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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913. 
lag die »Deutschland« unbeweglich in ein und demselben KEisfeld, das auch die 
magnetischen und meteorologischen Beobachtungshäuser trug, die zum Teil Mitte 
September, als eine große Wake dicht vor dem Bug des Schiffes entstand, wieder 
an Bord genommen wurden. 
Am 8. August 1912 erlitten wir einen herben Verlust. Kapitän Richard 
Vahsel erlag plötzlich einem sich seit einigen Wochen bemerkbar machenden 
Herzleiden; er war uns nicht nur der Kapitän der »Deutschland«, sondern auch 
ein treuer Kamerad, dessen Erfahrung für die Expedition von unschätzbarem 
Wert gewesen ist. — Die Führung des Schiffes übernahm sodann der bisherige 
I. Offizier Wilhelm Lorenzen. 
Im September erlitt das Schiff neue Pressungen, da die Scholle vor dem 
Bug des Schiffes zerrissen war; das gegenüberliegende Feld trieb ab, so daß 
eine Wake entstand, die aber in der folgenden Zeit wieder zu einer festen Eis- 
decke von 35 bis 40 cm Stärke gefror; noch Ende Oktober war die Kisdecke in 
dem Gebiet zwisehen 64° und 65° S-Br., wohin uns die Trift mittlerweile geführt 
hatte, soweit man sehen konnte, fast ununterbrochen. Im November begann 
sodann eine Zerteilung des Eises, so daß am 21. November mit Sprengversuchen 
begonnen wurde, um das Schiff aus der Scholle zu befreien. Diese waren von 
Erfolg gekrönt, und am 26. November glitt die »Deutschland« aus ihrem Bett 
und bahnte sich einen Weg zu der offenen Wake im Norden. Bis zum 30. No- 
vember lag die »Deutschland« hier zunächst fest an einer Scholle, dann öffneten 
sich Waken zwischen den Feldern, und es gelang, in den nächsten Tagen einige 
Seemeilen nordwärts zu kommen. Die Felder waren in stetiger Bewegung; oft, 
wenn das Schiff sich einen Durchgang zwischen zwei Feldern zu erzwingen 
suchte, schoben diese sich enger aneinander, so daß leichte Pressungen am Schiff 
stattfanden. Am 12, Dezember hatten wir uns erst etwa 40 Sm von unserer 
Winterscholle entfernt, dann aber besserten sich die Eisverhältnisse, die Felder 
wurden kleiner, und wir gelangten in Scholleneis. Am 16. und 17, Dezember 
wurden Hunderte von Eisbergen passiert, deren Formenreichtum unbeschreiblich 
war, Am 18, Dezember .um 6 Uhr abends sichteten wir die Südküste von Süd- 
Georgien, die wir zu unserm Erstaunen von zahlreichen Eisbergen besetzt sahen, 
im Gegensatz zum vorigen Jahr, Bei Sonnenaufgang fuhr die »Deutschland« längs 
der Südostküste, die wir zum ersten Male gänzlich frei von Wolken sahen, durch 
viele Hunderte von Eisbergen hindurch, die, wenn auch in geringerer Anzahl, 
sich noch längs der Nordküste vorfanden, 
Um 3!/, Uhr nachmittags ging die »Deutschland« in Grytviken zu Anker. 
Da der Expeditionsleiter hier die Expedition für unterbrochen und die Kontrakte 
für gelöst erklärte, schiffte ich mich an Bord des hier liegenden Dampfers 
»Harpon« ein, um von hier aus nach Europa zurückzukehren, 
B. Die Ergebnisse der Lotungen. Die technische Ausführung der Lotungen 
gestaltete sich sehr einfach während der Fahrt im Eis, da hier die See stets 
ruhig war. Während der Trift mußten sämtliche Lotungen mittels Handbetrieb 
ausgeführt werden; zu Beginn der Trift wurde das Lot durch den Ruderbrunnen 
in die Tiefe versenkt, später, als der Eisfuß dort zu mächtig geworden war, 
wurden die Lotungen im Freien an einem stetig offen gehaltenen Wasserloch 
ausgeführt. Die sämtlichen ausgeführten Lotungen (mit Ausnahme einzelner 
Flachseelotungen) sind in der beigegebenen Tiefenkarte (Tafel 3) zugleich mit 
den früher von der schwedischen und schottischen Expedition gemachten Lotungen 
niedergelegt. 
Ich diskutiere zunächst die Lotungen südlich vom Polarkreis. Die 
Lotungen der schottischen Expedition hatten uns eine Tiefsee enthüllt, aus der 
sich in 72° bis 74° S-Br. in steiler Böschung der Rand des Inlandeises, Coats- 
Land, erhob. Unser etwas westlicher liegender Kurs bestätigte bis 74° S-Br. die 
Isobathen von Bruce, führte aber sodann auf eine Flachsee, die steil zur Tiefsee 
abfällt und sich mit einer mittleren Tiefe von 600 m über drei Breitengrade 
weit nach Süden erstreckt. Diese Flachsee ist dort, wo wir sie durchfahren 
haben, durch eine Schwelle gegen die Tiefsee abgeschlossen, wie uns die Boden- 
temperaturen zeigen. Sämtliche Bodentemperaturen in dem Flachseebecken sind
	        
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