Eylert, Th.: Die Oberflächentemperaturen im südl. Atlantischen u, im südöstl, Stillen Ozean usw. 81
August 1903. Im letzten Monat unseres Zeitraumes haben wir im süd-
lichen Atlantischen Ozean ziemlich normale Temperaturen. Im Mischungsgebiete
werden die kleinen Flächen, die über 2° zu warm sind, von ebenso großen be-
nachbarten Gebieten gleichgroßer negativer Abweichung ausgeglichen. Die
Isothermen zeigen sonst überall nur geringe Verschiebung gegen ihre normale
Lage. Der Östliche Teil unseres Gebietes, soweit für ihn die Temperaturen fest-
gestellt werden konnten, erscheint zu warm, und entsprechend ist jetzt auch im
Westen des Indischen Ozeans eine positive Abweichung festzustellen.
Die Betrachtung der Isothermen und Isametralen ergibt demnach in
großen Zügen folgende Verhältnisse: Der Frühlingsmonat November 1901
zeigt nur im Mischungsgebiet beträchtliche negative Anomalien
und ist im ganzen als normal anzusehen. Im Sommer 1902 nimmt
dann fast der gesamte südliche Atlantische und südöstliche Stille
Ozean ungewöhnlich hohe Oberflächentemperaturen an; die sich aber
sehr bald, im Westen beginnend, in negative Anomalien verwandeln
und nach stetiger Steigerung im November 1902 ihren größten Wert
erreichen, Im Februar 1903 hat sodann von Westen her eine Auf-
wärmung des Wassers eingesetzt, das im August 1903 wieder ziemlich
normale Temperaturen aufweist.
Ein Vergleich der entsprechenden Monate beider Jahre unseres Zeitraumes
Jäßt diese Verhältnisse ebenfalls deutlich hervortreten. In den vier unteren Karten
auf Tafel 5 sind die Abweichungen in den Monaten des zweiten Jahres von den
Temperaturen in den entsprechenden Monaten des vorhergehenden Jahres fest-
gestellt. .
Die erste dieser Karten zeigt, daß von den beiden Frühlingsmonaten
November 1901 und 1902 der letztere entschieden der kältere gewesen ist. Ein
Vergleich der beiden Isothermenkarten läßt erkennen, daß die negativen Ab-
weichungen gegen 1901 teilweise sehr beträchtlich sind, während die positiven
überall gering bleiben. Die 12°-Isothermen decken sich z. B. in dem zu warm
erscheinenden Gebiete vom 50. Meridian nach Osten hin in beiden Monaten ganz
genau, Das Mischungsgebiet zeigt freilich einige warme Stellen.
Gemäß der zweiten Karte ist der Sommermonat Februar im Jahre 1903 ganz
beträchtlich kälter gewesen als im vorhergehenden Jahre. Nur im äußersten
Westen unseres Gebietes war es umgekehrt im Februar 1902 wesentlich kälter
als im gleichen Monat 1903. Das dürfte jedoch leicht erklärlich sein, wenn in
Übereinstimmung mit den bereits gewonnenen Ergebnissen angenommen wird, daß
die Veränderungen der Temperatur im Westen unseres Gebietes einzusetzen pflegen,
und im Februar 1902 eine absteigende, im Februar 1903 dagegen eine aufstei-
gende Tendenz des Temperaturganges geherrscht hat.
Auch im Mai 1903 ist nach der dritten Karte das ganze Gebiet im Osten
des südamerikanischen Kontinents viel kälter gewesen als im Mai 1902. Dagegen
war der westliche Teil unseres Gebietes wiederum im Mai des vorhergehenden
Jahres teilweise ganz bedeutend kälter als im Jahre 1903. .
In der vierten Karte tritt klar hervor, daß der Wintermonat August des
Jahres 1902 mit Ausnahme eines geringen nördlichen Gebietes überall kälter ge-
wesen ist als der Monat August 1903. Die Isothermen zeigen überall einen recht
gut übereinstimmenden Verlauf, aber sie sind in den für 1903 zu warm er-
scheinenden Gebieten in diesem Jahre teilweise beträchtlich nach Süden verschoben,
während das Gebiet, das in der vierten Karte zu kalt erscheint, doch annähernd
dieselben Verhältnisse zeigt wie im vorhergehenden Jahre. Dort decken sich
nämlich die 10°-, die 12° und besonders die 14°- und die 16°-Isothermen fast
vollkommen.
Ann. d. Hydr., usw. 1912, Heft II.