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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXT. Jahrg. (1913), Heft I. 
Wissenschaftliche Forschungen auf der Ausreise S. M. S. „Möwe“ 
nach Südwestafrika im Jahre 1911 
Vermessungsarbeiten an der Küste des deutschen Schutzgebietes. 
Von Kapitänleutnant Schlenzka, Kommandant S. M. S. »Hyäne«. 
Vortrag vor der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin (Auszug). 
Mit den Begriffen »Seiner Majestät Schiffe« und »Kaiserliche Marine« ver- 
bindet sich im allgemeinen die Vorstellung von Panzer, Kanonen, Torpedos und 
von Manövern, deren Aufgabe es ist, die bewaffnete Seemacht des Deutschen 
Reiches im Frieden für ihren eigentlichen Zweck, die kommende Seeschlacht,; 
auszubilden. Von den vielseitigen Anforderungen, denen die Kaiserliche Marine 
in dieser Hinsicht gerecht zu werden hat, ist in großen Zügen wenigstens das 
wesentlichste bekannt geworden.. ; 
Weniger bekannt dürfte ein Zweig der Tätigkeit der Kaiserlichen Marine 
sein, der sich darauf erstreckt, das für die praktische Schiffahrt im allgemeinen 
und für die Navigierung im besonderen unbedingt erforderliche zuverlässige 
Seekartenmaterial zu schaffen, das Vermessungswesen in der Kaiserlichen Marine! 
Außer für die Kriegerischen Interessen der Front bedeutet die Ver- 
messungstätigkeit in der Marine, die sich nicht nur auf unsere heimischen Ge- 
wässer, sondern auch auf die überseeischen Küsten unserer Kolonien erstreckt, 
ein Friedenswerk, von dem Handel und überseeischer Verkehr in erster Linie 
praktischen Nutzen und Vorteil zieht. a 
Das gesamte Vermessungswesen in der Marine ist mit allen technischen und 
wissenschaftlichen Arbeiten unmittelbar dem Reichs-Märine-Amt unterstellt, wo im 
Nautischen Departement einmal das Programm für die vorzunehmenden Ver- 
messungen aufgestellt und über die verfügbaren Geldmittel disponiert wird, ander- 
seits das ganze im praktischen Vermessungsdienst gewonnene Material nachgeprüft 
und zu der endgültigen Fassung der Seekarte verarbeitet wird, 
Der praktische Teil der Vermessung, d. h. alle die Arbeiten, die notwendig 
sind, das für das Zustandekommen einer Seekarte erforderliche Material zu 
sammeln, fällt zumeist besonderen Vermessungsschiffen oder. Peilbooten zu, die 
lediglich für diesen Dienstzweig bestimmt und besonders ausgerüstet sind, 
Solcher Spezialvermessungsschiffe besitzt die Kaiserliche Marine zur Zeit drei, 
von denen das eine, ältere, »Hyäne«, die Nachvermessungen in den heimischen 
Gewässern auszuführen hat, während die beiden neueren, in: den Jahren 1905 
bis 1906 gebauten Schwester-Vermessungsschiffe »Planet« und »Möwe« mit der; 
nebenbei gesagt, noch mehrere Jahrzehnte erfordernden Neuvermessung der 
Küsten unserer Kolonien beauftragt sind. Die Ausreise der »Möwe« nach Deutsch- 
Südwestafrika und ihre wissenschaftlichen, Forschungen auf ozeanographischem 
Gebiet sowohl wie ihre eigentlichen Vermessungsarbeiten an dieser fernen Küste 
sollen im engeren Sinne der Gegenstand des Vortrages sein, . 
Bevor ich jedoch zur Schilderung der Ausreise und der gelegentlich dieser 
vorgenommenen Arbeiten übergehe, will ich kurz einige Angaben über das Schiff 
selbst und seine speziell wissenschaftliche Ausrüstung machen: S. M. S. »Möwe«, 
das Schwesterschiff des schon erwähnten »Planet«, ist im Jahr 1906 auf der 
Kaiserlichen Werft zu Wilhelmshaven vom Stapel gelaufen und von seiner In- 
dienststellung im März 1907 bis zu seiner Ausreise in das südwestafrikanische 
Vermessungsgebiet dauernd im heimischen Vermessungsgebiet in der Ost- und 
Nordsee tätig gewesen. Beides sind kleine Schiffe von 650 t Deplacement, 49 m 
Länge, 10 m Breite. Zwei Maschinen mit 350 PS, geben dem Schiff eine Ge- 
schwindigkeit von höchstens 9 Sm, und bei einer Kohlenfassung von 190 t hat 
das Schiff einen Aktionsradius von 4300 Sm. Für den Aufenthalt in den Tropen 
ist auf. luftige Wohnräume Gewicht gelegt. Für die wissenschaftliche Tätigkeit 
Ann. d. Hydr. usw. 1913, Heft I. 
und
	        
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