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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913,
Die Strömungen sind in diesem Gebiet so unsicher, daß aus den bisherigen
Beobachtungen noch keine sichern Angaben haben abgeleitet werden können.
Zwischen 3° S und 4° N-Br. kann man sich von November bis März nicht
24 Stunden lang auf die Strömung verlassen. Man hat an einem Tage 36 Sm
westliche Strömung, am nächsten gar keine, dann ein paar Tage lang ostnord-
östliche und dann wieder westliche und nordwestliche beobachtet, Von Ende
März bis Ende Oktober sind sie regelmäßiger, man kann dann zwischen 8° S
und 4° N-Br. in dieser Gegend auf etwa 2 Kn westliche Strömung rechnen, es
kommt aber selbst in dieser Zeit vor, daß gar keine, oder östliche Strömung läuft,
Die Hafenzeit von Nauru ist 2b 30min, die mittlere Hochwasserhöhe be-
trägt etwa 2m. Die Strömung setzte im August und September an der Fest-
machetonne, wo »Ursula Rickmers« lag, meistens recht nach Westen,
Die beiden Landungsbrücken gehören der Phosphat-Gesellschaft; sie reichen
bis an die Kante des steil abfallenden Riffes und haben an den Treppen etwa
6 bis 8 m Wasser, so daß Dampfboote dort anlegen können. An diesen
Brücken werden die Boote unter Schütten beladen, die den Schiffen die
Ladung bringen. Jedes Boot trägt in vier Körben etwa 2.5 t. Die Körbe werden
von den Schiffen aufgehievt und über den Ladeluken gestürzt. »Ursula Rickmers«
nahm auf diese Weise im Durchschnitt täglich 450 t Phosphat ein, An Sonn-
tagen und bei starkem Regen wurde nicht gearbeitet.
Hafenordnung. Die wichtigsten Bestimmungen sind die folgenden: Sobald
vom Signalmast der Phosphat-Gesellschaft das Flaggensignal: »U. D. C.« gezeigt
wird, hat man ohne Verzug von der Festmachetonne loszuwerfen und in See zu
gehen. Man muß zu diesem Zwecke immer Dampf halten. Die Festmachetonnen
dürfen nicht beschädigt oder überanstrengt werden.
Es ist verboten, mit den Eingeborenen Handel zu treiben; besonders
streng bestraft wird Handel mit Branntwein. Daß die Schiffsbesatzung an Land
geht, wird nicht gern erlaubt.
Hafenunkosten. Schiffe, die von der Phosphat-Gesellschaft laden, haben
kein Tonnengeld zu zahlen, ihre sonstigen Kosten sind dann: Quarantänegeld
20 ./%; Gesundheitspaß 10 ./; Klarierungsgebühr 10 ./%. Der Arzt berechnet 10 ./%
für jeden Besuch.
Die Hauptansiedlung war im Jahre 1905/06 Buschdorf in der Mitte der Insel
und eine Station der Bostoner evangelischen Missionsgesellschaft. Damals lebten
1562 Eingeborene, 14 andere Farbige und 16 Weiße auf der Insel. Seitdem hat
sich aber die Phosphat-Gesellschaft dort angesiedelt, und seit 1908 ist die Ver-
schiffung von Phosphat in vollem Gange, 1908 mit 50 000, 1910 mit 143 000 t.
Die Ladungen pflegen nach Australien, Japan, Deutschland oder England zu gehen.
Bunkerkohlen (australische) waren, als die »Ursula Rickmers« dort war,
in geringer Menge für 50 / die Tonne zu haben,
Dauerproviant gab es nicht, auch kein frisches Gemüse, wohl aber ein
wenig frisches Fleisch, Schweine und Hühner. Kokosnüsse und Brotfrüchte sind
zu haben.
Trinkwasser wird häufig bei längerer Dürre knapp, weil die Bewohner auf
Regenwasser angewiesen sind. Schiffe sollten nicht darauf rechnen, ihren Frisch;
wasservorrat ergänzen zu können.
Kleinere Mitteilungen.
1. Über die Ergänzung von frischem Wasser in Victoria, Brasilien.
Bericht von Kapt. U. Lehmann, Argent, D. »Corrientes«.
Zu dem Bericht in den »Ann, d. Hydr, usw.« 1912, S. 443, teilt Kapt.
Lehmann das Folgende mit: »Da das Schiff nach dem La Plata bestimmt war,
und, um dahin zu kommen, seinen Bestand von frischem Wasser nur um 5t zu
erhöhen brauchte, hatte ich diese geringe Menge in einem Schiffsboot aus der
städtischen Wasserleitung am Telegraphengebäude holen lassen. Als wir dann