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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913. 
von Quebec zurückzuführen sein, da es etwas oberhalb des Mündungstrichters 
gelegen ist, als dessen Abschluß das untere Ende der Orleans-Insel angesehen wird. 
Gänzlich anders ist nun die Fortpflanzung der Gezeitenwelle in tiefen 
Flußmündungen und Fjorden. Dort treten Hoch- und Niedrigwasser an der 
Mündung wie weiter oberhalb fast gleichzeitig ein. Selbst am unteren St. Lorenz- 
strom, in der Nähe der Mündung, herrschen diese Verhältnisse. Von Cap Chat 
bis Father Point, wo die Tiefe in der Flußmitte 124 bis 189 Faden beträgt, ist der 
Zeitunterschied bei einer Entfernung von 90 Sm nur 8m bei Hochwasser und 
10 m bei Niedrigwasser, Ebenso treten in der Georgia-Straße an der pazifischen 
Küste die Gezeiten auf der 80 Sm langen Strecke von Sand Heads bis Comox 
fast gleichzeitig ein. Von Sand Heads bis Lund am Nordende der Straße ist 
bei einer Entfernung von 108 Sm der Zeitunterschied nur 14 m bei Hochwasser 
und 18 m bei Niedrigwasser, Die Tiefe schwankt dort zwischen 90 und 180 Fad. 
Noch ausgesprochener sind die Verhältnisse in den Fjorden und an der Küste 
von Britisch-Columbien. !) 
b) Sekundäre Gezeitenwellen. Die schon lange an zahlreichen Stellen 
der Erde bekannten Schwankungen des Meeresspiegels mit kurzer Periode in 
Meeresbuchten und -straßen sind in Japan, wo sie bei Erd- und Seebeben von 
verheerender Wirkung werden können, Gegenstand genauer Untersuchungen ge- 
wesen, über die in dieser Zeitschrift bereits ausführlich berichtet ist.?) Sie 
haben zu dem Ergebnis geführt, daß diese beobachteten Schwankungen des 
Meeresspiegels von stehenden Wellen herrühren. Die Periode der Schwingung 
ist gegeben durch die Formel 
41 
Ye 
yYgh 
l bedeutet die Länge der Bucht, h ihre mittlere Tiefe. 
Die an der japanischen Küste gefundenen Ergebnisse haben ihre Bestäti- 
gung gefunden durch Beobachtungen hauptsächlich bei folgenden 4 Stationen an 
der atlantischen Küste Canadas, die von Honda und Dawson®) bearbeitet wor- 
den sind. 
Sidney Harbour . 
Trepassey Harbour . 
Port aux Basque 
Halifax. _ 
N-Br 
W-Le. 
Länge 
der Bucht 
16° 16° | 609 7° 18,7 km 
bei Kap Race 13.0 « 
17931 | 59° 8 3.1 « 
1125 207 630 31/ 962 & 
Mittlere 
Tiefe 
2.23 Fdn. 
15.93 « 
7.56 « 
11.0 “ 
berechnete 
Periode der 
Schwingung 
beobachtete 
Periode der 
Schwingung 
132.0 m 132.6 m 
68.4 67,9 
17.8 = 19.1 « 
130.0 « 130.5 
» u 1 ' 
Die Übereinstimmung zwischen beobachtetem und berechnetem Wert der 
Schwingungsperiode ist wortrefflich. Die Unstimmigkeit bei Port aux Basque 
wird auf die unregelmäßige Gestalt der Bucht zurückzuführen sein. Die Beob- 
achtungen an der canadischen Küste haben außerdem gezeigt, daß die sekundären 
Gezeitenwellen bei stürmischem Wetter besonders ausgeprägt sind, was Dawson 
bereits früher wahrscheinlich gemacht hatte,*) Die Amplitude der sekundären 
Gezeitenwellen wächst nicht bei Verengung der Bucht oder Flußmündungen, wie 
es bei der Flutwelle der Fall ist, beträgt also einen immer geringeren Prozent- 
satz des eigentlichen Gezeitenhubes, so daß endlich diese sekundären Wellen voll- 
ständig sich der Beobachtung entziehen in Flußmündungen, wo die Gezeiten sehr 
wachsen wie im St. Lorenzstrom unterhalb von Quebec und am oberen Ende der 
Fundy Bay, während sie anderseits dort sehr in die Augen fallen. wo die Ge- 
') Vgl. Schott, Gezeiten an der Küste von Britisch-Columbien, »Ann. d. Hydr. usw. 
1910, S. 667 u. ff. N 
2) Wegemann, Über sekundäre Gezeitenwellen, „Ann. d. Hydr. usw.« 1908, S, 532 ff. 
3) K..Honda and W, Bell Dawson, On the Secondary Undulations of the Canadian 
Science Reports of the Töhoku Imperial University. Vol, 1, Nr. 1. Sendai, Japan 1912, 
4) W. Bell Dawson, Ilustrations of remarkable Secondary Tidal Tindulations ete, Trans- 
actions 6f the Royal Society of Canada. Third Series, 1899, p. 23 ff.
	        
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