Henckell, P.: Die halbtägige Oszillation des Luftdruckes über den tropischen Ozeanen. 667
IX. Die jährliche und mehrjährige Veränderlichkeit der Amplitude
der halbtägigen Luftdruckschwankung.
Im vorigen Teil ergab sich eine gewisse Übereinstimmung der geo-
graphischen Verteilung der Amplitude mit der Horizontalintensität. Nachdem
so überhaupt erst einmal auf den Erdmagnetismus hingewiesen ist, drängt es
sich unwillkürlich auf, weitere Schlüsse zu .ziehen. Die halbtägige Schwankung
des Luftdrucks hat unabhängig von den irdischen Jahreszeiten 2 Maxima (zur
Zeit der Äquinoktien) und 2 Minima (zur Zeit der Solstitien), die also nur vom
Stand der Erde zur Sonne abhängen. Dieselben Maxima und Minima weisen
gewisse. Erscheinungen auf, die mit dem Erdmagnetismus in engem Zusammen-
hang stehen, nämlich; die mittlere tägliche Variation der Deklinationsnadel
und die Häufigkeit der Nord- und Südlichter. Die Polarlichter haben außerdem
noch eine 11-jährige Periode, die mit der Sonnenfleckenperiode zusammenfällt,
Es entsteht nun die Frage: Zeigt auch die Amplitude der halbtägigen Luft-
druckschwankung im Laufe verschiedener Jahre Änderungen, und laufen diese
parallel mit denen der Relativzahlen der Sonnenflecken?:
Auf diese Konsequenzen hat mich Herr Professor Krümmel hingewiesen
und mich so veranlaßt, in der Veränderlichkeit der Amplitude nach der Sonnen-
HMeckenperiode zu suchen. ;
Nimmt man an, daß die doppelte Oszillation der Atmosphäre innerhalb
24 Stunden lediglich durch die Absorption der von der Sonne kommenden
Wärmestrahlen in den obersten Luftschichten verursacht wird, so ist es ebenfalls
von großem Interesse zu wissen, ob sich der Einfluß der Sonnenfleckenperiode
geltend macht, Durch diese Überlegung wurde Herr Professor Hann bereits
vor Jahren veranlaßt, in der Veränderlichkeit der Amplitude nach der Sonnen-
fleckenperiode zu suchen!), Hann hat 16 Jahre (1866 bis 1882) der Beobach-
tungen zu Batavia verarbeitet, Eine periodische Variation der Barometer-
schwankung, insbesondere die Sonnenfleckenperiode, ergab sich nicht.
Aus Beobachtungen zu Prag und München hat Hornstein?) eine längere
70-jährige Periode in der Variation der Amplitude gefunden, die mit einer
gleichen Periode der Sonnenflecken zusammenfällt, Die 11-jährige Periode war
nicht vorhanden.
Hier soll mit rein ozeanischem Material noch einmal versucht werden,
die Variation der Amplitude festzustellen.
An und für sich wäre es am ratsamsten gewesen, ein Gebiet auszuwählen,
in dem die Luftdruckschwankung an und für sich groß ist. Andererseits muß
aber auch verlangt werden, daß dieses Gebiet reichlich mit Beobachtungen
bedacht ist. . Daher wurde das schon mehrfach erwähnte 10°-Feld 0° bis 10° N-Br.,
20° bis 30° W-Lg. des Atlantischen Ozeans für die Untersuchungen dieses zweiten
Teiles ausgewählt. Im ganzen wurden: 4159 Tage aus den Tagebüchern von
Segelschiffen‘ der ‘Jahre 1891 bis 1908 verarbeitet. Manches Tagebuch, das
Unregelmäßigkeiten aufwies, mußte unbenutzt aus der Hand gelegt werden.
Ob die übrigen Tagebücher wirklich brauchbare Beobachtungen enthalten, kann
der Sammler nicht entscheiden. Die Masse der Beobachtungen muß etwa noch
vorhandene Unregelmäßigkeiten. ausscheiden, Verteilt man die benutzten
4159 Tage auf die 18 Jahre (bzw. 216 Monate), denen sie angehören, so ist klar,
daß das Material für die Beantwortung der gestellten Frage nicht als allzu reichlich
angesehen werden darf, zumal es sich nur um eine kleine Variation der Am-
plitude handelt.
Die Tage wurden nach Jahren und Monaten geordnet. Wäre das Material
ganz einwandsfrei gewesen, so hätte die Amplitude der halbtägigen Luftdruck-
schwankung innerhalb jedes Jahres die bekannte Periode zeigen müssen.
(Maxima: März und Oktober, Minima: Januar und Juli). Das tat sie nicht, Die
Periode war vielmehr immer nur andeutungsweise zu erkennen. Das ist nichts
Überraschendes, wenn man bedenkt, daß auf jedes Jahr durchschnittlich nur
)
Bemerkung zur täglichen Oszillation des Barometers. Wiener Sitzbr. 1886, Bd. 93, IT. Abt,
Wiener Sitzber., Bd. 65, 10. Mai 1872.