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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1913.
Die große Zahl der verfügbaren Stromversetzungen verbot es in den
weitaus meisten Gegenden, auch nur annähernd alle Beobachtungen einzutragen,
Die zu treffende Auswahl mußte entsprechend der aus den Stromrosen ersicht-
lichen prozentischen Häufigkeit der Einzelrichtungen erfolgen, damit ein den
tatsächlichen Verhältnissen möglichst nahe kommendes Bild gesichert werde,
Für die Beigabe der fünf Nebenkarten in größerem Maßstab war wesentlich das
besondere Interesse, das die Schiffahrt an den dargestellten Seegebieten hat,
entscheidend. In den Gewässern von Kap Guardafui und Sokotra, bei den
Paracels und in der Formosastraße gehören schwere Strandungen infolge Strom-
versetzungen nicht zu den Seltenheiten. Auch die Gegenden des Agulhasstromes,
sein starkes Abschwenken nach Süden an der Ostkante der Agulhasbank, den
wesentlichen Unterschied in den Stromstärken über tiefem Wasser und auf
flachem Wasser, die Gegenströmungen ganz dicht unter der Südküste des Kap-
landes u. a. m. wird man den Detailkarten entnehmen, dabei aber immer die
Küstenhandbücher für die eigentliche Segelanweisung einsehen.
Übersicht über einige aus den Karten ersichtliche neue oder besonders
wichtige oder lehrreiche Stromverhältnisse (Auswahl).
Januar. Der vom NO-Monsun getriebene Nordäquatorialstrom weist auf
dem großen Dampferweg Pulo Weh— Ceylon— Golf von Aden in dem Golf von
Bengalen durchweg größere Versetzungen auf als im Arabischen Meer, wo er
auffallend schwach ist mit vielen Stromstillen. Der Äquatorialgegenstrom zeigt
zwischen rund 2° und 7° $S-Br. überall eine gute Entwicklung über die gesamte
Breite des Indischen Ozeans hinweg. Wir beachten auch .die ‚ebenfalls nach
Osten gerichteten Versetzungen unter den Südküsten von Java und den kleinen
Sunda-Inseln sowie endlich die hier zuerst deutlich herauskommenden, zweifellos
mit dem australischen NW-Monsun zusammenhängenden östlichen Strömungen in
den gesamten Gewässern nordwestlich von Australien; stellenweise, z. B, unter
20° S-Br., erstreckt sich ihr Gebiet weit nach Westen hin in den offenen Ozean hinein.
Februar. Der schon für Januar angegebene Unterschied in den Strom-
geschwindigkeiten auf der Strecke Sokotra — Ceylon — Atjeh zwischen dem
Arabischen Meer und dem Golf von Bengalen ist im Februar noch schärfer
ausgeprägt; er zeigt sich auch in der Anzahl der Stromstillen, die für die Route
Sokotra — Ceylon auf 28 bis 29%, (!) sich belaufen, für die Route Ceylon— Atjeh nur
8 bis 9% erreichen. Eine Erklärung für diesen durchgreifenden Geschwindigkeits-
unterschied erscheint um so schwieriger, als auch im nördlichen Sommer während
des SW-Monsuns, obwohl er im. Arabischen Meer stärker weht als im Golf von
Bengalen, die (dann ostwärts gerichteten) Versetzungen schwächer in der west-
lichen Hälfte des Ozeans zu sein pflegen als in seiner östlichen. — Die O-Ver-
setzungen in dem Dreieck zwischen der Südküste Javas und der Nordwestküste
Australiens kommen noch sehr deutlich zur Erscheinung. Im
März sind hiervon nur noch Spuren vorhanden. Sehr interessant erscheint
die Tatsache, daß schon im März an dem nördlichen Teile der Somaliküste die
ersten dem sommerlichen Regime der Wasserbewegungen entsprechenden Nord-
versetzungen auftreten bis nach Kap Guardafui hin, während sonst noch überall
die dem NO-Monsun entsprechenden SW- und W-Strömungen überwiegen. Diese
nördlichen Versetzungen zwischen 3° N-Br. und Ras Hafun erscheinen um so
auffallender, als Andeutungen von SW-Monsun aus den Windkarten (man vgl.
die Monatskarten des Indischen Ozeans, Hamburg 1908) nicht ersichtlich
sind. Der
April bringt für das Arabische Meer schon eine fast völlige, für den Golf
von Bengalen eine mäßige, für die Chinasee eine ganz geringfügige oder noch
kaum merkbare Umwandlung zu den sommerlichen Verhältnissen der Strömungen.
Auch diese Unterschiede im zeitlichen Eintritt der »Stromsaison« verdienen hohe
Beachtung. Im Arabischen Meer finden wir nur noch einige nach Süden ge-
drängte Reste der westlich gerichteten Aquatorialströmung, sonst herrscht bereits
der Oststrom des SW-Monsuns vor, wenn auch Variabeln und schwache Ver-