182 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1913,
Fünfgradfeld b unten links, e oben rechts und d oben links gelegen denken. —
Das für die Ermittlung der Stromverhältnisse in Betracht kommende Material
finden wir als Stromversetzungen einer besonderen Kolumne zuerteilt, Auf eine
Aufrechnung der Stromversetzungen gegeneinander und ihre Verwendung für
die Herstellung einer Strömungskarte ist ausdrücklich verzichtet worden. Der
betreffende Passus heißt:!l) »Der Hauptteil der Arbeit soll in tabellarischer
Form geschehen; die Darstellung derselben in Diagrammen, Kurven und Karten
bleibt nicht ausgeschlossen, allein sie ist untergeordnet und nicht unbedingt er-
forderlich, um den eintretenden Forderungen zu genügen. Seeleuten ist die
Diagrammform nicht bequem genug, während Gelehrte sich nur mit Mühe und
mit mindererer Genauigkeit aus den Darstellungen von Kurven, Diagrammen
und Karten die ihnen wertvollen Größen entnehmen können.« Dieser Satz konnte
damals noch mit gutem Rechte als Begleitwort bei der Herausgabe des ersten
Quadratheftes geschrieben werden. Heute, seitdem 30 Jahre seit seinem Er-
scheinen reichlich vergangen sind, stößt diese Behauptung auf starken Wider-
spruch, Darstellungen und Erläuterungen an der Hand von Kurven, Diagrammen
und Karten gelten heute als das willkommenste Mittel einer schnellen und be-
friedigenden Orientierung, das sich fast sämtliche Wissenschaften nutzbar ge-
macht haben. An einer anderen Stelle des Begleitwortes heißt es: »Graphische
Darstellungen tragen stets den Charakter eines gewissen Abschlusses, indem man
zu endgültigen Resultaten gelangt zu sein glaubt.« Bei dem heutigen System
eines fortwährenden Sammelns von Material müssen wir von Zeit zu Zeit eine
Zusammenfassung des Materials vornehmen; graphische Darstellungen sind nicht
immer Endresultate, und können es auch naturgemäß nicht sein. Mit wachsenden
Beobachtungen werden wir jedoch jedesmal zu Stetigkeiten im Resultat gelangen.
Graphische Darstellungen sind eben das bequemste Mittel, um weiteren Kreisen
die in Archiven gesammelte Fülle des Materials zugänglich zu machen und eine
Mitarbeit bei dem Suchen nach Gesetzmäßigkeit in der Natur zu ermöglichen.
Wir kommen nun zu dem Material selbst. Wir haben bereits erfahren,
daß exakte Strombestimmungen mit Widrigkeiten zu kämpfen haben. Die
in der Quadratarbeit zur Veröffentlichung gelangten Resultate sind vor ihrer
Eintragung einer strengen Kritik unterzogen worden; nur Gutes ist zur Auf-
nahme gelangt. Die zur Einlieferung von Beobachtungen verpflichteten Schiffs-
führer waren mit nur guten Apparaten versehen und selbst genügend vor-
gebidet,?) »um die Behauptung zu rechtfertigen, daß das der Seewarte eingelieferte
Material hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit gewiß dasselbe Vertrauen verdient
wie das irgend eines anderen maritim-meteorologischen Instituts.« »Es ist
jedesmal auf die während der letzten 24 Stunden herrschende Witterung Rück-
sicht genommen worden, und Versetzungen, die bei Stürmen stattgefunden haben
oder bei welchen aus sonstigen Gründen die Annahme, als sei sie von Strömungen
verursacht worden, unbegründet erschien, sind verworfen, sowie denn auch alle
Versetzungen unter 6 Seemeilen unberücksichtigt blieben.« ®)
Die Verteilung des Materials auf die einzelnen Gebiete läßt die Aufrechnung
von Stromversetzungen für Fünfgradfelder am zweckmäßigsten erscheinen und
zwar gemäß der monatlichen Aufeinanderfolge für einen Monat. Die vielfach
jahreszeitlichen Störungen unterworfenen Strömungen lassen den Wunsch auf-
kommen, die monatlichen Mittel wiederum zu jahreszeitlichen Mitteln zusammen-
zufassen. Für das Gebiet des Guineastromes ist von den Holländern auch ein
jährliches Mittel tabellarisch und kartographisch angegeben worden. Von einer
Zusammenfassung von Mittelwerten zu Jahresmitteln muß jedoch auf das ent-
schiedenste abgeraten werden. Ein Strom kann beispielsweise im Winter eine
stark hervortreiende vorherrschende Richtung mit großer mittlerer Stromstärke
besitzen, während im Sommer direkt entgegengesetzte Verhältnisse den Strom
charakterisieren. Das Jahresmittel kann daher unter Umständen den Be-
I) Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte Nr. 1, S. 74f£.
?) Siehe »Aus dem Archiv«, I. Jahrgang, S. 65.
3) Siehe »Einleitung zu den einzelnen Quadratheften«. S. XII. 5