
nennenswerte Umwege von 60° O-Lg. an in einem wenig befahrenen Teile des
Indischen Ozeans einen gemeinsamen Weg zu haben. Diese Vorschläge (vgl.
»Ann. d. Hydr. usw.« 1911, S..155) sind von der Deutschen Dampfschiffahrts-
Gesellschaft »Hansa« auch angenommen worden, ;
Neuerdings ist nun auch der Norddeutsche Lloyd mit der Frage nach den
besten Wegen für seine Frachtdampfer zwischen Südafrika und Australien an
die Deutsche Seewarte herangetreten, und zwar nicht nur für Reisen von Afrika
nach Australien, sondern zum ersten Male auch für Reisen von Australien nach
Südafrika. Für die Wege nach Australien konnte im allgemeinen auf die Wege
hingewiesen werden, die in den Monatskarten der Deutschen Seewarte nieder-
gelegt sind und, wie oben gezeigt ist, von den Schiffen der Deutsch-Australischen
Dampfschiffs-Gesellschaft und der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft »Hansa«
befahren werden, im besonderen kam aber für den Norddeutschen Lloyd noch ein
neuer Weg, nämlich der Weg von Durban nach Kap Otway oder Kap Borda, in Frage.
Geht man bei dieser Frage davon aus, daß möglichst gemeinschaftliche
Wege eingehalten werden sollen, so würde es diesem Zwecke entsprechen, die
Wege von Durban nach Kap Otway oder Kap Borda mit denen vom Kap der
Guten Hoffnung oder von der Algoa-Bucht schon auf 50° O-Lg. zusammenlaufen
zu lassen. Damit würde aber, ohne daß wesentliche navigatorische Vorteile ge-
wonnen würden, der Gemeinschaftlickeit auf jeder Reise von Durban ein Opfer
von 40 bis 50 Sm gebracht werden müssen. Ob sich das lohne und namentlich
im Hinblick auf die bevorstehende allgemeinere Einführung der drahtlosen
Telegraphie zweckmäßig sei, konnte nicht wohl von der Deutschen Seewarte be-
antwortet, sondern mußte den beteiligten Reedereien zu entscheiden überlassen
werden. Diese, d.h. zunächst der Norddeutsche Lloyd und die Deutsche Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft »Hansa«, haben sich nun dafür entschieden, von Durban
nach Kap Otway oder Kap Borda die kürzesten Wege (aber im Sommer nicht
südlicher als in 47° S-Br., im Winter nicht südlicher als in 45° S-Br.) zu nehmen.
Damit ergibt sich von selbst, daß auch von East London aus nach Kap Borda
oder Kap Otway die kürzesten Wege (aber im Sommer. nicht südlicher als in
Ann. d. Hydr. usw. 1913, Heft V