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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1912.
1, Gebiet östlich der Weichsel, 2. Gebiet zwischen Weichsel und Oder, 3. Gebiet des Stettiner
Haffs und Vorpommern, 4. Gebiet von Mecklenburg, Lübeck und Eutin, 5. Gebiet von Schleswig-
Holstein, 6. Gebiet westlich der Elbe.
Bei jeder Gruppe ist in drei Abschnitten die Gebiets- und Flußbeschreibung sowie Darstellung
des Abflußvorganges gesondert durchgeführt. Rein beschreibend ist der Inhalt der ersten beiden
Abschnitte. Es ist darin eine kurze Übersicht der Bodengestalt und Bodenbeschaffenheit, aber eine
sehr eingehende Beschreibung der einzelnen Flüsse gegeben mit vielen Zahlen über Breiten-, Längen-,
Gefälls- und Höhenverhältnisse sowie Darstellung der Brücken- und Stauanlagen, Flußbauten, An-
lagen für Fischerei- und sonstige wasserwirtschaftliche Zwecke. Auch bei den vielen Seen im Ostsee-
zebiet, ist stets die Höhe, gelegentlich die Größe angegeben, Wichtig sind auch die Angahen über die
Wasserstraßen und Verkehrsmöglichkeiten im Kurischen, Frischen, Stettiner Haff und ‚Jadebusen,
Die bei weitem interessantesten Abschnitte sind die den Wasserstand und Abflußvorgang
behandelnden. Als Material dienten-die Beobachtungen an über 120 Pegeln im Zeitraum 1896 bis
1905. Wertvoll ist diese Darstellung vor allem, weil sie auf aus gleicher Periode stanımendem
Material beruht und sich aus dieser Untersuchung ergibt, daß die Verschiedenheiten der Monats-
mittelwerte nach der Zeit größer sind als nach dem Ort, so daß also ältere Ansichten. die sich auf
Vergleich zeitlich verschiedener Werte verschiedener Orte stützen, irrig sind.
Da der Wasserstand der Haffe, Strandseen, Flußmündungen natürlich von der Höhe des
Spiegels in der Ost- und Nordsee stark abhängig sein muß, ist der Wasserstand beider Meere an den
deutschen Küsten cingehender diskutiert, Der wesentlichste Zug im jährlichen Gang des Wasser-
standes der Ostsee ist das Minimum im April—Mai und das schnelle Anwachsen von diesem zum
Größtwert im Juli—.August im Gegensatz zu den Binnenflüssen, die im Frühjahr die größten, im
Sommer die kleinsten Wassermengen, führen. Dabei zeigen sich strichweise noch kleine Besonder-
heiten, So tritt z. B. an der Küste Ost- und Westpreußens das Minimum bereits im März ein. ın
Schleswig das Maximum erst im September. Eigentümlich und noch ohne Erklärung ist das Neben-
naximum im Februar, das sich im Jahrzehnt 1596 bis 1905 im ganzen Gebiet der deutschen Ustsee-
küste findet, in längeren Reihen aber sich abschwächt, in der Reihe 1811 bis 188S für Xwinemünde
ganz verschwindet.
