Reinicke, G.: Eis und Schiffahrt in den Häfen des Schwarzen Meeres,
91
könnten, und am 21, I. meldete Feodosia, daß die Postdampfer Eises wegen mit
Verspätungen einträfen. Kertsch ist dann am 27, I, zwar schon wieder eisfrei
geworden, aber auf dem Asowschen Meere ist die Eisdecke erst am 8, III. auf-
gebrochen; am 17. III. in Rostow am Don und am 23, IL ist die Schiffahrt dort
wieder eröffnet worden. Die Eisbrecher waren schon am 14. III. bis Mariupol
vorgedrungen,
Auf dem Bug und dem Dnjepr haben die Eisbrecher ihre Tätigkeit am
18. XIL begonnen. An diesem Tage lagen in Cherson noch drei Dampfer in
Ladung, die am 1. I. von den Eisbrechern ausgebracht wurden. Deren Dienste,
namentlich die des »Haidamak«, des stärksten, wurden aber in der nächsten Zeit
von den russischen Postdampfern so in Anspruch genommen, daß den in Nikolajew
zum Ausgehen bereiten Frachtdampfern nicht genügend Hilfe geleistet werden
konnte und, die Eisbrecher aus dem Asowschen Meere sehr zur rechten Zeit,
wenn nicht schon zu spät kamen. Am 25. 1I. wurde von Eupatoria gemeldet, die
Schiffahrt sei dort durch strenges Frostwetter ganz unterbrochen und am 27,
von Nikolajew, eine feste Eisdecke reiche von dort bis nach Odessa, durch die
indessen ausgehende Frachtdampfer von den Eisbrechern bis zur Insel Beresan
gebracht würden, Die Meldungen lassen aber erkennen, daß es dabei nicht ohne
Eisschäden, namentlich auch Kollisionen der Schiffe untereinander im Eise nicht
abgegangen ist. »Haidamak« selbst wurde beschädigt und mußte am 2. IL in
Reparatur gehen. Dazu schoben am 12. II starke Südwinde das Eis vor der
Mündung bei Otschakow so zusammen, daß .die anderen Eisbrecher darin stecken
blieben und erst am 23. II, ihre Tätigkeit wieder aufnehmen konnten, Aus den
Meldungen ist aber nicht zu ersehen, daß dann gleich Frachtdampfer durch-
gekommen sind; im Gegenteil, es wurde am 29. II. gemeldet, bei Kinburn seien
schwere Eismassen zusammengeschoben und der Odessaer Eisbrecher sei von da
aus zu Hilfe gekommen, Anfang März waren die Eisbrecher selbst noch in
Schwierigkeiten und erst am 6. IN. wurde die Einfahrt frei; das Eis auf dem
oberen Dnjepr war aber noch fest. Mit der Meldung vom 9. III.: »Eisverhältnisse
bedeutend günstiger«, schließen die Nachrichten aus jenem Gebiet.
Odessa begann am 23, XII. zu melden, aber nicht von sich selbst, sondern
es schickte, vielleicht absichtlich, übertriebene Eismeldungen aus anderen Ge-
bieten. Die Dnjepr-Mündung konnte am 26. XII. noch befahren werden, und in
Odessa wurden die Verhältnisse erst Mitte Januar 1912 schwierig. Am 19. L
war auf der Reede noch durchzukommen, an die Kais im Hafen konnte aber
nicht mehr herangelegt werden, Als dann aber am 22, I: Nordwestwind ein-
setzte, brach er das Eis auf und trieb es ab. Am 27. I. war alles Eis von der
Küste ab- und aus dem Quarantänehafen hinausgetrieben, und der Verkehr mit
der Außenreede ging ohne Eisbrecher vonstatten, so daß dieser vor der Dnjepr-
Mündung Hilfe leisten konnte. Am 17. II. belegte sich die Bucht von Odessa
noch einmal mit einer festen Eisdecke, die zwar durch Nordostwind vertrieben
wurde, von der aber doch so viel in den Häfen zurückblieb, daß diese erst etwas
freier wurden, als am 28, II. ein WNW-Wind die Reede frei machte. Die letzte
Meldung von Odessa, vom 2. III. lautete: »Der Frost hält an, die Schiffe werden
langsam beladen; schlechte Preise«.
Die Donau fror bei Galatz und Ismail am 15, und 16. I. fest zu, und am
6. II. hatte sie von Rustschuk bis Sulina eine feste Eisdecke, Wieder offen kam
sie am 13. II. von Sulina bis Tultscha, doch wurden die Eisverhältnisse noch
einmal schwieriger. Braila meldete erst am 24, II, daß die Schiffahrt für alle
Schiffe offen sei, und in Ismail wurde die Eisdecke erst am 29. gebrochen und
abgetrieben.