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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1912, 
IV. Verfolg der Temperaturschwankungen an bestimmten Stellen. 
Um die Temperaturschwankungen und Anomalien rechnerisch verfolgen 
und graphisch darstellen zu können, wurden für bestimmte Stellen der Meeres- 
oberfläche die aus unserem Beobachtungsmaterial sich ergebenden Temperaturen 
berechnet, Die entsprechenden Normalwerte für diese Stellen wurden aus den 
[sothermenkarten des Atlas für den Atlantischen Ozean interpoliert. Um 
Ungenauigkeiten möglichst zu vermeiden, wurde Rücksicht darauf genommen, 
daß für die zu untersuchenden Stellen in jedem Monat hinreichend Beobachtungen 
vorlagen oder doch wenigstens in nächster Nähe zuverlässige Werte aus dem 
Beobachtungsmaterial zu gewinnen waren, aus dehen dann durch Interpolation 
die Werte für unsere Stellen abgeleitet werden konnten. 
Im Westen des südamerikanischen Festlandes schien es daher nötig, die 
Punkte auf dem 80. Meridian anzunehmen, weil sich hier die nord - südlichen 
Schiffahrtslinien einigermaßen diesem Meridian anschmiegen. Damit nun im 
nördlichen, mittleren und südlichen Teile unseres Gebietes in gleicher Verteilung 
eine Untersuchung angestellt würde, war passend der 35., 45. und 55. Parallel- 
kreis zu wählen, der erstere außerdem deshalb, weil er etwa die Breite von 
Buenos Aires und Valparaiso bedeutet, der letztere, weil er die Südgrenze des 
amerikanischen Kontinents angibt, und der mittlere, weil hier im Westen die 
normale 10°-Isotherme um den 45, Parallelkreis im Laufe des Jahres sich etwa 
um je 5° nördlich und südlich verschiebt. 
Im Osten des Kontinents konnten zweckmäßig dieselben Parallelkreise 
gewählt werden, Wenn aber die Untersuchungen denselben Genauigkeitswert 
beanspruchen sollten, so durften hier die verschiedenen Punkte nicht auf einem 
und demselben Meridian angenommen werden, weil die Schiffahrtslinien hier die 
Meridiane in schräger Richtung schneiden. Aus Tafel 3 geht hervor, daß die 
Schiffe den 35. Parallelkreis etwa unter 50° westlicher Länge, den 45. und 55. 
dagegen in der Nähe des 60. Meridians schneiden, 
Im Süden wurde sodann für diese Untersuchung der Schnittpunkt des 
70. Meridians mit 57° Breite genommen, für den die örtliche Verteilung der 
Beobachtungen in allen Monaten günstig war, Obwohl nun für 59° Breite teil- 
weise nur recht spärliche Beobachtungen vorlagen, wurde schlieBlich noch ver- 
sucht, auch für den Schnittpunkt dieses Breitenkreises mit dem 70. Meridian die 
Schwankungsverhältnisse zahlenmäßig festzustellen. 
Der normale Temperaturgang ist in den folgenden Figuren durch ge- 
strichelte Kurven dargestellt. Die Jahresamplitude nimmt von 30° S, an sowohl 
zu den Polen wie auch zum Äquator hin ab. Auf dem Meridian 80° W-Lg. be- 
trägt die normale Amplitude Februar-— August beispielsweise unter 35° Br. 4,9°, 
unter 45° Br. noch 4.,8°, aber unter 55° Br. nur noch 2,5°, Das ist zunächst 
bedingt durch die verschiedene jährliche Änderung der Sonnenhöhe und durch 
mancherlei klimatische Faktoren, durch Windgeschwindigkeit, Wolkenbedeckung 
und Niederschläge, wie sie für die einzelnen Breiten jeweils charakteristisch sind.!) 
Der große Unterschied der Amplitude in unseren Kurven hat aber noch ganz 
besondere Ursachen. Da auch später darauf Bezug genommen werden soll, sei 
hier folgendes festgestellt: ” 
Der durch den Sonnenstand einer bestimmten Breite bedingte Temperatur- 
gang wird durch meridionale Meeresströmungen verändert. Wenngleich darüber 
a priori nicht leicht etwas Genaues ausgesagt werden kann, und in jedem ein- 
zeinen Falle der Temperaturgradient sowie die Strömungsgeschwindigkeit in 
Betracht gezogen werden müssen, dürfte doch, besonders für weniger ausgedehnte 
Gebiete im allgemeinen der Grundsatz aufgestellt werden können, daß zwar die 
Durchschnittswärme und der zeitliche Eintritt des Maximums und Minimums, 
nicht aber so sehr die Höhe der Maximal- und Minimaltemperatur durch das 
strömende Wasser noch außerdem verändert wird. Betrachten wir z. B. eine 
Wassermenge, die, mit ihrer Maximaltemperatur behaftet, durch eine warme 
4) Vgl. Schott: Die jährlichen Temperaturschwankungen des Ozeanwassers, Pet, Mitteil. 
995. 8 152.
	        
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