144 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913.
entweder an ihren Grenzen zusammengeschoben und zu einem Gewirr von Eis-
hügeln umgearbeitet oder es entstehen, wenn die Felder auseinandertreiben,
Waken, die zunächst zu einer neuen Eisdecke gefrieren, später häufig wieder
aufreißen und dann wieder zusammengepreßt werden. Die Pressungen in der
näheren oder weiteren Umgebung des Schiffes fanden während des ganzen Winters
statt, im September unmittelbar vor dem Bug des Schiffes, wo Schollen von 1!/, m
Dicke mehrfach über- und untereinander geschoben wurden. Der Schneebelag
auf unserer Scholle war nur gering, ebenso auch die Dicke des nicht zusammen-
geschobenen Eises, die nur 1 bis 1.40 m betrug.
Mehrere Eisberge im Norden des Schiffes wurden den ganzen Winter
hindurch ebenso wie die »Deutschland« vom Treibeis mitgeführt, erst Anfang
September begannen sie ihre Stellung zu verändern. Auf der Rückfahrt sahen
wir gleichfalls mehrere kleine Eisberge, die mit der Scholle, in der sie lagen,
zu einem Ganzen verkittet waren. ;
Mit dem Geologen Dr. Heim zusammen wurden von mir Untersuchungen
über die Natur des Meereises ausgeführt, so wurde regelmäßig das Dicken-
wachstum gemessen, ferner wurde der Chlorgehalt der verschiedenen Schichten des
Eises sowohl bei Beginn wie Ende der Trift und sein spezifisches Gewicht bestimmt.
E. Verschiedene Untersuchungen. Auf der Fahrt südwärts wie auch
während der Trift wurde nach Möglichkeit angestrebt, Material zum Studium
der internen Wellen zu gewinnen. Es wurde hierzu die Grenzschicht ausgewählt,
die zwischen der ausgesprochen kalten Öberflächenschicht und der warmen
Zwischenschicht liegt — ihre Tiefe wechselte zwischen 150 und 300 m.
Auf der Fahrt südwärts konnte, während das Schiff durch Eis behindert
war, eine 60 stündige Reihe mit 2 stündlichen Temperaturbeobachtungen von mir
gewonnen werden. Während der Trift wurde zunächst einen Monat lang täglich
einmal Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoff der 300 m Tiefe bestimmt, später
während eines Monats dreimal täglich die Temperatur der 300 m Schicht, schließ-
lich wieder einmal täglich die Temperatur von zwei bzw. drei Schichten.
Die Beobachtungen mußten mittels Handwinden ausgeführt werden — sie
wurden Anfang August abgebrochen, da der Instrumentenvorrat zu stark redu-
ziert war. Da eine Trift nicht beabsichtigt war, auch das Schiff nicht im Eis
überwintern sollte, so hatte ich auf Mitnahme elektrischer Tiefseethermometer
verzichtet — ein Versuch, die für die Messung der Eistemperaturen vorhandenen
Thermometer zu benutzen, scheiterte trotz der Bemühungen des Ingenieurs
Heinack, weil sich nicht die notwendige Genauigkeit erzielen ließ,
Von größeren systematischen Beobachtungen habe ich noch die Beobach-
tungen mittels des Ekmanschen Strommessers zu erwähnen, Es galt zunächst hier
technische Schwierigkeiten zu überwinden, namentlich das Versagen des In-
struments infolge Eisansatz. In der Regel mußte das Instrument nach jeder
Beobachtung aufgetaut und später getrocknet werden, nur bei Temperaturen
dicht bei Null Grad konnten eine Anzahl Beobachtungen hintereinander ge-
wonnen werden. Soweit sich das Material überblicken läßt, überwiegt stets
die Oberflächentrift oder die Bewegung irgendeiner Tiefenschicht,
so daß diese gegenüber der Oberflächentrift von einer bestimmten Tiefe ab in
praxi als ruhend anzunehmen sind. Die Tiefe, die durch die Oberflächentrift in
der Regel nicht mehr beeinflußt wird, ist schon in 25 m erreicht, so daß ich bei
konstanter Oberflächentrift denselben Wert erhalte, ob ich den Strommesser in
25, 100 oder 400 m versenke.
Gelang es mit dem Strommesser nicht, Aufschluß über die Strömungen in
den verschiedenen Tiefen zu erhalten, so konnte dafür die Triftrichtung und
Geschwindigkeit mehreremal am Tage durch den Strommesser bestimmt werden.
Aus dem so gewonnenen Material ergeben sich die schon erwähnten Beziehungen
zwischen Wind und Trift, die noch dahin erweitert werden können, daß ÄAnde-
rungen in Windrichtung und Geschwindigkeit fast gleichzeitig Anderungen in
Triftrichtung und Geschwindigkeit hervorrufen.
Erwähnt sei noch, daß einige Bestimmungen der Kohlensäuretension der
Atmosphäre sowie einige Alkalinitätsbestimmungen des Seewassers ausgeführt
wurden — auch wurden eine Anzahl Wassernroben konserviert.