Eylert, Th.: Die Oberflächentemperaturen im südl. Atlantischen u. im südöstl. Stillen Ozean usw. 75
denen daher eine Kontrolle der hydrographischen Elemente nicht leicht aus-
geführt werden kann. Und sie sind für die südlichen Ozeane um so wünschens-
werter geworden, je mehr in den letzten Jahren das Forschungsinteresse für die
Antarktis gewachsen ist.
Für den Zeitraum, den Lütgens gewählt hat, war der Umstand maß-
gebend, daß in jenen Jahren teilweise gleichzeitig sich vier Expeditionen in der
Antarktis befanden, denen. von 1904 bis 1905 die französische Expedition unter
Jean Baptiste Charcot folgte. Die »Scotia«-Expedition unter William
Bruce drang in unbetretene Teile des Weddellmeeres vor und überwinterte
auf Süd-Orkney, 61° Br., 45° W-Lg. — Die »Antarktic«-Expedition unter Otto
Nordenskjöld befand sich an der Ostseite der Westantarktis auf Snow Hill,
641/,° Br., 57° W-Lg. — Die »Gauß«-Expedition unter Erich von Drygalski
erforschte das umstrittene Gebiet südlich von Kerguelen. Die Winterstation
am Gaußberg lag unter 66° Br., 90° O-Lg. Eine Zweigstation war auf Kerguelen,
49° Br., 70° O-Lg. — Die »Discovery«-Expedition unter Robert Scott suchte
das Vietoria-Land auf und überwinterte auf der Roß-Insel, 78° Br., 167° O-Lg.
Das wichtigste Ergebnis dieser Expeditionen, gleichzeitig das wertvollste
Ziel der Südpolarforschung, ist die Kenntnis des eigenartigen antarktischen
Klimas. Über dem eisigen Kontinent lastet ein ausgedehntes Hochdruckgebiet ;
die südöstlichen Winde am Saume des Festlandes haben gewaltige, sehr häufige
und gleichartige Schneestürme im Gefolge. Und in etwas niederen Breiten
grenzt an dieses Gebiet, durch einen schmalen Strich von Windstillen und
tiefstem Luftdruck getrennt, die Westwindzone, eine ausgedehnte Wasserfläche
mit allen Faktoren eines Seeklimas, So stehen gerade in den interessanten
Gebieten, in denen sich die Expeditionen befanden, die entgegengesetzten
Elemente in beständigem, heftigem Kampfe, und die Unregelmäßigkeit im
Wechsel der Temperatur, in Stärke und Richtung der Winde ist geradezu bei-
spiellos. Andererseits kann aber doch das antarktische Klima im ganzen in
verschiedenen Jahren ganz verschiedenen Charakter zeigen. So war beispiels-
weise der Zeitraum von August 1902 bis Mai 1903 im gesamten Gebiet der
Antarktis abnorm kalt.)
Diese Verhältnisse mußten sich in irgend einer Weise in den Meeres-
temperaturen niederer Breiten verfolgen lassen, und es schien die Hoffnung
berechtigt, die Forschungsergebnisse der Expeditionen in dieser Hinsicht stützen
und weitere Schlüsse aus den Klimaschwankungen der Antarktis ermöglichen zu
können. In der Tat hat Lütgens für jenen Zeitraum eine negative Anomalie
der Oberflächentemperaturen im südwestlichen Teile des Indischen Ozeans nach-
gewiesen.
Eine ähnliche Aufgabe stellt sich nun diese Arbeit für den südlichen
Atlantischen und den südöstlichen Stillen Ozean, Damit die Untersuchungen
von Lütgens zweckmäßig fortgeführt und ergänzt würden, schien eine äußere
Anlehnung geboten. Es wurde deshalb gleichfalls die Zeit der internationalen
Südpolarforschung. gewählt, und zwar von November 1901 bis August 1903.
Die nördliche Grenze des untersuchten ‚Gebietes ist der 30. Breitenkreis,
während südlich die Schiffahrtsgrenze bei etwa 60° Br. den Untersuchungen ein
Ziel setzte. Soweit jedoch meteorologische Beobachtungen mit herangezogen
werden konnten, boten für die südlichen Breiten die Forschungsergebnisse der
schottischen und schwedischen Expeditionen wertvolle Stützpunkte. — Von Ost
nach West erstreckt sich das Gebiet vom Null-Meridian bis 100° westl. Länge.
II. Das Beobachtungsmaterial.
Das Material, auf das sich diese Arbeit stützt, besteht in den Aufzeich-
nungen der deutschen Schiffe, die in den betreffenden Monaten sich in unserem
Untersuchungsgebiet befunden haben. Diese sind vom Bureau der Deutschen
‘) Vgl. L. Mecking: »Der «heutige Stand der Geographie der Antarktis«, Geogr, Zeitschr.
‚Q08 <& 499