an
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913,
Vorteilhaft ist es, wenn man das Verfahren in der Weise wiederholt, daß
man den Deflektor in der magnetischen NW-Richtung auf den Kompaß setzt
(Nordpol nach Nord); dann wird am Steuerstrich W anliegen. Der Ablenkungs-
winkel der kleinen Nadel ist wieder gleich « — x, dazu x addiert gibt wiederum
X @«. Das Mittel aus den durch beide Beobachtungen erhaltenen Winkeln gibt
den zur Rechnung zu benutzenden Winkel a.
Die erhaltenen Resultate werden auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch
machen können, sie genügen jedoch vollkommen für den hier verfolgten Zweck,
Topp.
6. Über einen merkwürdigen Fall von‘ Totwasser berichtet Kapitän
H. Nissen, S. »Peking«. Er schreibt:
„Auf einer Reise von Hamburg nach Talcahuano befanden wir uns am
24, Mai 1912 noch etwa 25 Sm von unserem Bestimmungshafen, Die Paps von
Bio Bio peilten mw, N0z01/4O0 und der Leuchtturm von Sta, Maria mw. S!/,O,
als plötzlich Windstille eintrat, in der das Schiff steuerlos wurde und sich quer
zu der leichten südwestlichen Dünung legte, so daß es ungefähr NW anlag.
Gegen Mittag kam ein Schlepper, nahm die Schleppleine an Bord und versuchte
das Schiff auf einen nordöstlichen Kurs zu bringen, Es rührte sich nicht aus
seiner nordwestlichen Richtung, trotzdem das Ruder hart Steuerbord lag und
eine leichte Brise die Segel füllte; das Schiff machte auch scheinbar 2 Sm Fahrt
durchs Wasser und hatte ein Kielwasser achteraus wie sonst bei dieser Fahrt.
Sein Schlingern hatte fast ganz aufgehört, es war fast als säße es fest; wir
hatten aber 76 Faden Wasser. Durch Ruderlegen und Brassen der Rahen ver-
suchten wir lange vergeblich, das Schiff aus seiner nordwestlichen Richtung zu
bringen, hatten aber erst nach beinahe einer Stunde Erfolg. Es drehte sich zu-
nächst bis Nord und blieb, obgleich wir jetzt etwa 3 Sm Fahrt machten, etwa
10 Minuten lang so liegen, ehe es frei kam und wir unsern Kurs aufnehmen konnten.
Während der ganzen Zeit war etwa eine Schiffslänge querab von uns eine
merkwürdige, bogenförmige Kräuselung, als ob dort zwei verschiedene Strömungen
zusammenträfen. Es war mir auch aufgefallen, daß unser Schiff, das sonst bei
Windstille selten vom Kurse abkommt, gleich steuerlos wurde und schnell zum
Stillstand kam, als diesmal Windstille eintrat.
Die Mündung des Bio Bio war ungefähr ONO 15 Sm entfernt, und ich
kann nicht annehmen, daß die geringe Wassermenge dieses Flusses das Totwasser
verursacht haben könne.“
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Siegel, R., Vizeadmiral z. D.: Die Flagge. Geschichte der Entwicklung der auf
den Kriegs- und Handelsschiffen zur Verwendung kommenden Flaggen usw.
Herausgegeben auf Veranlassung des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amts.
30, 267 S. mit 48 Flaggentafeln in Buntdruck, 16 Schwarztafeln und 74 Text-
abbildungen. Berlin 1912. Dietrich Reimer (Ernst Vohsen). Gebd, 25 4.
Unter vorstehendem, fast unscheinbar klingendem Titel hat der am 22. November 1912 leider
zu früh verstorbene Verfasser ein Werk geschaffen, das nicht nur in rein seemännischen, sondern auch
in allen Volkskreisen, die sich für die Entwicklung unseres gesamten Secewesens interessieren — und
es ist ja eine der erfreulichsten Erscheinungen in Deutschland, daß sich die Erkenntnis von der Be-
deutung unserer Seemacht und Seegeltung in immer weiteren Kreisen Bahn bricht —, die weit-
gehendste Beachtung verdient.
Für den mit dem Flaggen- und Signalwesen an Bord einigermaßen Vertrauten ist es kein
Geheimnis, daß der Werdegang der Flagge sich naturgemäß im engsten Anschluß an die Entwicklung
der Seeschiffahrt vollzogen und mit ihr Hand in Hand gegangen sein muß. Über das »Wie« und
die Geschichte dieser Entwicklung pflegt man sich jedoch in den seltensten Fällen Rechenschaft ab-
zulegen; lag aber ein besonderes Interesse oder ein Bedürfnis hierfür vor, so mußte man bisher bald
die Erfahrung machen, daß es fast an jeglichem Quellenmaterial fehlte, um eine ausreichende und
schnelle Orientierung zu gewinnen, Und doch ist das Studium dieser Frage außerordentlich dankbar,
verade weil eine Geschichte der Flagge auch eine Geschichte der Schiffahrt überhaupt ist.