Brennecke, W.: Ozeanographische Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition. 137
Pressungen verkittet waren. Es wurde daher ein zweiter Versuch, im Westen
einen besseren Platz zur Anlage einer Überwinterungsstation ausfindig zu machen,
unternommen, aber in 40° 54’ W-Lg. war das Schiff wieder durch schweres Eis
genötigt, nach Osten umzukehren. Am 5. Februar in der Vahsel-Bucht angelangt,
wurde beschlossen, dort zu bleiben, ein Stationshaus zu errichten und zur Sicherung
der Station das Schiff in der Bucht überwintern zu lassen,
Nachdem ein NO-Sturm das Buchteis gebrochen hatte, wurden am 9. Februar
die Materialien zum Hausbau in einem Teile der Bucht auf einem der oben
erwähnten Berge des Barriere-Eises gelandet, dessen Oberfläche aus hartem
Blaueis bestand und sich an einzelnen Stellen gegen das Meeresniveau senkte.,
Der Berg war derart mit seiner Umgebung verbunden, daß wir häufig von ihm
aus kleine Touren nach Osten auf das Inlandeis machten — nur wäre es nicht
möglich gewesen, das große Stationshaus auf diesem Wege auf das Inlandeis
zu schaffen,
Als der Bau des Hauses sich schon seiner Vollendung nahte, trat am
18. Februar in der Frühe ein von uns vor dem Stationsbau in Betracht ge-
zogenes, wenn auch nicht erwartetes Ereignis ein: Unser Stationsberg löste
sich — wahrscheinlich infolge der Springflut — aus dem Verband. Es gelang
jedoch mit Ausnahme des Hauses selbst alle für die Expedition wertvollen Sachen
wie auch Pferde und Hunde wieder an Bord zu nehmen. In den nächsten Tagen
konnten wir dann feststellen, daß außer dem Stationsberg auch der den west-
lichen Rand der Bucht bildende Teil der Barriere in Bewegung war und nach
und nach in nordwestlicher Richtung aus der Bucht .heraustrieb. Infolge Sturm
war das Schiff in den nächsten Tagen mehrfach genötigt, die Bucht zu verlassen
(bei ruhigem Wetter ankerte das Schiff auf etwa 130 m Tiefe vor dem Inlandeis-
rande). Es war nun der Plan, mit dem Schiff so lange in der Bucht zu bleiben,
bis es im Eis festgeworden war, um sodann ein kleines Wohn- und Beobachtungs-
haus auf dem Inlandeis zu errichten, Da dieser Termin sich lange herauszögern
konnte, bezogen Dr. Heim und ich am 27. Februar ein Zeltlager auf dem Inlandeis,
indem wir hier gleichzeitig mit Unterstützung des Schiffes ein größeres Proviant-
depot anlegten für den Fall, daß das Schiff abgetrieben werden sollte, Unser
Aufenthalt sollte zur Ausführung glazialer und meteorologischer Studien auf dem
Inlandeis dienen. Am 3. März signalisierte das Schiff, daß wir an Bord kommen
sollten, was auch nach Überwindung einzelner Schwierigkeiten gelang. Da nach
Erklärung von Kapt. Vahsel die Lage des Schiffes gefährdet war, indem das
Schiff durch das sich bildende Jungeis besetzt mit diesem stetig aus der Bucht
heraustrieb (in die Eisbergtrift), so mußte der Beschluß gefaßt werden, die
Bucht zu verlassen.
Am 4. März vormittags verließ die »Deutschland« die Vahsel-Bucht, um,
falls es nicht gelang, weiter. nordöstlich einen geeigneten Überwinterungsplatz
zu finden, in Süd-Georgien zu überwintern. Im folgenden Sommer sollte aufs
neue versucht werden, eine feste Station auf dem Inlandeis zu errichten, von
welcher aus die Schlittenreisen nach Süden und Westen aufbrechen sollten.
Die Rückfahrt nach Norden ließ sich am ersten Tage gut an, da wir viel
freies Wasser fanden, jedoch schon am zweiten Tage bemerkte man, daß das
Meer im Begriff war, zu erstarren. Das Wasser war hier schon auf —1.8° er-
kaltet, und überall zeigte sich lebhafte Bildung von tellergroßem Pankake-Eis,
die sich im Laufe des Tages mehr und mehr verstärkte, so daß in der Nacht
vom 5. zum 6. März das Schiff festkam. (In 73° 57’ S-Br., 30° 34’ W-Lg.) In den
nächsten Tagen bis zum 8. März gelang es, noch einige Seemeilen weiter nördlich
zu kommen, dann mußte der Versuch aufgegeben werden, da das Eis überall
geschlossen war. Eine Kälteperiode verstärkte die Eisdecke, und bald erkannten
wir, daß das Schiff erst im nächsten Frühjahr Aussicht hatte, wieder freizu-
kommen. -: Es wurde demgemäß alles auf eine Trift des Schiffes im Eis der
Weddell-See vorbereitet, Die Lage des Schiffes war günstig. Es lag eingeschlossen
von Jungeis, das in der Umgebung von älterem Packeis durchsetzt war; Eisberge
waren nur in größerer Entfernung sichtbar, Gleich in den ersten Wochen erlitt
das Schiff einige Pressungen, die jedoch leichter Art waren. Von Mitte März an