78 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1912,
beobachtungen vor. Für das südliche Gebiet um Kap Horn stellen sich diese
Verhältnisse folgendermaßen: November liefert 65°, Mai 56°%, und Februar 35°,
der Augustbeobachtungen,
III. Die Isothermen und Isametralen,.
a. Ihre Ermittlung.
Bei der Bewertung des Beobachtungsmaterials muß zunächst besonders
beachtet werden, daß für das Gebiet an der Ostküste des südamerikanischen
Kontinents die Verhältnisse für unsere Untersuchungen ganz außergewöhnlich
ungünstig liegen. Dieses Gebiet, das ich kurz das Mischungsgebiet nennen
möchte, in dem auch die normalen Isothermen als sehr unregelmäßige Wellen-
linien verlaufen, erstreckt sich vom Festlande bis etwa 50° W-Lg. und nimmt die
ganze Breite von der La Plata-Mündung bis zu den Falkland-Inseln ein, also von
35° bis etwa 50° Br. Der kalte Falklandstrom mischt sich dort mit dem warmen,
von Norden kommenden Brasilstrom, und gerade hier ergießt der La Plata in
breiter Schlauchmündung sein Wasser ins Meer und wirkt auf die Temperatur
und das spezifische Gewicht des Meerwassers in unkontrollierbarer Weise ein.
Zu alledem schieben Ebbe und Flut in mächtiger Welle hier immerfort die
Wassermassen durcheinander, So sehr dieser Umstand zum Ausgleich günstig
ins Gewicht fällt, wenn die Untersuchung auf größere Zeiträume ausgedehnt
wird, so störend kann er für die Einzelbeobachtung wirken,
In der Tat sind besonders in diesem Mischungsgebiet bei den vorliegenden
Einzelbeobachtungen plötzliche Sprünge bis zu 10° gar nicht sehr selten. Es ist
dies nur eine Bestätigung einer längst bekannten Tatsache, denn auch im Segelhand-
buch für den Atlantischen Ozean wird eine Zusammenstellung solcher Temperatur-
sprünge mitgeteilt, bei der die Differenz ebenfalls den Wert 10° erreicht.!) Und
selbst die Mittelwerte, die die Anhaltspunkte für die Isothermen lieferten, zeigen
gelegentlich gegen die Tagesmittel, aus denen sie gewonnen wurden, eine Differenz
bis zu 3°, in einzelnen Fällen eine noch höhere. Die für einen Mittelwert ver-
wendeten Tagesmittel haben untereinander nicht selten eine Differenz bis zu 5°,
bisweilen ist der Unterschied noch beträchtlich größer, Im August 1903 wurde
z. B. für das Zweigradfeld: Breite 38° bis 40°, Länge 52° bis 54° der Mittelwert
11.5° gefunden. Die Tabelle 2 läßt im einzelnen verfolgen, wie dieser Wert zu-
stande gyekommen ist.
Tabelle 2. Breite 38° bis 40°: Länge 52° bis 54°. (Mittel aus den Tagesmitteln == 11,5° €.)
Datum
903
August 4
A j
23
25
31
/
Einzelbeobachtuneg
16.9
7.5
9.5
i7:
17.0 4
155‘ 141
1179
61
6°
392
-
6 8.0
3.” 64
7 80
157
ae
15.3 14,9
Li] 6
156
Größte Diff.
der Einzel-
seobachtung
9,3
2,7
3.1
9.6
9.9 I
14
Tages-
mittel
3.9
7.6
8.6
15.0
12,5
15
Größte Diff
der Einzel-
beob. gegen
Tacesmittel
‚+70 —23
L15—1.2
+12 —1,91
3.1 — 65°
+49 — 5.01
L04 —1.01
Diff. gegen den
Mittelwert 11.5
der Tagesmittel
— 1.6
—39
—29
+35
1.0
+38
Größte Differenz der Tagesmittel — 7.5.
Obwohl die Differenzen unter den Einzelbeobachtungen in dieser Tabelle
mehrfach sehr beträchtlich sind, liefert die Summe der größten positiven Ab-
weichungen der Einzelbeobachtungen von den Tagesmitteln gegen die ent-
sprechende negative Summe einen Überschuß von nur + 0.2°. Große positive
Abweichungen der Temperatur vom täglichen Mittelwert werden also, im ganzen
yenommen, durch ebenso große negative Abweichungen einigermaßen ausgeglichen.
Vgl. Segelhandbuch £, d. Atlantischen Ozean, 1. Aufl, S. 31. Siehe ebenfalls 3, Aufl, ©. 385