Barkow, E.: Vorläufiger Bericht üb. die meteorol, Beobacht. der Deutschen Antarkt, Expedition usw. 71
höher .ist und die Winde. immer eine‘ polare. Komponente in diesen Regionen
haben, so lassen sich die Feuchtigkeitsminima nur durch die Annahme ab-
steigender Luftströmungen erklären. Damit ist ein weiterer Beweis erbracht,
daß die Passate wenigstens zum Teil von absteigenden Luftmassen gespeist werden.
Die Minima der Feuchtigkeit im NO-Passat ergeben sich zu 67°,
im SO-Passat zu 64%. In höheren Breiten dagegen geht die Feuchtigkeit
noch weiter herab. Zum Beispiel wurde zweimal 48 °%, beobachtet und das
Tagesmittel des 29. August 1911 ist bloß 54.7 °%,. Auch auf der nördlichen
Hemisphäre ergibt sich am 25. Mai ein Tagesmittel von bloß 61.3 °%, und ein
Minimum von 57 %.
Der tägliche Gang der Temperatur hat ein Maximum im Mittel an-
scheinend zwischen Mittag und 4 Uhr nachmittags, und zwar näher an 4N.
In der Tropenzone von 25° N-Br. bis 25° S-Br. fällt das Tagesmaximum auf
Mittag; in den höheren Breiten dagegen ausnahmslos auf 4 N; das Minimum
fällt am häufigsten auf 4 V, doch auch manchmal auf Mitternacht oder 8 V,
Das Maximum des Dampfdrucks dürfte in der Regel auf die ersten Nach-
mittagsstunden fallen; das Minimum auf die ersten Morgenstunden; also über-
einstimmend mit dem Gang der Temperatur.
Die relative Feuchtigkeit zeigt in der Regel ein Minimum in den Nach-
mittagsstunden und ein Maximum in den Nachtstunden. Eigentümlicherweise
kehrt sich jedoch das” Verhalten auf der südlichen Halbkugel um; die Minima
fallen fast alle auf 4 V und die Maxima auf den Nachmittag; den Grund hier-
für vermag ich nicht anzugeben. Aus den von Brennecke verarbeiteten
Messungen ergibt sich jedenfalls nichts dergleichen.
Man sollte erwarten, daß auf dem freien Ozean die Feuchtigkeit : voll-
kommen gleichmäßig wäre, abgesehen etwa von Schwankungen: bei Nieder-
schlägen. Dies ‚ist jedoch nicht der Fall; vielmehr zeigt der Hygrograph viel-
fach starke kurzperiodische Schwankungen der Feuchtigkeit von zeitweise über
10% an, ohne daß ein sichtbarer Grund vorliegt. Diese Erscheinung scheint
lokalisiert zu sein auf den freien Ozean in der Passatgegend. Figur 2 gibt
ein typisches Beispiel dafür. (Maßstab.etwas verkleinert).
Fig. 2. ;
Schnelle Fenchtigkeitsschwankungen,
23, Juni 4N 6N 8N 10N N 2V
YO mm — =
24. Juni 1911.
DZ
0
FD
2
k
|
700
Ähnliche Schwankungen treten auf dem Lande in den heißesten Tages-
stunden bei Sonnenschein auf, und werden dort vertikalen Luftströmungen zu-
veschrieben. In den Passaten jedoch sind die Schwankungen nicht auf die
Tagesstunden beschränkt, sondern kommen ebensogut in der Nacht vor, wie
die Figur zeigt. Die Erklärung dürfte auch hier in dem vertikalen Luftaustausch
zu suchen sein. Daß starke vertikale Luftbewegungen vorkommen, zeigt schon
die Form der Wolken, die ganz typische fr-cu darstellen, so wie sie auf dem
Lande bei stark böigem Wetter aufzutreten pflegen,
Diese Schwankungen der relativen Feuchtigkeit sind nicht ein Schiffs-
einfluß, wie man zunächst denken könnte, sondern reell,-wie Vergleichsmessungen
mit dem Aspirationspsychrometer zeigen. Die Ablesungen wurden alle zehn
Sekunden gemacht und in.der Regel zehn Minuten lang durchgeführt. So
schwankte z. B. die Temperatur am 23. Juli 7#N nur um 0°, während. das
feuchte Thermometer um 1.3° variiert und entsprechend der Dampfdruck um
1,7 mm und die relative Feuchtigkeit um 8%. Daher können die Feuchtigkeits-
änderungen nicht als durch Temperaturänderungen hervorgerufen gelten, Aus
dem gesammelten Material dürfte später. sich noch ein genauerer Einblick in
die Natur dieser Erscheinung gewinnen lassen: