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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1913. 
Konstruktion der Sinuskurven der Teiltiden und deren dann folgende graphische 
Zusammensetzung, sondern bekommt mit großer Genauigkeit rechnerisch nach 
Tabellen sofort die resultierende Welle. Zeitlich stehen die beiden Methoden 
ungefähr im Verhältnis wie 3:1, 
Fig. 2. 
5% 8b Ah 35h Gh Tb 8M Oh 10h 11h 19 18 Jah 13% iGh 17h 18h 1b 20h 2ib 994 93h ap 
N 
= beobachtete Kurs 
an 
hapnrırt Ku 
Flutkurve von Ragusa 5.Juli 904 
Maßstab 1:8 
Der Verlauf der Gezeiten der Adria.) 
Die Adria zerfällt hinsichtlich der Gezeiten in zwei durchaus verschiedene 
Teile, welche durch die Monte Gargano— Pelagosa - Schwelle voneinander ge- 
trennt sind. Der südliche Teil ist bedeutend tiefer abgesunken als der nördliche, 
Die Gezeiten dieses Teiles scheinen mit dem Mittelländischen Meer in Zusammen- 
hang zu stehen, Möglicherweise entsteht auch in dieser großen Tiefe eine 
eigene Flutwelle, 
Diese Flutwelle des Südens pflanzt sich in den nördlichen Teil fort, in 
dem unser Beobachtungsfeld liegt. Ragusa liegt ungefähr an der Grenze der 
beiden Teile, 
Zuerst glaubte R. v. Sterneck, daß die vom südlichen Teil ausgehende 
Welle sich gleichmäßig im nördlichen Teil fortpflanzte. Hierfür sprachen die 
Hafenzeiten der dalmatinischen und italienischen Küste von Venedig bis Ancona. 
Ancona sollte eine Hafenzeit von 9.54% haben, Bei einer näheren Untersuchung 
fand R. v. Sterneck diese jedoch zu 11%. Zwischen Ancona und dem Monte 
Gargano lagen bis dahin gar keine Hafenzeitbeobachtungen vor. Da fand 
B. v. Sterneck, daß der Ort Ortona, südlich von Ancona, eine Hafenzeit von 
25h hatte. Zwischen Ancona und Ortona mußte also eine Zone mit der Hafen- 
zeit null liegen. Diese Entdeckung änderte die ganze Sachlage. Jetzt glaubte 
Sterneck, daß die Welle an der dalmatinischen Küste nach Norden wandert 
und hier zurückgeworfen wird. Sie pflanzt sich dann an der italienischen 
Küste gegen Süden bis zum Monte Gargano fort, um hier wieder gegen die 
dalmatinische Küste umgewendet zu werden. In 12, 24 Stunden vollendet die Welle 
diesen Kreislauf. Wir haben also nach R, v. Sterneck in der nördlichen Adria 
eine ausgesprochene Amphidromie, deren Ursache Sterneck in der Interferenz 
zweier stehenden Schwingungen mit einem Phasenunterschied von zwei Stunden 
sucht, Der Drehpunkt der Amphidromie dürfte auf der Höhe von Ancona liegen. 
Eine Bestätigung der Amphidromie würde sich wohl aus einer Karte er- 
geben, die den Verlauf der Stundenlinien der Teiltiden K, und M, zeigen würde. 
Dies läßt sich aber aus den bis jetzt vorhandenen Berechnungen der harmonischen 
Konstanten von vier Orten noch nicht bewerkstelligen. Es liegen jedoch noch die 
stündlichen Flutbeobachtungen von Rogoznica, Sestrice, Zara, Zeng, Fiume und 
Triest vor, welche noch der Ablesung und harmonischen Analyse harren, 
Vielleicht lassen sich auch noch solche von Venedig verschaffen.”) Vor allem 
‘') Robert v. Sterneck, Mitteilungen des Militär-Geographischen Instituts. Bd. 23 und 24. 
) Stündliche Pegelwerte sind für Venedig angegeben, (D. Red.)
	        
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