Die Unterschiede zwischen dem größten und kleinsten Monatsmittelwasser betragen im Gesamt-
durchschnitt 12.3 cm. bei Ostpreußen 19 cm, bei Schleswig-Holstein 9 bis 10 cm. „Aus dem Gegensatz
zwischen dem jährlichen Gang des Mittelwasserstandes der Ostsee zu dem der Wasserführung der
Binnenlandflüsse läßt sich noch nicht schließen, daß die Wasserstandsbewegung der Ostsee unabhängig
von den Zuflüssen ist, da die meisten schwedischen und finnischen Flüsse einen ähnlichen Abfluß-
vorgang aufweisen wie unsere Hochgebirgsflüsse mit geringer Wassermenge im Winter und großer
Wasserführung im Sommer,
In der Eintrittszeit des niedrigsten Monatsmittelwasserstandes zeigt die Nordsec deiches Ver-
halten wie die Ostsee, doch steigt von April—Mai ab der Wasserstand bis Oktober, und zwar ist
dieses spätere Kintreten des Maximuns von allgemeiner Verbreitung, da es nicht nur an der deutschen
Nordseeküste, sondern auch an der niederländischen Küste, im Kattegat und am der norwegischen
Küste zu beobachten ist, Die Stürme verursachen weit häufiger als in der Ostsee Sturmfluten, und
zwar finden «die meisten im Winter statt. Auf das Winterhalbjahr entfallen 8/,. aut das Sommer-
halbjahr 1, der Gesamtzahl. Rechnet man den Oktober zum Winter und den April zum Sommer,
so kommen sogar 87% auf das kältere, 13%, auf das wärmere Halbjahr. Am häufigsten treten
Sturmfluten auf, wenn die schwersten Nordweststürme vorherrschen, also im Dezember—. Januar, am
zeltensten im Mai—Juli, Für die Ost- wie Nordsee ist der Winter die Zeit der großen &piegel-
schwankungen in schnellem Wechsel, also des sehr hohen Hochwassers und sehr niedrigen Niedrig-
wassers. Auffallend ist bei der Betrachtung des Mittelwassers von Jahr zu Jahr, daß die Anderungen
in beiden Meeren in erstaunlicher Weise übereinstimmen. Es müssen also Naturvorgänge, die auf
beide Meere gemeinsam wirken, die Änderung des Mittelwassers von Jahr zu Jahr regeln.
Daß an den Flußmündungen sowie in den Haffen der deutschen Ostseeküste die Höchstwasser-
stände im Juli —August eintreten, die niedrigsten im März—Mai, zeigt deutlich den überwiegenden
Einfluß der Ostsee, Der Spiegelunterschied zwischen Haff und Ostsee wird durch Abfluß nur teil-
weise ausgeglichen, weil die Windrichtung und der Seestand rascher wechseln. als der Ausgleich
arfolgen kann. Das Maß des Ausgleiches zwischen Haff und Ostsee ist abhängig von der (Größe des
Binnenlandzuflusses, von der Form des Haffbeckens und von den Eismassen, die bei den Frühjahrs-
Iuten aus den Strömen und dem Haff selbst dem Seetief zugeführt werden, Da beim Kurischen
Haff durch die trichterförmige Verengung des Hatfes nach der Ausmündung nach der Ostsee zu
die Fortführung der Frühjahrseismassen nach dem Meere sehr erschwert wird, entsteht dort im Früh-
jahr eine sehr erhebliche Rückstau, so daß der Höchstwasserstand im April erreicht wird. Es zeigen
sich die Hauptmerkmale des Binnenlandabflusses, daß nämlich die (irößtwerte aller monatlichen
Wasserstandszahlen in das Frühjahr, die Kleinstwerte in die späten Sommermonate fallen, Ebenso
nähern sich die Strandseen Hinterpommerns dem Binnenlandabflußcharakter, Anders verhalten sich
das Frische und Stettiner Haff sowie die vorpommersche Boddenreihe. In diese pflanzen sich die
°harakteristischen Kennzeichen der Ostseeschwankungen fast unvermindert fort, und cs genügt die
Frühjahrsabwässerung des Binnenlandes nicht, um die von der Sec aus in dieser Zeit bewirkte
Spiegelsenkung bis zur Mittelwasserhöhe des Jahres und darüber aufzufüllen, Nur in geringen Ab-
weichungen zeigt sich eine Mitwirkung der Binnenwässer,
Die Gefällsverhältnisse im Stettiner Haff sind eingehend diskutiert. Sie wechseln mannig-
fach mit den Winden. Im Jahresmittel zeigt sich ein Gefälle von der Odermündung längs des Papen-
wassers, der Kaiserfahrt und Swine nach der Ostsee, Es ist durchschnittlich nur 2.2 mm/km, und
zwar am stärksten mit etwa 4!/, mm/km in der Swine. Dievenow und Peene haben ein beträchtlich
schwächeres mittleres Gefälle zur See als die Swine, doch ist auch in jedem Monat das mittlere
Gefälle zur See gerichtet. Der jährliche Gang des Gefälles ist bei allen Ausflüssen annähernd der