Baschin, O.: Stereophotogrammetrische Küstenaufnahme von einem Standpunkt. 617
nehmender Entfernung vom Lande abnimmt, sodann aber auch, weil bei größerer
Entfernung .das Spiegelbild undeutlicher wird, Dazu kommt; daß das schwim-
mende Eis um so mehr von der ‚spiegelnden Wasserfläche verdeckt, je spitzer der
Einfallswinkel der Lichtstrahlen ist, und. daß bei größerer ‚Entfernung die
Meeresoberfläche nicht mehr als eine Ebene betrachtet werden kann, sondern
ihre. wirkliche Gestalt, diejenige eines Kugelsegments, in Rechnung gezogen
werden muß. .
Die Anwendbarkeit der Methode bleibt also auf nahe gelegene, relativ
hohe Küsten beschränkt, in deren Umgebung das Meer spiegelglatt ist. Profi-
tieren können daher von ihr vor.allem Polarexpeditionen, besonders dann, wenn
sie nicht mit Instrumenten für: stereophotogrammetrische Vermessungen aus-
gerüstet sind. Aber auch wo solche Einrichtungen sich an Bord befinden, wird
man häufig schnell eine günstige Gelegenheit durch eine einfache photographische
Aufnahme ausnutzen können, die bereits vorüber ist, wenn alle Vorbereitungen
zu einer exakten stereophotogrammetrischen Aufnahme getroffen sind. Jeder,
der über praktische Erfahrungen bei Forschungsreisen verfügt, wird sich mit
Mißmut an solche Situationen erinnern, in denen er aus Mangel eines einfachen,
schnell bereiten, wenn auch nur mit geringer Genauigkeit arbeitenden Hilfs-
mittels eine nie wiederkehrende Gelegenheit zu wichtigen Beobachtungen un-
genutzt vorübergehen lassen mußte. .
Jedenfalls wird es sich empfehlen, in Zukunft geographische Forschungs-
expeditionen, insbesondere Solche nach Polargebieten, auf die in vorstehendem
erörterte Methode hinzuweisen und diese in .das Programm des ÜUnterrichts-
betriebes an geographischen Universitätsinstituten, geodätischen und kultur-
technischen Instituten technischer und Iandwirtschaftlicher Hochschulen, Navi-
gationsschulen und ähnlichen Anstalten aufzunehmen.
Eine Methode zur Ableitung des Ortsstundenwinkels auf graphischem Wege.
Von Dr. Eugen Alt, München. ;
(Hierzu Tafel 31.)
Jede zum Zweck der Ortsbestimmung ausgeführte astronomische Beob-
achtung besteht bekanntlich aus Zeitbestimmung und Höhenmessung. Die Zeit-
bestimmung führt in Verbindung mit der geraden Aufsteigung des Gestirnes
bzw. der Zeitgleichung der Sonne zur Ermittlung des Gestirns-Stundenwinkels,
bezogen auf den Meridian von Greenwich und, da auch die Abweichung des
Sternes bekannt ist, zur Fixierung des Gestirnsortes, Die Höhenmessung liefert
die Zenitdistanz als Komplement der wahren Höhe, I
Diesen Stücken entsprechen auf der Erde einerseits Länge und Breite der
terrestrischen Projektion des Gestirnsortes, anderseits der sphärische Abstand des
Beobachters von diesem Projektionspunkt,
Denken wir uns nun den Projektionspunkt nach Länge und Breite auf
einen Globus fixiert und um diesen Punkt als Pol .den Höhenkreis geschlagen
in einem sphärischen Abstande, der gleich ist der Zenitdistanz des Gestirnes.
Das Gradnetz des Globus, der Projektionspunkt sowie die Höhengleiche sollen
nun auf eine Bildebene, welche mit der Globusachse parallel läuft, orthographisch
projiziert werden, Zuvor soll‘ jedoch dem Globus eine besondere Stellung zur
Projektionsebene erteilt werden, -
Wir drehen den Globus so lange um seine Achse, bis die Meridianebene,
in welcher der Projektionspunkt liegt, parallel mit der Bildebene steht.
Die Projektion zeigt dann folgende charakteristische Züge. :. Der Globus
stellt sich als ‚eine Kreisfläche dar, deren Peripherie zugleich dem Meridiane
entspricht, auf welchem der Projektionspunkt liegt. Der Aquator sowie die
Breitenkreise sind parallele ‚Strecken, deren Abstände untereinander nach .be-
kannten Gesetzen geregelt sind. Die Meridiane treten als Ellipsen auf, mit. Aus-