188 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1913.
diesem Teile leicht ein falsches Bild hätte entworfen werden können. Die Strom-
stärke des dem Winde direkt entgegensetzenden Golfstroms ist anfangs eine sehr
hohe. Seine geringe Stabilität spricht für den häufigen Wechsel seiner Richtung,
deren Änderung in engem Zusammenhange mit dem Gezeitenwechsel und dem
Barometerstand über dem Golf von Mexiko stehen soll!) Anfangs relativ eng,
verbreitert sich der Golfstrom bald und läßt sein »Delta« von 35° N-Br. 70° W-
Lg. bereits erkennen. Die Stromstärke ist zunächst noch ziemlich hoch, die
Richtung setzt dem Winde noch direkt entgegen. Für die Stabilität kann natur-
gemäß infolge der Deltabildung kein hoher Grad erwartet werden. Der Golf-
strom vereinigt sich, weiter nach NO fließend, mit dem Antillenstrom, der, aus
SO kommend, mit nicht zu unterschätzender Stromstärke nach NW setzt. Weiter
nach NO fließend, nimmt die Stromstärke des Florida-Antillenstromes mehr und
mehr ab. Die Strömung folgt zum Teil der Erdrotation, zum Teil den Winden
und Stürmen, hierdurch, wie die Septemberkarte deutlich erkennen läßt, die
Stabilität stark herabdrückend. Der nordöstliche Zweig des Stromastes tritt in
75b (70° bis 65° W-Lg., 40° bis 45° N-Br.) und weiter östlich der Neufundlandbank
auf den Labradorstrom, ohne jedoch von diesem verdrängt zu werden. Natur-
gemäß kann in diesen Gebieten der zum Teil direkt entgegengesetzt gerichteten
Strömungen keine hohe Stabilität erwartet werden. Der nach Norwegen setzende
Zweig des Golfstromes ist nur in 149c (40° bis 45° W-Lg., 45° bis 50° N-Br.) zu
erkennen. Die weitere deutliche Verzweigung dieses als ziemlich breit ge-
schilderten Zweiges müssen wir nördlich 50° Br. verlegen. Immerhin gestattet
jedoch die geringe Stabilität der östlich 40° W-Lg. unter 50° N-Br. gelegenen
Gradfelder den Schluß, daß wohl die durch Erdrotation und Wind bedingte Ost-
Südostströmung überwiegt, nordöstliche Abweichungen jedoch auch erwartet
werden dürfen. Nachträglich angestellte Vergleiche der Stromversetzungen be-
stätigen diesen Schluß. Der östliche bis südöstliche Zweig des Golfstromes ist
bis nördlich und westlich der Azoren bei abnehmender Stromstärke zu verfolgen.
Die wechselnde Stabilität dieses Stromgebietes ist auf die Winde in erster Linie
zurückzuführen. Westlich von Europa ist die südliche Bahn des in seiner Stärke
jetzt relativ schwachen Stromes deutlich zu erkennen. Zunächst von geringer
Beständigkeit, erhöht sich seine Stabilität bald nachdem er dem bei Madeira
durch den NO-Passat hervorgerufenen Kanarienstrom seine Wassermassen Zzu-
geführt hat. Weiter südlich fließend, nimmt die Strömung eine mehr und mehr
südwestliche Richtung an und schließt sich endlich bei wenig wechselnder, nicht
unbedeutender Beständigkeit, ganz nach Westen umlenkend, mit mäßiger Ge-
schwindigkeit der allgemeinen nach Westen setzenden Aquatorialströmung an.
Ein Teil dieser Strömung folgt dieser Hauptströmung nicht, sondern fließt zu-
nächst der afrikanischen Küste entlang nach Süden und unterstützt, sich nach
Südwesten wendend, schließlich die nach Osten setzende Guineaströmung. Die
Wurzel dieses großartigsten Neerstromes muß entgegen einigen Ansichten“) noch
westlich von 40° W-Lg, gesucht werden, wodurch gleichzeitig eine UÜberein-
stimmung mit der Septemberkarte »Die Strömungen in der Aquatorial-Region«
erreicht ist.) Das Interessanteste und Bedeutsamste unserer Stromkarte für den
Guineastrom ist die Betrachtung der Stabilitätsverhältnisse. Während nördlich
10° N-Br. und südlich 5° N-Br. die Stabilität zum Teil recht gering ist, fällt
ihre Größe in der Region zwischen 10° und 5° N-Br. auf. Die Erklärung hierfür
mag folgende sein. Die der afrikanischen Küste nahe gelegenen Fünfgradfelder
zwischen 10° und 15° N-Br. 38b und 39a speisen teilweise die Guineaströmung
durch südöstlichen Abfluß; von Norden her dringt eine südwestliche Strömung
in ihr Gebiet, während die letzten Ausläufer des SW-Monsuns die Wasser in
nordöstliche Richtung abzudrängen versuchen, Daß die Stabilität entsprechend
gering sein muß, ist ersichtlich. Die westlich gelegenen Gebiete liegen schon
zum Teile im Gebiete des NO-Passats, der die Richtung der Strömungen inner-
halb dieser Regionen beeinflußt. Die Stabilität zeigt jedoch, daß ein Teil der
Krümmel, Handb, II, S. 575 ff.
Krümmel, Handbuch II, S. 561.
Vel. »Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean«, S. 29
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