Kleinere Mitteilungen.
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Auf den Neufundlandbänken wurden von Januar bis Juni Eisschollen be-
obachtet, während Eisberge zuerst‘ im März erschienen. Ihre größte Anzahl
wurde im Juli mit 475 gemeldet.
Die Belle Isle-Straße wurde Mitte Mai längs der Küste offen, aber die
eigentliche Straße selbst wurde erst im Juli eisfrei. Eisberge gelangten bis Mitte
November zur Beobachtung.
In der Davis-Straße zeigte sich das erste Eis schon Mitte Dezember 1910
bei Kap Farewell, während die Hauptmasse des Eises erst Mitte Februar nach-
kam. Das Eis erschien also verhältnismäßig frühe, jedoch nicht in großen
Massen. Der Eisgürtel war während des Sommers recht schmal, und im April
dehnte er sich nur bis Frederikshaab aus. Schon im Mai jedoch verringerte
sich das Eis, und im Juli war die See eisfrei. Weiter nördlich erschien merk-
würdigerweise Westeis, das schon im Dezember 1910 sich Grönland näherte, wo
es von Egedesminde nach Norden zu den ganzen Winter durch legen blieb.
Selbst im Juni war es noch nahe der Küste zu sehen, und auch im Juli konnte
seine Kante noch hier und da beobachtet werden. Vielleicht haben die beträcht-
lichen Eismassen im westlichen Teile der Davis-Straße diese Verhältnisse hervor-
gerufen,
In der Baffin-Bay war das Eis während des ganzen Sommers schwierig
zu durchdringen, besonders in der Melville-Bay und bei Kap York. Da die
nördlichen Frühlingswinde, die gewöhnlich das Eis abtreiben lassen, nicht ein-
setzten, blieb das Eis sehr lange liegen, Die Hudson-Straße und -Bucht lagen
von Juli bis September der Schiffahrt offen. In der Straße selbst waren die
Eisverhältnisse normal. In der Bucht jedoch sehr günstig, da diese schon im
Juli und im August sogar die James-Bay eisfrei waren. |
In der Beaufort-See und der. Bering-Straße scheinen die Verhältnisse im
Mai und Juni normal gewesen zu sein, für die übrige Zeit sind die Nachrichten
zu ungenügend. A. C. Reichard.
7. Eintritt einer Temperaturumkehrung. Nur selten ergibt sich die
Gelegenheit, während eines Drachenaufstiegs zeitliche Veränderungen der
Temperatur, der Feuchtigkeit oder. des Windes mit Sicherheit von solchen
Änderungen dieser Elemente zu unterscheiden, die durch die Anderung der
Höhe bedingt sind. Bei schnell verlaufenden Aufstiegen müssen und dürfen wir
mit großer Wahrscheinlichkeit alle Änderungen im Meteorogramme dem Höhen-
wechsel zuschreiben und auf Unterschiede in der Temperatur‘ usw. der ver-
schiedenen Höhenschichten deuten. Noch seltener haben wir Gelegenheit, den
Eintritt und das Wachstum einer der merkwürdigen »Temperaturumkehrungen«
zu beobachten, bei denen statt der gewöhnlichen allgemeinen Abnahme der
Temperatur mit wachsender Höhe wärmere Luftschichten über kälteren angetroffen
werden.
Am 25, Oktober d. J. erstreckte sich ein Ausläufer des niedrigen Drucks,
der auf dem Ozean lag, nach Westdeutschland. Ein schwach ausgebildetes Teil-
minimum in dieser Rinne lag um 8% V zwischen Metz und Frankfurt a. M., um
8h N zwischen Aachen und Hannover. Von Siebenbürgen bis nach Island
herrschten Winde aus O und OSO, so daß Lindenberg und Hamburg in derselben
Luftströmung lagen. Eine niedrige Wolkendecke bedeckte ganz Norddeutschland,
und die Lufttemperatur am Erdboden schwankte in Hamburg von 9% V bis
4h N nur zwischen 5.0° und 45°. Vor- und nachher war eine deutlichere
allmähliche Abkühlung von +8° am Nachmittag des 24., auf 2° am Morgen
des 26. zu bemerken.
Während die Temperatur am Boden unverändert blieb, nahm sie in Hamburg
300 bis 1000 m über dem Boden während des 25. zu, so daß sich die Ent-
wickelung einer mäßigen Temperaturinversion deutlich an den Drachenaufstiegen
verfolgen läßt. In Lindenberg, wo die Inversion bereits am Morgen weit stärker
war, nahm sie zwar auch zum Nachmittag zu, jedoch in anderer Weise, indem
oberhalb und unterhalb derselben das Temperaturgefälle wuchs.