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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw. 675 
zu den oberen Schichten sind sie nunmehr im allgemeinen kleiner zwischen 
Februar und August, so daß die Jahresunterschiede sich mit denjenigen zwischen 
Mai und November decken, Meist aber sind sie größer als die letzteren. 
In 50m ist. das Bild wieder ein anderes, Die Differenzen zwischen Mai 
und November sind außer an anderen Stationen namentlich bei D. N. 8 und 
D. N. 9 wesentlich kleiner als diejenigen zwischen Februar und August. Die- 
jenigen des Jahres sind über der Norwegischen Rinne noch größer als in 
40 m und mit Ausnahme von D. N. 10 an den Stationen über ihr nahezu gleich, 
Je mehr wir uns endlich dem Boden nähern, desto mehr schwindet auch der 
Unterschied im Verlauf der einzelnen Linienzüge, 
2. Beziehungen für die Temperatur, 
(Vgl. Tabelle XII, 8. 674.) ;) 
Die Berücksichtigung der Differenzen zwischen Februar und August 
ergibt zunächst, daß dieselben in den Küstengebieten höher sind als in der 
zentralen Nordsee; denn im Winter ist das Wasser der Küsten kälter, 
im Sommer wärmer als das der offenen Nordsee. Ihre schnelle Abnahme 
zur Tiefe hin, von der nur: die Deutsche Bucht und das engere Gebiet nördlich 
der jütischen Küste unberührt bleiben, hängt mit der Abnahme der sommerlichen 
Wärmegrade zusammen. 
Im Gegensatz dazu sind die Oberflächendifferenzen zwischen Mai 
und November auf den Plateaus höher als in den Küstengebieten von 
SII und SIII, am höchsten in der Deutschen Bucht und über der Doggerbank, 
am kleinsten im nördlichen Skagerrak, Es hängt das mit der Temperaturlage 
in beiden Monaten zusammen; im Frühling ist das Wasser auf den Plateaus 
kälter, im November wärmer als das der Küstengebiete. 
Ferner setzt nach der Tiefe zu an allen Stationen eine Zunahme 
der Temperaturdifferenzen ein, ebenfalls umgekehrt wie in dem Ver- 
halten der Februar — August-Differenz. Dieselbe erfolgt auf den Plateaus 
und an der jütischen Küste langsamer, über der Norwegischen Rinne schneller, 
am schnellsten und stärksten dort, wo die intermediären kalten und warmen 
Schichten des Mai und November am besten ausgeprägt sind, also bei D.N.8 
und D.N. 9. 
Vergleichen wir nun die Februar—August- und Mai—November-Differenzen 
der Temperatur mit denen des Jahres (s. Taf. 38), so tritt aus den Diagrammen 
für die Oberfläche die große Verschiedenartigkeit der Differenzen hervor. Die 
Jahresschwankung deckt sich an allen Stationen mit derjenigen zwischen Februar 
und August, die Differenzen zwischen Mai und November sind um viele 
Grade kleiner. 
In 20 m fällt mit Ausnahme von D. N. 10 die Jahresschwankung ebenfalls 
mit derjenigen zwischen Februar und August zusammen, doch sind die Unter- 
schiede gegen diejenigen zwischen Mai und November schon lange nicht mehr 
so groß wie an der Oberfläche. Die Februar—August-Differenz fällt, die 
Mai—November-Differenz steigt, beide im allgemeinen stärker über 
der Norwegischen Rinne als in der eigentlichen Nordsee; daher sind 
die Differenzen nunmehr in. dem letzteren Gebiet größer. 
In 40 m hat sich die Umkehrung der Verhältnisse schon fast vollends 
ausgebildet. Nur noch an den Stationen D. N. 1 bis 3, D. N. 9 und D. N. 12 deckt 
sich die Jahresschwankung mit derjenigen zwischen Februar und August. Sonst 
aber sind die Mai—November-Differenzen schon beträchtlich höher, fallen zumeist 
mit derjenigen des Jahres zusammen oder sind, wie bei D. N. 6, etwas kleiner als 
diese. Es ist ganz auffallend, daß sich an einigen Stationen, wie bei D. N. 2, 
D. N. 3, D. N. 4 und D. N. 9, die Linienzüge so eng aneinander schmiegen. 
In 50 m ist das Bild der Temperaturdifferenzen vollständig um- 
gekehrt. Die Jahresschwankung deckt sich jetzt nahezu ganz mit der 
Differenz zwischen Mai und November, und die von Februar— August 
ist ungleich geringer. 
Dasselbe ist der Fall in 100 m.
	        
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