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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Schlenzka: Wissenschaftl, Forschungen auf d, Ausreise S. M. S. »Möwe- nach Südwestafrika usw. 5 
»Möwe« war so gewählt, daß wir in der Hauptsache natürlich möglichst noch unbe- 
kannte Gebiete des Atlantischen Ozeans berühren sollten, und in erster Linie bestim- 
mend für unseren Reiseweg war der Wunsch, durch möglichst zahlreiche systema- 
tische Schnitte senkrecht zum Festland eine größere Anzahl von Reihenbeobach- 
tungen ‚in den Gebieten der großen afrikanischen Küstenströmungen zu erhalten. 
In. einzelnen Fällen, so vor der Straße von Gibraltar und später unten an der 
südwestafrikanischen Küste, wurden jedoch solche Messungen auch auf früheren 
Stationen . älterer Expeditionen vorgenommen, da es erwünscht schien, einmal 
etwaige Unterschiede verschiedener Jahre festzustellen, anderseits die älteren 
Beobachtungen, die zum Teil ja noch mit unvollkommenen Instrumenten gemacht 
waren, einer Nachprüfung zu unterziehen. Aus dem Reiseweg der »Möwe« (Fig. 1) 
ist das Bestreben, den Ozean hauptsächlich in den Küstenregionen zu erforschen, 
zu ersehen. Die Buchstaben‘ L: und S bedeuten, daß an diesen Stellen Lotungen 
und Serienmessungen vorgenommen sind, während ein D die Gebiete bezeichnet, 
wo aerologische Forschungen durch Drachenaufstiege stattgefunden haben, Die 
Stationen 8 und 9 westlich des gerade zu jener Zeit vielerwähnten Agadir 
wollen wir als «die interessantesten etwas eingehender betrachten, Diese beiden 
Stationen zeigen eigentümliche Schwankungen bzw. Zunahme der Temperaturen 
in den verschiedenen tieferen Schichten; besonders die Station 9. Im allge- 
meinen nimmt die Temperatur mit der Tiefe konstant ab. Hier war dies nicht 
der Fall. Da bei der ersten Messung in 1000 m Tiefe die Temperatur in dieser 
Schicht zu hoch'‘erschien, wurde der Krümmel-Wasserschöpfer noch einmal auf 
1000 m hinuntergegeben, wieder ergab sich die „gleiche höhere .Temperatur. 
Auf 1100, 1200 und 1500 m Tiefe wurden dann jedesmal mit dem Schöpfer 
gleichzeitig 2 Thermometer hinuntergegeben, die immer übereinstimmend anormal 
höhere Temperaturangaben lieferten. Das Auslösen des Wasserschöpfers in der 
richtigen Tiefe, entsprechend der ausgelassenen Drahtlänge, ist jedesmal deutlich 
wahrgenommen, so daß ein etwa zu frühes Auslösen die hohen Temperaturangaben 
in 1000, 1100 und 1200 m nicht gezeitigt haben konnte. Das Zählwerk der Lot- 
maschine hatte ebenfalls einwandfrei gearbeitet. Gleichwohl erschien uns die 
festgestellte Abnormität sehr auffallend, und bevor wir daran glauben konnten, 
mußten wir die Analyse der heimgesandten Wasserproben, die allein Aufschluß 
geben konnte, abwarten. Diese Untersuchung der Deutschen Seewarte hat nun 
nachträglich die Zuverlässigkeit der Messungen nachgewiesen und zur einwand- 
freien Feststellung des folgenden Phänomens geführt: Die umstehende, auf der See- 
warte entworfene Skizze (Fig. 2, S. 6) stellt einen durch vier in etwa gleichem Ab- 
stand vorgenommene Reihenbeobachtungen gewonnenen Schnitt in der Höhe von 
Mogador dar. Rechts ist der Abfall des afrikanischen Küstensockels schraffiert 
gegeben, links finden wir die Angaben für die verschiedenen Tiefenschichten, in 
denen von uns Temperaturmessungen vorgenommen und Wasserproben gewonnen 
sind. Betrachten wir zunächst die von Grad zu Grad ausgezogenen Isothermen, 
so sehen wir auf den beiden mittleren Stationen 9 und 10 zwischen 600 und 
1200 m eine ganz enorme Wärmezunahme, die sich bei Station 9 sogar schon 
von 400 m :ab bemerkbar macht und in 1200 m_ Tiefe besonders augenfähig ist. 
Dort, wo wir auf Station 9 und 10 die Zunahme der Temperaturen in rund 
1000 m haben, sehen wir auch eine ganz erhebliche Zunahme des Salzgehalts, 
die fast das an der Oberfläche lagernde Maximum von 36.5 °/,, erreicht, Wie 
eine große Blase absinkend, stellen sich die Wassermassen mit größerem Salz- 
gehalt und höherer Temperatur, in ‚der Skizze durch verschiedene Schraffur 
wiedergegeben, dar, und höchstwahrscheinlich haben wir es hier mit absinkendem, 
von der Straße von Gibraltar stammenden salzhaltigeren und deshalb schwereren 
Mittelmeerwasser zu tun, das sich etwa, wie auch Beobachtungen des dänischen 
Forschungsschiffes »Thor«!) veranschaulichen, wie ein großer Keil von der 
Gibraltarstraße absinkend, in das salzärmere Ozeanwasser hineinschiebt, und ‚die 
höheren. Mittelmeertemperaturen in die größeren Tiefen hinabträgt. 2 
Im ganzen wurden auf der Fahrt von Cadiz. nach Sta. Cruz auf Teneriffa 
4 Vgl. die Figur auf S. 665 dieser Zeitschrift, Jahrgang 1910.
	        
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