Eylert, Th.: Die Oberflächentemperaturen im südl, Atlantischen u. im südöstl. Stillen Ozean usw. 83
Strömung an eine Stelle verpflanzt wird, die in einer relativ kälteren
Zone liegt. Zur Überwärmung des natürlichen Maximums dieser Stelle, das in
erster Linie der Sonnenhöhe folgt, und für das das Wasser im Ursprungsgebiet
ebenfalls bereits beträchtlich vorgewärmt ist, wird das maximale Strömungswasser
nur noch wenig beitragen können, da es sich auf seinem Wege zur kälteren
Zone um so schneller abkühlen muß, weil die Zeit des Solstitiums inzwischen
verstrichen ist. Eine Verzögerung des Maximums ist daher im allgemeinen
unwahrscheinlich. Dagegen wird das Maximum sogar früher eintreten
können, wenn das an der Untersuchungsstelle ankommende Strömungswasser
bereits so vorgewärmt ist, daß das für die betreffende Breite charakteristische
Maximum dadurch bereits überschritten wird. Ubrigens wird der Eintritt des
Maximums viel mehr von atmosphärischen Zufälligkeiten abhängig sein als der
Eintritt des Minimums.
Die Minimaltemperatur wird aber zweifellos durch eine warme Strömung
erhöht, und es muß eine Verzögerung des Minimums eintreten, weil sich das
Wasser nur langsam abkühlt, und die Bedingungen für die Erreichung des Minimums
am besten erfüllt sind, wenn das mit seiner Minimaltemperatur behaftete
Strömungswasser an der Untersuchungsstelle angelangt ist.
Für eine Stelle, die im Bereich einer kalten Strömung liegt, verhält sich
die Sache folgendermaßen: Das mit der Maximaltemperatur behaftete Strömungswasser
ist im Ursprungsgebiet kälter als zur selben Zeit dasjenige an der Untersuchungsstelle.
Wenn nun auch das Strömungswasser auf seinem Wege zur
Untersuchungsstelle langsam erwärmt wird, so kann von einer Verzögerung des
Maximums im allgemeinen keine Rede sein, zumal da inzwischen die Sonnenhöhe
wieder im Abnehmen begriffen ist. Das Minimum kann jedoch verfrüht eintreten,
wenn das Strömungswasser bereits in dem kälteren Ursprungsgebiet diejenige
Temperatur angenommen hat, auf die es beim tiefsten Sonnenstande in der
wärmeren Zone abgekühlt werden könnte. N
In einer warmen Strömung ist also nach dieser Überlegung im
allgemeinen zu erwarten, daß das Minimum verspätet eintritt, während
sich das Maximum sogar verfrüht einstellen kann. In einer
kalten Strömung kann dagegen das Minimum verfrüht erreicht
werden, während dem rechtzeitigen Eintritt des Maximums nichts im
Wege steht.
Wenn Engeler in der Benguela-Strömung für die niederen Breiten, und zwar
nur für diese, eine außerordentlich beträchtliche Verschiebung des Maximums vom
Februar über den März hinaus bis zum April feststellt und sie dem Erguß
kalter Wassermassen in die Strömung zuschreibt,') so hat er übersehen, daß
vom Wendekreis zum Aquator stets zweimal im Jahre der Zenitstand der Sonne
eintritt, die zeitlich symmetrisch zum Solstitium liegen und um so mehr voneinander
rücken, je näher man dem Aquator kommt. Der zweite Zenitstand
wird aber offenbar für die Erreichung des Maximums maßgebend sein, und die
Ausbildung des voraufgehenden sekundären Minimums ist auf dem Wasser um
so weniger leicht möglich, weil in der Nähe des Aquators die Höhenschwankung
der. Sonne nur gering ist, und der Temperaturgang in der Aquatorialströmung
durch Wind und Wolken verwischt wird. > ;
Ungefähr bei unserer Untersuchungsstelle in 45° Br. auf dem Meridian
80°. W-Lg. spaltet sich die Westwindtrift nach Norden und Süden. Hier dürfte
also, weil keine Störungsfaktoren auftreten, die normale Amplitude Februar —
August ziemlich der Jahresamplitude gleichkommen, Unserer nördlichen Stelle
in 35° Br. wird aber. durch den- kalten Perustrom kaltes Wasser zugeführt,
so daß die an sich größere Jahresamplitude durch die zeitliche Verschiebung des
Minimums für unsere Kurve wieder verkleinert erscheint, und nur ein ganz
geringer Unterschied von + 0.1° gegen die Amplitude in 45° Br. zu erkennen ist.
Der südlichen Stelle in 55° Br. strömt relativ warmes Wasser zu. Des-))
E. Engeler: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung.
Dissertation, Münster 1910. »Ann, d. Hydr. usw.« 1910.