212 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1913.
bestellte Lotse in Sicht kam. Dabei nahmen die Tiefen zuerst ganz allmählich
ab, je mehr wir uns aber der Bank Coroa Grande (Great Couronne) näherten,
desto steiler stieg der Grund an, und als wir Balaia-Huk rw. 208° 4 Sm entfernt
peilten, hatten wir nur noch 20 Fuß (6.1 m) Wasser und warteten, bis der Lotse
an Bord kam.
Dieser ließ in etwa 1!/, Sm Entfernung um die Coroa Grande-Bank herum-
steuern, die an der Brandung, namentlich auf ihrem Nordende gut auszumachen
war, und brachte uns nach einem Ankerplatze 1!/, Sm östlich von der Mündung
des Ost-Kanals. Während wir auf geringen Tiefen fuhren, wühlte die Schraube
den braunen Schlamm des Grundes sehr stark auf.
Ortskundige Kapitäne und die Lotsen von Caravellas warnen davor, auf
weniger als 7 Faden (12.8 m) Wassertiefe an die Riffe hinanzugehen, weil inner-
halb dieser Grenze die steil ansteigenden weichen Steine, womit sie wohl kleine
Korallen-Riffe meinen, anfangen sollen. Die Brandung auf dem Area-Riff wurde
auf 4 Sm gesichtet. Die beiden Sandinseln auf Coroa Grande haben wir nicht
gesehen; nach der Brandung zu schließen, scheinen sie nördlicher gegangen zu
sein. Alcobaca war beinahe bis zum Ankerplatze zu sehen, aber die in der
Karte verzeichneten Bäume und die Barra Velha haben wir nicht ausmachen
können; sie kommen vielleicht auch nur für die dicht unter der Küste entlang
laufenden Küstendampfer in Betracht, Auf der Balaia-Huk, die beizeiten in Sicht
kam und sich scharf abhob, steht weder ein Haus noch ein Mast, Später habe
ich durch Peilungen festgestellt, daß sich der Sand dort ungefähr eine Seemeile
nach Ostnordosten vorgeschoben hat.
Während der drei Tage, an denen wir vor der Barre lagen, wurden Wind,
Strom und Wassertiefen stündlich gemessen, um daraus Schlüsse über den
Wasserstand ziehen zu können. Bei morgens flauen, gegen Nachmittag auf-
Erischenden nördlichen Winden setzte der Strom ununterbrochen mit etwa 1 bis
1'/, Sm stündlicher Geschwindigkeit nach Süden und das Wasser fiel oder stieg
nur 2 Fuß (0.6 m).
Die Lotsen von Caravellas sind zwei Brüder Rodriques, sie wohnen in
dem Fischerdorfe Armacao an der Caravellas-Mündung und fahren den Schiffen
in Segelbooten mit einem oder zwei Segeln, je nach der Stärke des Windes, durch
den Nord-Kanal entgegen. Wenn sie näher kommen, zeigen sie eine Flagge.
Sie sind sehr zuverlässig und geben meiner Ansicht nach immer etwas weniger
Wasser an als tatsächlich vorhanden ist. Mit einem Schiffe zu manövrieren ver-
stehen sie aber nicht, deshalb sollte man im Flusse, bei der hohen einzelnen
Palme an der Ecke vor Pt, d’Arcia das Kommando selbst nehmen.
Der Lotse erhielt für ein- und auslotsen je 50 Mlr. und sein Bruder 10 Mlr. für
jeden Tag, an dem er zum Loten bei Hochwasser auf der Barre gelegen hatte. Er
sollte dort eine Flagge zeigen, wenn das Wasser auf 14 Fuß (4.3 m) gestiegen sei,
Das Fahrwasser über die Ost-Barre ist in der Karte nicht richtig
gegeben. Es läuft von Osten her erst etwa 1l/, Sm weit rw. 355° und biegt auf
der flachsten Stelle in scharfem Bogen nach rw. 250° um. Dieser Kurs führt
dann in gerader Linie auf die Mitte der Flußmündung zu. Man sollte die Barre
mit möglichst großer Fahrt passieren. Gemarkt ist das Fahrwasser an der Ost-
einfahrt durch 6 dicht zusammenstehende Bambusstäbe mit Besen, die an B-B.
gelassen werden. Die folgenden Marken werden auf 8 bis 10 m Abstand an
St-B. gelassen; zunächst 6 einzelne Besen bis zur Barre. Dann am Anfang der
Barre 1 doppelter Besen, 2 einzelne auf der Barre selbst und ein doppelter am
innern Ende der Barre. Hierauf folgen 6 einzelne Besen, dann ein doppelter
vor der Einfahrt in den Nordkanal, dann wieder 7 einfache und endlich noch
ein doppelter dicht vor der Einfahrt in den Fluß.
Gelotet wurde von der Osteinfahrt bis zur Barre 18 bis 20 Fuß (5.5 bis
6.1 m), auf der Barre 16!/, Fuß (5.0 m), von der Barre bis zur Einfahrt in den
Nordkanal 18 bis 20 Fuß (5.5 bis 6.1 m) und von da aus bis zu 40 Fuß (12.2 m).
Der Hub soll 8 Fuß (2.4 m) betragen und nach Lotungen, die ich später an der
Brücke von Pt. d’Arcia vornahm, sollte bei Hochwasser auf der Ostbarre
mindestens 17 Fuß (5.2 m) Wassertiefe sein. )