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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Henckell, P.: Die halbtägige Oszillation des Luftdruckes über den tropischen Ozeanen, 661 
sich nicht nach den irdischen Jahreszeiten, sondern nur nach der Stellung der 
Erde zur Sonne, 
Es gehört nicht in den Rahmen dieser Arbeit, die zahlreichen Theorien, 
die zur Erklärung der halbtägigen Barometerschwankung aufgestellt sind, zu 
schildern und zum Teil zurückzuweisen!). Die meisten haben den Fehler, daß 
sie nur bestimmten örtlichen Verhältnissen Rechnung tragen und den univer- 
sellen Charakter der Erscheinung nicht berücksichtigen. Ein Erklärungsversuch 
muß vor allen Dingen folgende beiden Tatsachen im Auge behalten: die 
Schwankung erfolgt nachts sowohl wie am Tage; sie erfolgt über den Ozeanen 
mit derselben Regelmäßigkeit wie auf dem Lande und mit einer fast ebenso 
großen Amplitude, In seinem Lehrbuch der Meteorologie sagt Hann: »Es ist 
wohl zu beachten, daß die Art des Auftretens der letzteren (d. h, der halbtägigen 
Barometerschwankung) über dem Ozean vor allem maßgebend sein muß für alle 
Erklärungsversuche. Der Große Ozean allein nimmt unter 10° N-Br. fast die 
Hälfte des Erdumfanges ein (etwa 140 Längengrade), und gerade über dem Ozean 
(und weiten Flachländern) tritt die Erscheinung der doppelten Barometer- 
schwankung am regelmäßigsten auf.« ; 
Will man den täglichen Temperaturgang, der nur eine ganz kleine halb- 
tägige Schwankung aufweist, zur Erklärung heranziehen, so kommt wohl nur 
die periodische Erwärmung der oberen Luftschichten in Betracht. Tatsächlich 
ist durch Berechnungen nachgewiesen, daß die natürliche Periode der Oszillation 
der Erdatmosphäre als Ganzes nahezu eine halbtägige ist, so daß die ent- 
sprechende Luftdruckschwankung keine theoretischen Bedenken hat. 
{. Die geographische Verteilung der Amplitude der halbtägigen 
Luftdruckschwankung. 
Hinsichtlich der geographischen Verteilung der Größe der halbtägigen 
Luftdruckschwankung zeigen sich eigentümliche Tatsachen. Die Amplitude 
erfährt z. B. eine Steigerung nach dem Golf von Bengalen. Herr Professor 
Krümmel machte mich darauf aufmerksam, daß die Amplitude in dieser 
Hinsicht eine gewisse Übereinstimmung mit der Horizontalintensität des Erd- 
magnetismus zeigt, die auch im Golf von Bengalen groß ist, und daß ferner beide 
Größen mit zunehmender Breite kleiner würden, Ich wurde so angeregt, erst 
einmal die geographische Verteilung der Amplitude festzustellen und gegebenen- 
falls eine Übereinstimmung mit der Horizontalintensität nachzuweisen, 
Die halbtägige Schwankung des Luftdrucks erfolgt am kräftigsten in 
niederen Breiten und in ihrer reinsten Form über den Ozeanen. An Küsten 
und Inseln zeigen sich Abweichungen. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich des- 
halb auf die Ozeane zwischen 20° N-Br. und 20° S-Br. Das Material lieferten Schiffs- 
journale, die die Deutsche Seewarte in Hamburg bereitwilligst zur Verfügung stellte. 
Auf den Schiffen wird der Barometerstand 6mal innerhalb 24 Stunden in 
4stündigen Intervallen abgelesen (4 V, 8 V, Mittag, 4 N, 8N, Mitternacht). Eine 
solche Beobachtungsreihe zeigt in den Tropen bereits deutlich die doppelte 
Schwankung des Luftdrucks innerhalb 24 Stunden: die Barometerstände um 
4b (V und N) sind niedrig, die um 8% und 12% höher. Aus sechs derartigen 
äquidistanten Ablesungen kann man die‘ Amplitude der Schwankung und die 
Eintrittszeiten der Maxima und Minima mit Hilfe der harmonischen Analyse 
berechnen?). Unter Amplitude ist hier immer das Mittel aus Tag- und Nacht- 
amplitude zu verstehen, 
Um das Material, aus dem die geographische Verteilung der Amplitude 
abgeleitet werden sollte, von vornherein ordnen zu können, wurden die Ozeane 
zwischen 20° N-Br. und 20° S-Br. in 5°-Felder eingeteilt. Nun wäre das Ende 
der Materialsammlung nicht abzusehen gewesen, wenn sämtliche zur Verfügung 
stehenden Journale benutzt worden wären, Es mußte daher notwendigerweise 
Vgl. die zitierten Werke von Hann, 
;) Hann: Lehrb. d. Met, 2. Aufl. S. 565 ff. Ein bequemes Rechenschema gibt Fritsche, H.: 
Die mittlere Temperatur der Luft im Meeresniveau, dargestellt als Funktion der geogr. Länge, Breite 
und Jahreszeit, Riya 1909. S. 137 ff.
	        
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