Steffens, O.: Die Eisverhältnisse d. Winters 1911/12 in d. anßerdeutschen Gewässern der Ostsee usw. 643
lie geschlossenen Häfen wurden fast alle noch im Februar wieder geöffnet.
Nur der nördlichste Hafen, Nyköping, blieb bis zum 29. März geschlossen,
Während aber im milderen . Vorwinter die übrigen für Segler geschlossenen
Häfen, Arkösund, Kalmar und Salvesborg, bereits im Februar wieder frei wurden,
trat dies im letzten Winter meist erheblich später ein; Arkösund eröffnete die
Segelschiffahrt am 3,, Kalmar am 15., Salvesborg am 17, März., am spätesten die
allerdings geschützter liegenden Häfen von Karlskrona (am 24.) und Westervik
(am 28. März). Vom 11. März liegt eine Zeitungsmeldung vor, der zufolge im
südlichen Kalmarsund die Schiffahrt seit diesem Tage vollständig unbehindert
gewesen Sei,
2, Die russischen Ostseegewässer bis zum Eingang des Finnischen Meer-
busens. Wie schon erwähnt, konnten Dampfer hier anscheinend den ganzen
Winter über verkehren. Nur von Zerel wird gemeldet, daß der am 10. Februar
zugegangene Hafen am 10. März wieder offen war. Von Bolderaa kam am
25. Februar die Nachricht, daß der Eisbrecher »Jermak« mit acht Dampfern von
der Seereede nach Domesnäs abgedampft sei. Spätere Meldungen besagen durch-
weg, daß Dampfer überall verkehren konnten. Gegen Mitte des Monats März
wurde aus Riga berichtet, daß das von der Düna seewärts geführte Brucheis
zum Stehen gekommen sei; der Eisbrecher »Jermak« depeschierte am 19. März,
er könne des zusammengepackten Eises wegen nichts ausrichten, die Lage der
im Eise festsitzenden Dampfer sei unverändert, Es gelang ihm jedoch noch am
gleichen Tage, sich mit den Dampfern nordwärts um Runö durchzuarbeiten,
Ende März hörte der Seegang der Düna auf. Für alle Fahrzeuge wurde die
Schiffahrt jedoch erst wieder Anfang Mai, zu Pernau am 22. April eröffnet,
3. Der Finnische Meerbusen. Was zunächst die russische Seite des Meer-
busens betrifft, so erfolgt nach der offiziellen Meldung der Aufgang des Hafens
von Reval am 12. Februar, also erheblich früher als im Vorjahre, wo die
Öffnung am 18. April erfolgte. Wie schon weiter oben erwähnt, scheinen Dampfer
jedoch den ganzen Winter hindurch, wenn auch mit Eisbrecherhilfe, verkehrt zu
haben, Überhaupt macht sich in den russischen und finnischen Gewässern ein
merklicher Unterschied gegen die übrigen Ostseegewässer bemerkbar, da die Eis-
verhältnisse sich dort günstiger, hier aber ungünstiger gestalteten als im Vor-
jahre. Alle übrigen Häfen der Südküste des Golfes wurden im März wieder
passierbar, Ekholm am 22, Hungerburg am 12. März. Eine Nachricht von
Petersburg am 22. März besagt, allem Anschein nach würde das Eis der Newa
vor Ende März aufbrechen; der Winter sei streng aber kurz gewesen, und nur
zweimal in den letzten 100 Jahren habe das Eis so früh zu ver-
schwinden .begonnen. Am längsten hielt sich das Eis naturgemäß im öst-
lichsten Teile des Meerbusens, Nachdem das Eis am 15. März bei Kronstadt
bereits so schwach geworden war, daß der Verkehr auf demselben verboten
wurde und freie Wasserflächen sichtbar wurden, trat eine erneute Stockung ein;
denn eine Meldung aus Kronstadt am 17. April besagt, daß der Eisbrecher
‚Jermak« von Reval nach dort abginge, der dortige Hafen sei vom Eis blockiert.
Und am 2. Mai traf die Nachricht ein, daß die in Kronstadt angekommenen
Dampfer ohne Eisbrecherhilfe eingelaufen seien; der »Jermak« gehe nach
Petersburg ab, um die Eishindernisse des Fahrwassers zu beseitigen; Passagier-
dampfer von Petersburg seien angekommen. Doch kamen noch später Be-
hinderungen des Verkehrs vor; nach einer Meldung aus Kronstadt vom 7. Mai
lagen Dampfer im herangetriebenen,. anscheinend schweren Treibeise vor Kron-
stadt fest und verlangten Eisbrecherhilfe. Am 13. kehrte das Leuchtschiff auf
seine Station zurück. ,
Auf der nördlichen Seite des Golfes waren die Eisverhältnisse nach den
Zeitungsberichten etwas ungünstiger als auf der südlichen. Am 10, April kam
in Helsingfors ein Eisbrecher an, so daß von diesem Tage ab Dampfer wieder
verkehren konnten; im Hafen von Kotka wurde die Schiffahrt am 26, April
wieder eröffnet; in Wiborg traf als erstes Schiff in dieser Saison der Dampfer
»Wiborz« ein.