Kohlschütter, E.: Die internationale Zeitkonferenz .zu Paris vom 15. bis 23, Oktober 1912. 657
Signale. selbsttätig auslösenden Uhren danach verbessern können. Für diese
Bekanntgabe, wird sich das Internationale Zeitamt ebenfalls des Telegraphen be-
dienen müssen, damit die Gebestellen die internationale Verbesserung rechtzeitig
für die nächsten Signale bekommen,
Für die wissenschaftlichen Signale hat die Mitteilung extrapolierter Uhr-
stände an das Internationale Zeitamt in Paris keinen Sinn. Denn sie können
für die Ableitung der wahrscheinlichsten Fehler der Signale nicht in Betracht
kommen, Da für diese Signale die höchste erreichbare Genauigkeit angestrebt
werden soll, müssen die dem Internationalen Zeitamt mitgeteilten Fehler dieser
Signale aus interpolierten Uhrständen abgeleitet werden. Für diesen Zweck
dürfte aber eine schriftliche Mitteilung genügen, da sie ja sowieso erst mehrere
Tage später, nämlich erst nach dem Gelingen einer Schluß-Zeitbestimmung und
der Interpolation der Uhrstände erfolgen kann. Es liegt nach dem früher Ge-
sagten zunächst auch kein Bedürfnis nach sofortiger Kenntnis des Resultats vor.
Da. die Signale des Eiffelturms nicht über die ganze Erde reichen, wird
wohl.noch eine Ergänzung der vorgesehenen Organisation durch andere Zeit-
ämter erforderlich werden, Zum Beispiel kann die Einheitlichkeit der Zeit-
signale in Australien und dem fernen Osten nicht durch das Zeitamt in Paris
hergestellt werden. Für andere Erdteile werden daher wohl noch weitere inter-
nationale Zeitämter mit denselben oder ähnlichen Aufgaben wie das Pariser
Amt der Organisation angegliedert werden müssen,
Außerdem scheint mir noch Nr. 18 der Konferenzbeschlüsse einer. kurzen
Erläuterung zu bedürfen. Bisher sind die Zeitsignale nur mit dem Gehör auf-
genommen worden. Obwohl man damit bei Anwendung der von Fav6&, Ferri€,
Claude und Driencourt ausgebildeten Methode der im Telephon abgehörten
Koinzidenzen zu sehr großen Genauigkeiten gekommen ist’), erscheint doch eine
vollkommen selbsttätige Aufnahme auch der Funken-Zeitsignale erwünscht. Eine
Versuchsanordnung, die diesem Zwecke diente, war von Herrn Professor
Abraham in einem Gebäude der Sternwarte aufgestellt und mit einer im Garten
befindlichen kleinen Antennenanlage verbunden worden, Bei der Ankunft eines
jeden funkentelegraphischen Signals machte ein Lichtpunkt, der auf einem in
Bewegung befindlichen Streifen lichtempfindlichen Papiers spielte, einen plötzlichen
Ausschlag... Auf dem Papierstreifen entstand dadurch eine gebrochene Linie,
ähnlich wie bei den Hippschen Schreib-Chronographen, nur mit dem Unterschied,
daß die Ausschläge sehr viel größer waren, als bei den Chronographen. Indem
die Uhr, die mit den funkentelegraphischen Signalen verglichen werden sollte, Aus-
schläge nach. der: anderen Seite hervorbrachte, konnten die Augenblicke der
Koinzidenz mit großer Schärfe vom Streifen abgelesen werden. Herr Professor
Abraham glaubt, daß diese Art der Selbstaufzeichnung der Funken-Zeitsignale bei
weiterer Durchbildung wenigstens dieselbe Genauigkeit zu geben imstande sein
wird, als die Methode der telephonischen Koinzidenzen, Auf einer Aufnahme
der Norddeicher Signale waren die bekannten Abweichungen. der einzelnen Zeit-
striche, die in kleinen Unregelmäßigkeiten der Kontaktscheiben ihre Ursache
haben, genau zu sehen, Jedenfalls scheint mir dieser selbstschreibende Empfänger
für genaue Längenbestimmungen eine große Zukunft zu haben. Daß auch die
Konferenz diese Ansicht teilte, geht aus dem Beschluß Nr. 18 hervor, der die
Weiterentwicklung dieses Instruments empfiehlt,
Fragt man schließlich nach dem Nutzen; den der Abschluß eines inter-
nationalen Abkommens und die Gründung des Zeit-Ausschusses und des Zeitamtes
haben werden, so scheint mir sowohl ein praktischer Nutzen, als auch einer für
die Wissenschaft vorhanden zu sein. Der erstere ergibt sich daraus, daß die
eingangs geschilderten Mißstände, die zur Zeit vorhanden sind, beseitigt werden.
Der Ausschuß wird dafür eintreten, daß möglichst überall Zeitsignale gehört
werden können, so daß der Seefahrer in Zukunft an jedem Punkte des Ozeans eine
völlig sichere Ortsbestimmung wird vornehmen können. Fehler .im Chronometer-
1) Bei der Längenbestimmung Paris—Bizerte haben die Unterschiede der Übertragungszeiten
(Stromzeiten) bei verschiedenen Beobachtern und an verschiedenen Abenden nur 080005 betragen,
woraus sich die Geringfügigkeit der Fehler der Uhrvergleichungen ergibt.
Ann. dd Hrodr usw. 19192. Heft XIL